Martin Siegel

Martin Siegel

Unsicherheit lähmt Rohstoffinvestoren

Martin Siegel, Rohstoffexperte und Geschäftsführer von Stabilitas

Die Rohstoffmärkte standen auch im Juli unter dem Einfluss der Staatsschuldenkrise in Europa und der weltweiten konjunkturellen Abschwächung. Das Gros der Marktteilnehmer befindet sich aktuell in Wartestellung ob des weiteren Verlaufs der Euro-Schuldenkrise. Bis zum 12. September, wenn das Verfassungsgericht über den Beitritt Deutschlands in den ESM Rettungsfonds entscheidet, bleibe die Unsicherheit bei Investoren hoch.

Unterdessen steigt mit der jüngsten Herabstufung von Moody’s auch der Druck auf Deutschland. Bei der Frage nach einer Lösung in der europäischen Schuldenkrise scheint selbst der Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion kein Tabu mehr zu sein.

Die Flucht der Investoren aus den weltweiten Anlagemärkten in kurzfristige Sichteinlagen und vermeintlich sichere, aber unrentierliche Staatsanleihen dürfte daher kurzfristig anhalten und auch Rohstoffinvestoren zum Abwarten bewegen.

Gold & Co. im Juli

In Erwartung neuer Impulse aus der europäischen Schuldenkrise, entwickelten sich die Edelmetallpreise im Vormonat unter leichten Schwankungen seitwärts. Der Goldpreis schloss mit einem leichten Plus von 1,1 Prozent, der Silberpreis legte um 2 Prozent zu.

Platin und Palladium entwickelten sich uneinheitlich. Während Platin um 2,6 Prozent nachgab, stieg Palladium um 1 Prozent an. Auf Eurobasis ist der Goldpreis bei einem stabilen Dollar sogar deutlich stärker gestiegen und notiert nur noch etwa 5 Prozent unter seinem Allzeithoch bei 1.381 Euro je Unze.

Der Druck auf die europäische Gemeinschaftswährung wird in den kommenden Wochen anhalten, was sich für Euro-Investoren in einem weiter steigenden Goldpreis niederschlagen dürfte, sofern der Dollar stabil bleibt.

Kurzfristig gibt es eine Diskrepanz im Anlegerverhalten. Während institutionelle Investoren gezwungenermaßen in Anleihen umschichten, ist die physische Goldnachfrage der Privatanleger ungebrochen hoch. Analog zu Edelmetallen werden auch Aktien derzeit von institutionellen Investoren gemieden.

Fundamentale Faktoren sind für Marktteilnehmer aktuell völlig nebensächlich. Über kurz oder lang wird sich diese offensichtliche Ineffizienz an den Märkten aber auflösen müssen.

Wie Staatsschulden abgebaut werden

Die aktuelle Niedrigzinsphase, gepaart mit steigender Teuerung, stellt ein ideales Umfeld für die politischen Akteure in Europa dar, um die Staatschulden abzubauen. Dies sei jedoch ein langwieriger Prozess. Die auf lange Sicht einzige Alternative für Anleger dem Geldwertverlust zu entgehen, liege deshalb in Sachwerten wie Aktien, Immobilien und Edelmetallen.

Sobald der Markt dreht, können auch Minenaktien ihr Potenzial wieder unter Beweis stellen. Kurzfristig bleiben Minenwerte aber weiterhin vom schwachen Aktien- und Rohstoffumfeld geprägt. Der XAU-Minenindex entwickelte sich im Juli leicht positiv und stieg auf Eurobasis um 2,4 Prozent an.

Die sich verschlechternden Prognosen für die globale Wirtschaft spiegeln sich in der Preisentwicklung bei Basismetallen wider. Die wichtigsten Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium oder Nickel konnten den seit Jahresanfang anhaltenden Negativtrend nicht wesentlich brechen und beendeten auch den Monat Juli überwiegend mit leichten Verlusten. Die Frage drängt sich auf, inwieweit eine globale Rezession bereits vorweggenommen wird. Der konjunkturelle Einbruch in China ist in jedem Fall eingepreist.  

Mehr zum Thema
Vermögensverwalter über Gold: Jetzt ist die Zeit für Käufe „Warren Buffetts Ansichten bezüglich Gold sind einfach ignorant“ Falcon mit weiterem Goldaktienfonds