Aktualisiert am in BaFinLesedauer: 10 Minuten

Schlimme Finger im Juni 2023 Vor diesen Finanzdienstleistern warnt aktuell die Bafin

Deutlicher Fingerzeig
Deutlicher Fingerzeig: Mithilfe einer Betrugsmasche versuchten Unbekannte im Juni auf die Computer ihrer potenziellen Opfer zuzugreifen. | Foto: Jessica Hunold mit Canva

Auch im Juni musste die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wieder einige Finanzmarktteilnehmer verwarnen und Ermittlungen einleiten. Besonders häufig ging es um Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen ohne die dafür nötige Erlaubnis nach deutschem Kreditwesengesetz (KWG) oder Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG). Auch gegen eine Betrugsmasche über Social-Media-Kanäle sowie Identitätsdiebstahl schritten die Finanzaufseher ein. Hier kommt der Überblick:

Betrugsmasche über soziale Netzwerke

Kriminelle finden immer neue Wege, um potenzielle Opfer zu ködern – in diesem Fall nutzten Betrüger Social-Media-Kanäle:

Die Bafin verdächtigt, die Betreiber der Websites ga-te.vip und ga-te.cc unerlaubt Finanzdienstleistungen anzubieten. Dabei nehmen die Unbekannten über Social-Media-Plattformen Kontakt zu potenziellen Opfern auf. Die anschließenden Einzahlungen nehmen die Betreiber in Kryptowährungen entgegen. Dies führe zu einer Verschleierung der Geldflüsse, so die Aufsicht.

Betrug mit Aktien bekannter Firmen

In jüngster Zeit häufen sich Meldungen über Betrugsversuche, bei denen Aktien bekannter Unternehmen angeboten werden, meldet die Bafin. Die Käufer erhalten die Aktien jedoch nach Zahlung nicht, die Anbieter sind anschließend nicht mehr erreichbar. Für die Angebote fehlt in der Regel auch der Verkaufsprospekt, in einigen Fällen existieren die Aktien nicht einmal.

Aus diesem Grund warnt die Bafin vor Kepler Capital. Das Unternehmen kontaktiert Verbraucher telefonisch und bietet angebliche vorbörsliche Aktien der Nucera AG zum Kauf an. Dabei erwecke die Kepler Capital gezielt den Eindruck, zur Kepler Cheuvreux-Gruppe zu gehören. Das sei jedoch nicht der Fall, so die Aufsicht.

 

Falsche Versprechen

Häufig locken Betrüger Verbraucher mit falschen Versprechen – so auch in diesem Fall:

Die Bafin ermittelt gegen die Belana Group LLC. Auf der Website zigber.com bietet das Unternehmen den Handel von Differenzkontrakten (Contracts for Difference – CFDs) an und verspricht dabei hohe Gewinne. Das Problem: Es kommt nichts davon bei den Kunden an.

Computer unter fremder Kontrolle

Ebenso hat die VIPCOIN-Finanzportal GmbH die Aufsicht auf den Plan gerufen. Die Gesellschaft betreibt die Handelsplattform vipcoin.ch und wird verdächtigt, ohne Erlaubnis Finanzdienstleistungen anzubieten. Dafür nimmt das Unternehmen Zahlungen in Kryptowährung entgegen und übernimmt mithilfe einer Fernsteuerungssoftware die Kontrolle über die Rechner der möglichen Opfer.

Betrug mit Festgeldangeboten

Mit den gestiegenen Zinsen wird Tages- und Festgeld wieder attraktiver – leider auch für Betrüger. Die Bafin registriert nach eigenen Angaben vermehrt Betrugsversuche, bei denen Verbrauchern Festgeldanlagen bekannter ausländischer Kreditinstitute angeboten werden.

In diesem Zusammenhang warnt die Finanzaufsicht vor Angeboten der Amsaville Asset Management. Nach Erkenntnissen der Bafin bietet das Unternehmen auf der Website amsaville-management.com Finanz- und Wertpapierdienstleistungen ohne Erlaubnis an. Dabei gibt die Firma insbesondere vor, mit europäischen oder US-amerikanischen Banken zusammenzuarbeiten und deren Festgeldangebote zu vermitteln. 

