Peter E. Huber von Starcapital

Peter E. Huber von Starcapital

„Unternehmensanleihen bieten derzeit große Chancen“

//
Wer heute Geld rentabel und sicher anlegen will, tut sich schwer. Bundesanleihen und amerikanische T-Bonds als vermeintlich sichere Häfen bringen auf 10 Jahre nur noch eine Rendite von deutlich unter zwei Prozent. Und dies, obwohl auch in diesen Ländern die Staatsschulden explodieren und die Inflationsrate deutlich darüber liegt.

Gold schafft keinen Wert und zahlt demzufolge weder Zinsen noch Dividenden. Es ist also eine reine Glaubenssache und hat sich in den vergangenen zehn Jahren zudem im Preis bereits mehr als versechsfacht. Eingefleischte Immobilienfans haben bei den offenen Immobilienfonds gerade erlebt, wie werthaltig Betongold tatsächlich ist. Und Aktien sind zwar historisch extrem günstig bewertet, die andauernde Staatsschuldenkrise und der bevorstehende Wirtschaftsabschwung bergen aber unkalkulierbare Risiken. Was bleibt also noch übrig?

Unseres Erachtens tun sich bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen derzeit große Chancen auf und wir möchten dies auch begründen. Anleihen von stärker verschuldeten Unternehmen sind in der Weltwirtschaftskrise 2008 massiv im Kurs eingebrochen. Die Gesellschaften waren ertragsmäßig angeschlagen, oft kurzfristig finanziert und überschuldet und die Banken drehten den Geldhahn zu. Es ging ums nackte Überleben.

Das hat sich bei den Investoren eingeprägt, die diese Anleihen deshalb als hochspekulative Risikopapiere einstufen. Folgerichtig haben sie sich auch jetzt wieder scharenweise von diesen Anleihen verabschiedet und die Kurse damit in den Keller gedrückt.

Doch dieses Mal ist die Situation eine ganz andere. Die Unternehmen - außer den Banken - haben aus der Krise gelernt und sind heute viel besser aufgestellt. Sie nutzten die gute Konjunkturlage der vergangenen drei Jahre, um sich zu entschulden und die Fälligkeiten ihrer Verbindlichkeiten deutlich zu verlängern. Außerdem haben sie sich viel stärker über die Kapitalmärkte refinanziert und damit von den Banken unabhängiger gemacht.

Die niedrigen Kurse (= hohe Renditen) sind deshalb eine Einstiegschance, wie sie sich normalerweise nur alle paar Jahrzehnte bietet. Vorausgesetzt, man geht strategisch vor. Bereits in der letzten Finanzkrise ist keine einzige Anleihe in unserem Portfolio nicht zurückgezahlt worden. Und es würde uns wundern, wenn es diesmal anders wäre. Weil wir uns die Emittenten genau ansehen und beispielsweise Papiere von Finanzinstituten fast komplett meiden. Ebenso wie Pfandbriefe oder Anleihen hochverschuldeter Staaten.

Dies ist natürlich nur eine kleine Auswahl, denn wir streuen breit. Alle Papiere notieren in Euro und sind zwischen BBB und B+ bewertet. Alle Gesellschaften arbeiten mit Gewinn. Selbst Hellenic Telecom (OTE) hat mit der Deutschen Telekom einen Großaktionär, der 40 Prozent der Firmenanteile hält und auch operativ bereits die Geschäfte führt. Ein Ausfall der Anleihen erscheint uns deshalb selbst im schlimmsten Fall äußerst unwahrscheinlich.

Mehr zum Thema
Anleihestrategien müssen flexibler werden„Den Ausverkauf an den Börsen zu selektiven Käufen nutzen“Peter E. Huber: „Aktien kauft man, wenn alles düster aussieht“