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Lesedauer: 4 Minuten
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Interview mit Robert-Jan van der Mark „Unsere Assets müssen sechs Nachhaltigkeitskriterien erfüllen“

Robert-Jan van der Mark
Robert-Jan van der Mark: „Zu unserer guten Performance trägt der Schwerpunkt auf alternativen Anlagen bei.“ | Foto: Aegon AM

Herr van der Mark, die Gesamtrendite des Aegon Global Sustainable Diversified Growth Fund seit seiner Auflegung im Juni 2016 beläuft sich auf 37,1 Prozent nach Gebühren, was einer jährlichen Performance von 6,0 Prozent entspricht. Für einen Multi-Asset-Fonds ist das eine starke Leistung. Wie haben Sie dieses gute Ergebnis erzielt?

Robert-Jan van der Mark: Zu nennen sind drei Faktoren: Sie tragen in sehr erheblichem Maß zu unseren Ergebnissen bei, die von mir und Colin Dryburgh verantwortet werden. Zunächst ist hier unser engagiertes Fondsmanagement zu nennen, das mit sehr genauer Kenntnis der Märkte allokiert. Risiko-Level können somit mit Markt- und Ertragserwartungen gut in Balance gebracht werden. Zugleich lässt sich auf Marktereignisse rasch reagieren; etwa auf das Anziehen der Regulierung in China seit Jahresbeginn. Im Durchschnitt gaben die betroffenen Aktien um 40 Prozent nach; wir haben es geschafft, mit Abschlägen von 17 bis 18 Prozent durch den Regulierungsfuror zu kommen.

Zur guten Performance des Aegon Global Sustainable Diversified Growth Fund trägt darüber hinaus unser Schwerpunkt auf alternativen Anlagen bei. 35 bis 40 Prozent des Kapitals sind in entsprechenden Assets angelegt. Es handelt sich dabei jeweils um börsennotierte Investments in den Bereichen erneuerbare Energien, Infrastruktur und Immobilien. Wir schätzen die regelmäßigen Cashflows, die neben dem Income-Aspekt auch einen gewissen Inflationsschutz bieten. Außerdem haben alternative Anlagen eine nur geringe Korrelation zum breiten Markt.

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Könnten Sie Beispiele für alternative Anlagen im Fonds nennen?

Van der Mark: Die entsprechend größte Gewichtung im Fonds haben erneuerbare Energien. Sie profitieren nicht zuletzt von den zahlreichen Anpassungen im regulatorischen Umfeld. Beispiele sind Greencoat Renewables, eine Investmentgesellschaft, die vorrangig in europäische Windparks und Infrastrukturen für erneuerbare Energien in Irland und Europa investiert. Auch die Investmentgesellschaft NextEnergy Solar Fund erscheint uns interessant. Orsted, der Weltmarktführer im Bereich Offshore-Windenergie, hat ebenfalls einen Platz im Portfolio.

Inwieweit wird Nachhaltigkeit im Fonds Rechnung getragen?

Van der Mark: Jede einzelne Position, die wir in den Fonds aufnehmen, wird im Hinblick auf Nachhaltigkeitskriterien von unserem Responsible Investment-Team genau geprüft. Somit lassen sich unnötige Risiken vermeiden, die sich etwa aus unerwünschten Geschäftspraktiken von Unternehmen ergeben. Unsere Assets müssen dementsprechend sechs verschiedene Nachhaltigkeitskriterien erfüllen: Sie müssen bei der Bewältigung der Klimakrise helfen, den ökologischen Umbau fördern, Ressourceneffizienz gewährleisten, Gesundheit und Wohlergehen sicherstellen und zur inklusiven und nachhaltigen Entwicklung beitragen. Bei allen unseren Unternehmen, die in die engere Wahl kommen, achten wir daher auf die Produkte, die sie herstellen, auf die Geschäftspraktiken sowie ihre Fortschritte im Hinblick auf vollumfängliche Nachhaltigkeit.

Was erwarten Sie vom kommenden Jahr?

Van der Mark: Die im laufenden Jahr gesehenen hohen Wachstumsraten sollten sich 2022 abschwächen. Die Gewinne der Unternehmen sollten im gleichen Maß etwas verhaltener wachsen. Unterstützt wird die konjunkturelle Entwicklung von einer Reihe positiver Faktoren. So dürften wieder mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt zurückkehren, wodurch die Wirtschaft weiter an Schwung gewinnen sollte. Und in der Pandemie angesparte Gelder dürften weiterhin den Weg in den Markt finden. Auch die Lieferkettenprobleme sollten allmählich nachlassen.

Inwiefern wird die Notenbankpolitik auf die Märkte einwirken?

Van der Mark: Angesichts des starken Preisauftriebs in den USA – im November kletterte die Inflationsrate mit 6,8 Prozent auf das höchste Niveau seit 1982 – ist zu erwarten, dass die obersten Währungshüter der USA das Volumen ihrer monatlichen milliardenschweren Anleihekäufe noch stärker eindämmen werden als noch vor Kurzem gedacht. Die Käufe könnten also bereits im Frühjahr 2022 eingestellt werden.

… und die Zinsen in den USA könnten bald steigen.

Van der Mark: Das sehen wir auch so: Von Zinsschritten halten Fed-Chef Jerome Powell offenbar weder die steigenden Corona-Zahlen noch die Omikron-Variante ab. Die meisten Beobachter gehen inzwischen von einem ersten Zinsschritt in den USA ab der Jahresmitte 2022 aus. Weil die wirtschaftliche Lage es zulässt, sehen wir auch in den Schwellenländern steigende Zinsen.

Im Zusammenhang mit den jeweiligen Zinsankündigungen erwarten wir höhere Volatilität. Aufgrund unserer entschieden nachhaltigen Ausrichtung dürfte sich unser Fonds jedoch auch in diesen Marktphasen weiterhin gut entwickeln. Für Regierungen und die Verbraucher wird der Nachhaltigkeitsgedanke immer wichtiger. Auf der Regierungsebene zeigt sich das unter anderem im europäischen „Green Deal“. Dieser Megatrend wird über die kommenden Jahrzehnte anhalten, in denen die Welt ihren CO2-Ausstoß weiter reduziert.

Letzte Frage: Müssen Anleger nicht beunruhigt sein, dass sich bei nachhaltigen Anlagen eine Blase aufbaut?

Van der Mark: Tatsächlich gibt es in einigen Marktsegmenten eklatante Überbewertungen, nehmen Sie nur das Beispiel der E-Mobilität. Hier drängen eine Reihe von Anbietern auf den Markt, die bei Anlegern heiß gehandelt werden. Die Kursentwicklung von Tesla hat die Richtung vorgegeben; jetzt hoffen Anleger, an dieser spektakulären Wertentwicklung anderer Anbieter teilzuhaben. Wir sind daher in Anlagesegmenten im Bereich Nachhaltigkeit investiert, die ein vernünftiges Chance-Risiko-Verhältnis bieten. Hier bieten wiederum Midcap-Unternehmen für uns das größte Potenzial.

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