Guido Barthels von TBF Asset Management Foto: Uwe Noelke

Guido Barthels von TBF Asset Management

„Unser Ursprung auf der Aktienseite zahlt sich aus“

Die Aktienwelt ist gespalten und die herkömmlichen Anleihemärkte geben kaum etwas her. Fehlt Income-Konzepten künftig die Quelle für die Ausschüttungen?

Guido Barthels: So kategorisch lässt sich das nicht sagen. Aber man muss heutzutage definitiv länger und genauer suchen. Hoffnung und Gewissheit haben sich quasi abgewechselt. Viel mehr Marktteilnehmer setzen auf Hoffnung, nach dem Motto „es wird doch schon gutgehen“. Wir sind hingegen zuversichtlich, dass unsere errechnete laufende Verzinsung auch tatsächlich genauso eintreten wird. Es ist letztendlich alles eine Frage der Gewissenhaftigkeit und Sorgfältigkeit. Das wir seit 16 Jahren immer den gleichen Euro-Betrag ausgeschüttet haben, kommt schließlich nicht von Ungefähr.

Wie ist Ihre Meinung zum zeitweisen Rückgriff auf die Substanz eines Portfolios, um gewohnt ausschütten zu können?

Barthels: Das lehnen wir nicht grundsätzlich ab. Wir haben die komfortable Situation, dass wir in den vergangenen Jahren nicht immer alles, was erwirtschaftet wurde, ausgeschüttet haben. Wir haben hohe Reserven, auf die wir zugreifen könnten.

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Spätestens seit dem Corona-Crash im Frühjahr 2020 ist die Aktienwelt in Gewinner und Verlierer gespalten. Growth-Titel gehören zu ersteren, zahlen aber meist keine üppigen Dividenden. Was heißt das für die Aktienstrategie?

Barthels: Generell unterscheiden wir hier nicht wirklich, da wir ja auch reine Aktienmandate verwalten. Für unseren Mischfonds TBF Global Income schauen wir schon verstärkt auf Unternehmen, die eine stabile und solide Dividendenstrategie verfolgen. Und das geschieht unabhängig davon, in welchem Sektor diese Unternehmen beheimatet sind.


Beim genannten Mischfonds haben Sie im Corona-Crash die fallenden Anleihekurse genutzt, um sich auskömmliche Ablaufrenditen fürs Portfolio zu sichern. Wie gehen Sie mit dem Risikoszenario von ausfallenden Anleihen um?

Barthels: In den vielen Jahren seit TBF Global Asset Management am Markt ist, haben wir nur sehr wenige Anleihen gehalten, die in unseren Beständen ausgefallen sind. Das liegt zu einem sehr großen Anteil an unserer tiefgreifenden Unternehmensanalyse, die über das Niveau hinausgeht, welches üblicherweise bei Anleihe-Investitionen stattfindet. Der Ursprung unseres Portfoliomanagement ist die Aktienseite, auf der andere Aspekte der Unternehmen oft einen höheren Stellenwert haben. Dies scheint sich in den vergangenen Jahrzehnten für uns ausgezahlt zu haben. Ganz ausschließen lassen sich Defaults hingegen nicht, da es ja in der Vergangenheit immer wieder auch zu Betrugsfällen kam, die man nur sehr schwer bei einer Firmenanalyse aufdecken kann. Kriselnde Sektoren schließen wir auch nicht grundsätzlich aus, da es in solchen Sektoren auch oft genug attraktive Unternehmen gibt.

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Sichern Sie denn Ausfallrisiken ab?

Barthels: Nein.

Im andauernden Niedrigzins funktionieren einige Bausteine eines Income-Konzepts nicht mehr so wie gewohnt. Hat Buy and Hold bei Aktien und Anleihen gänzlich ausgedient?

Barthels: Buy and Hold ist weiterhin der generelle Modus Operandi für uns, allerdings bedarf es für eine erfolgreiche Verfolgung dieser Methode ungleich mehr vorgelagerte Arbeit als bei kürzeren Halteperioden. Sogenanntes Flipping von Positionen, also sehr kurze Halteperioden, um beispielsweise Zeichnungsgewinne bei Neuemissionen von Anleihen zu verbuchen, gehen auch meistens eher zu Lasten der Anleger, da die Transaktionskosten in die Höhe getrieben werden. Insofern bleiben wir wie der sprichwörtliche Schuster bei unseren Leisten.


Über den Interviewten:
Guido Barthels ist seit Sommer 2019 bei der Fondsboutique TBF Asset Management, vor allem im Anleihemanagement tätig. Zuvor war er elf Jahre lang bei Ethenea Independent Investors, unter anderem als Investmentchef (CIO), und verantwortete das Rentenmanagement. Bei TBF managt er den Mischfonds TBF Balanced (ISIN: DE000A2PE1J9).

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