Auch die Swiss Investment Solution tritt nach Informationen der Bafin an Kunden in Deutschland heran, um ihnen Festgeldangebote mit hoher Verzinsung zu unterbreiten. Dabei werbe die Gesellschaft mit einem bevorstehenden Börsengang und biete Kunden den Kauf vorbörslicher Aktien an. Laut Bafin handelt, dass Unternehmen vermutlich ohne erforderliche Erlaubnis.

 

Geklaute Identität

Um zu verschleiern, dass ihnen die Erlaubnis für Finanzgeschäfte fehlt, nutzen Betrüger die Namen bestehender Unternehmen. Unter dieser falschen Identität werden dann vermeintliche Finanzangebote unterbreitet. Teilweise kopieren Kriminelle dafür ganze Internetseiten – im vergangenen Jahr war etwa der Maklerpool Netfonds von einem solchen Betrugsfall betroffen

Derzeit vergreifen sich Betrüger an dem Namen der europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Markets Authority – ESMA). Die Kriminellen nutzen sowohl den Namen als auch das Logo der Behörde, um Verbraucher hinters Licht zu führen.

Ebenso nutzen unbekannte Betreiber der Website cmc-trader.com eine geklaute Identität. Die Betrüger bieten eine Handelsplattform für Aktien, Devisen, Indizes und Kryptowerte an. Dafür nutzen sie fälschlicherweise den Namen der in Frankfurt am Main ansässigen CMC Markets Germany GmbH.

1.200% Rendite in 20 Jahren?

Die besten ETFs und Fonds, aktuelle News und exklusive Personalien erhalten Sie in unserem Newsletter „DAS INVESTMENT Daily“. Kostenlos und direkt in Ihr Postfach.

Ähnlich ist der Fall bei der Website oleander.capital. Die Betreiber bieten über die Internetseite ohne Erlaubnis Geschäfte wie Finanzanalyse und Vermögensverwaltung an, meldet die Bafin. Dabei erwecken die Unbekannten den Anschein, es handele sich um eine Website der in Frankfurt am Main ansässigen Oleander Capital Management GmbH, was jedoch nicht stimmt. Es geht dabei um einen Identitätsdiebstahl.

Finanzdienstleistungen ohne Erlaubnis

Um in Deutschland Bankgeschäfte zu betreiben, benötigen Unternehmen eine Erlaubnis der Bafin. Immer wieder bieten Firmen ohne Zulassung Geldanlage-Produkte im Internet an. Die Finanzaufsicht, das Bundeskriminalamt und die Landeskriminalämter raten, bei Finanzdienstleistungen im Netz äußerst vorsichtig zu sein und vorab gründlich zu recherchieren, um Betrugsversuche rechtzeitig zu erkennen. Oft fehlen auf kriminellen Internetseiten etwa Angaben zum Firmensitz und Impressum. Ob ein Unternehmen von der Bafin zugelassen ist, lässt sich in der Unternehmensdatenbank der Finanzaufsicht nachschauen.

In diesem Monat hat die Bafin Ermittlungen gegen folgende Firmen aufgenommen, die möglicherweise Finanzdienstleistungen ohne Erlaubnis angeboten haben:

  • Bankingsy Consultants Limited mit der Website bankingsy.pro, die unbekannten Betreiber bieten ohne Erlaubnis eine Handelsplattform für Aktien, Forex, Edelmetalle, Indizes und Kryptowerte an.
  • Groovy Solutions LTD mit der Website eu-investing.com.
  • Unbekannte Betreiber bieten über die Webseite premiumerpro.co eine Handelsplattform für Kryptowerte und Differenzgeschäfte (Contracts for Difference – CFD) ohne Erlaubnis an
  • Monte Verde mit der Website monte-verde.ch
  • Esmartinvest mit der Website esmart-invest.com
  • Unbekannten Betreiber mit der Website difcinvestment.world
  • Crypto Adviser UK Limited mit der Website cryptoadviseruk.com
  • Lionchains mit der Website lionchains.com – der Betreiber sei zuvor auch über die Website lionchains.net aufgetreten
  • Sailor Consulting LLC beziehungsweise Global Finance oder Globall Finance mit der Website globallfinance.com.
  • Bitbond Pro mit der Website bitbond-pro.com
  • Businesoft Limited beziehungsweise BitinvestX mit der Website bitinvestx.com
  • InvestOFund mit der Website investofund-group.com
  • Swift Invest Solutions mit der Website swiftinvestsolutions.com
  • Unbekannte Betreiber mit der Website prive.finance
  • Blackfort Tech Estonia OÜ mit der Website blackfort.exchange
  • Ariel System mit der Website arielsystem.pro

Zudem warnt die Bafin vor der Website gala-gruppe.com: Die in der Schweiz ansässige Gala Gruppe betreibe ohne Erlaubnis eine Handelsplattform für Kryptowerte. Die Verantwortlichen geben dabei vor, angeblich erzielte Gewinne erst nach Zahlung einer Ertragssteuer auszuzahlen, so die Aufsicht.

