Marcus Prella, AmpegaGerling

Marcus Prella, AmpegaGerling

„Unternehmensanleihen bleiben attraktiv“

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DAS INVESTMENT.com: Herr Prella, Sie haben zum 1. Januar 2011 die alleinige Performanceverantwortung für den Kapitalfonds Prozins (WKN: 848107) übernommen. Der Fonds hat in den ersten vier Monaten des Jahres 3 Prozent zugelegt und damit die Benchmark, den iBoxx Euro Corporates, klar abhängt. Wie haben Sie das geschafft?

Marcus Prella: Die Haupttreiber der Performance waren die Emittentenauswahl und das Durationsmanagement. Im Bereich der Financials haben wir von der Übergewichtung der Sub-Segmente Tier 1 und Lower Tier 2 profitiert. Im Non-Financials/Corporates-Bereich hatten wir Anleihen von Versorgern untergewichtet, was sich vor dem Hintergrund der japanischen Atomkrise als richtig erwies. Zudem konnten wir durch rohstoffbezogene Unternehmensanleihen, zum Beispiel von ArcelorMittal oder Vale, von der allgemein positiven konjunkturellen Entwicklung und den damit verbundenen steigenden Rohstoffpreisen profitieren.  
Im Rahmen des Durationsmanagements haben wir auf die steigenden Zinserwartungen in den vergangenen Monaten reagiert. Unsere durchschnittliche Duration lag bis zu einem Jahr unter der Duration der Benchmark.

DAS INVESTMENT.com: Der Kapitalfonds Prozins investiert schwerpunktmäßig in Euro-notierte Unternehmensanleihen. Wie groß ist der Markt für solche Anleihen?

Prella: Das Gesamtvolumen Euro-notierter Unternehmensanleihen beläuft sich auf rund 1.420 Milliarden Euro. Davon entfallen zirka 700 Milliarden Euro auf das Segment Corporates/Non-Financials, der Rest ist dem Segment Financials zuzuordnen. Letztendlich versuchen sich große Unternehmen auf der ganzen Welt über in Euro notierte Anleihen zu finanzieren, um so ihre Kreditportfolien zu diversifizieren. Dieses gilt insbesondere für große Player mit einem globalen Geschäftsmodell wie Bayer aus Deutschland, den US-amerikanischen Pharmakonzern Merck & Co, die australische Minengesellschaft Xtrata oder den britischen Tabakkonzern BAT.

DAS INVESTMENT.com: Rund die Hälfte des Fonds steckt in Bankanleihen, den Financials. Welche Länder und Emittenten bevorzugen Sie hier?

Prella: Wir konzentrieren uns im Bankenbereich länderunabhängig auf ertragsstarke Institute, die solide kapitalisiert sind. Gerade hier können wir als Kapitalanlagegesellschaft einer Versicherung unsere langjährige Expertise im Credit-Research voll ausspielen. Dieses wird insbesondere vor der höheren Komplexität von Bankbilanzen immer wichtiger.

DAS INVESTMENT.com:
Welche Regionen oder Branchen versprechen besonders gute Chancen bei den Industrieanleihen?

Prella:
Mithilfe des AmpegaGerling Investmentprozesses filtern wir die attraktivsten Unternehmensanleihen aus unserem Investmentuniversum heraus. Wir bevorzugen Unternehmen mit einer marktbeherrschenden Stellung, die somit in der Lage sind, Preiserhöhungen durchzusetzen, demzufolge also stabile Cashflows aufweisen. Aufgrund der aktuell guten konjunkturellen Entwicklung bieten sich hier Unternehmen aus den Bereichen Rohstoffe oder Konsum an.

DAS INVESTMENT.com:
Sie mischen kaum risikoreichere High-Yield-Anleihen bei. Ist das die generelle Fondsstrategie oder eine Reaktion auf die Marktsituation?

Prella:
Der Kapitalfonds Prozins ist eine reine Investmentgrade-orientierte Fondslösung. Jedoch können wir an herabgestuften Emittenten festhalten, soweit wir sie weiterhin positiv einschätzen. Daher befindet sich aktuell im Portfolio eine kleine Anzahl von Non-Investmentgrade Anleihen.
 
DAS INVESTMENT.com: Die Duration bestimmt die Restlaufzeit der Anleihen unter Berücksichtigung der zu zahlenden Zinskupons. Wie wichtig ist das Durationsmanagement für den Erfolg des Fonds, und wie ist Ihre derzeitige Strategie in dem Bereich?

Prella:
Unser Durationsmanagement ist ein wichtiger Performancetreiber, den wir aktiv nutzen. Wir rechnen in Europa mit einem leicht steigenden Zinsniveau. Daher sind wir aktuell 0,5 Jahre kürzer als unsere Benchmark positioniert.

DAS INVESTMENT.com:
Wie wird sich der Markt für Euro-Unternehmensanleihen 2011 entwickeln?

Prella: Wir sehen im Jahr 2011 weiterhin eine stabile, leicht einengende Spreadbewegung. Somit bleibt die relative Attraktivität von Credits aus fundamentalen und technischen Gründen weiterhin bestehen. Daher sehen wir Fondslösungen mit dem Schwerpunkt Unternehmensanleihen weiterhin als attraktiven Portfoliobaustein für unsere Kunden an.

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