 

 

 

Die Gesellschaft Orion Global bietet über die Website orion-global.biz ohne Erlaubnis an, den Kauf und Verkauf von Aktien zu vermitteln. Bei der Abwicklung der Geschäfte bedient sich Orion Global angeblich der Gesellschaft The London Assurance. Dieses Unternehmen ist jedoch von der britischen Finanzmarktaufsicht FCA (Financial Conduct Authority) nicht mehr autorisiert. Die Bafin kläre derzeit mit der FCA, ob es sich um einen Identitätsdiebstahl zulasten der The London Assurance handele.

Ihre Erlaubnis verloren hat die NOVIS Insurance Company, NOVIS Versicherungsgesellschaft, NOVIS Compagnia di Assicurazioni und NOVIS Poisťovňa a.s. (Novis). Dies habe die slowakische Versicherungsaufsicht NBS der Bafin mitgeteilt. Damit darf die Novis keine neuen Versicherungsverträge mehr abschließen. Der Entzug der Erlaubnis habe keine Auswirkungen auf das Bestehen der laufenden Versicherungsverträge. Eine Niederlassung der Novis war auch in Deutschland dazu berechtigt, Versicherungen zu vertreiben. Da der Hauptsitz des Unternehmens in der Slowakei liege, sei jedoch nicht die Bafin zuständig, sondern die slowakische Versicherungsaufsicht (Sitzlandprinzip). Verbraucher können sich mit Fragen unmittelbar an die slowakische Aufsicht wenden – die Bafin hilft jedoch auch.

Ebenso fehlt der Pocket App GmbH mit der Website pocketbitcoin.com/de die erforderliche Erlaubnis der Bafin. Über ihre Internetseite ermöglicht das Unternehmen, gesetzliche Zahlungsmittel wie den Euro in Bitcoin zu tauschen.

Auch ohne Erlaubnis unterwegs ist das Unternehmen SC-Best-Rate mit der Website sc-best-rate.com – auf der sie Kreditgeschäfte anbieten. Nach Erkenntnissen der Bafin gibt die Gesellschaft vor, Darlehen auszureichen, für die vorab eine Gebühr zu leisten ist. Zu einer tatsächlichen Darlehensauszahlung komme es jedoch nicht.

Ins Visier der Bafin geraten sind außerdem unbekannte Betreiber der Website roirepublic.co. Sie geben die Website unter anderem als ETF-Plattform aus. Nach Informationen der Aufsicht erheben die Betreiber von roirepublic.co erhebliche Gebühren zur Kontofreischaltung und zur Überweisung scheinbar erzielter Gewinne.  Auch diesen Betreibern fehlt die notwenige Erlaubnis. 

Dort fehlte ein Prospekt

In Deutschland dürfen Wertpapiere – mit wenigen Ausnahmen – nicht ohne einen von der Bafin gebilligten Prospekt öffentlich angeboten werden. Die Finanzaufseher prüfen dabei, ob der Prospekt die gesetzlich geforderten Mindestangaben enthält sowie, ob der Inhalt verständlich ist und keine Widersprüche enthält. Anleger können in einer Datenbank online überprüfen, ob ein Prospekt bei der Bafin hinterlegt ist. Allerdings prüft die Bafin Angebote nicht auf ihre Seriosität und inhaltliche Richtigkeit.

 

Gegen die Prospektpflicht verstoßen haben mit hinreichendem Verdacht folgende Firmen:

Die Finanzaufsicht verdächtigt die Ecological Technologies Ltd., die Enterprise Investment und die Swift Invest Solutions, Aktien der Ecological Technologies Ltd. ohne den erforderlichen Prospekt in Deutschland öffentlich anzubieten. 

 

 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
Tipps der Redaktion