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Jens Siebert ist Vorstandsmitglied beim Berliner Fintech Kapilendo, unter anderem verantwortlich für das Entwickeln von Geschäfts- und Technologieangeboten. | © Kapilendo Foto: Kapilendo

Unternehmensfinanzierung via Blockchain

„Digitale Wertpapiere verändern massiv die Kapitalbeschaffung”

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Herr Siebert, die Blockchain-Technologie ist auf dem Vormarsch. Inwieweit betrifft sie bereits die Unternehmensfinanzierung?

Jens Siebert: Die Blockchain-Technologie eröffnet jedem Unternehmen einen effizienten Zugang zum Kapitalmarkt über die Emission digitaler Wertpapiere, sogenannte Security Tokens. Das verändert massiv die Spielregeln in der Kapitalbeschaffung für kleine und große Mittelständler in Deutschland: Kapitalsuchende Unternehmen benötigen zukünftig keine Banken mehr als Finanzierungspartner, Investoren keine Vermittler wie Online-Broker und Depotbanken. Viele verbinden die Blockchain zwar immer noch stark mit Bitcoin und anderen Kryptowerten. Doch sie wird erwachsen und arbeitet sich konsequent in den Wertpapier- und Finanzierungsbereich vor – allerdings nicht als Anlageklasse, sondern als zugrundeliegende Technologie für die effiziente Emission von Wertpapieren.

Aber am Kapitalmarkt gibt es ja auch die Möglichkeit der klassischen Anleihe?

Siebert: Eine Platzierung von traditionellen Wertpapieren ist für viele Unternehmen zu teuer, aufgrund einer zu geringen Größe. Investmentbanken und Corporate-Finance-Berater konzentrieren sich zudem lieber auf profitablere Kandidaten mit höheren Platzierungsvolumina. Mit der Einführung digitaler Wertpapiere gibt es für Mittelständler erstmals eine effiziente und kostengünstige Alternative.

Wie genau funktioniert eine Blockchain-Anleihe?

Siebert: Die digitalen Wertpapiere entsprechen in der Ausgestaltung und Regulierung gängigen Wertpapieren. Sie können beispielsweise wie eine klassische Anleihe Ansprüche auf Verzinsung abbilden. Emission und Platzierung laufen jedoch deutlich effizienter ab als bei klassischen Wertpapieren. Unternehmen sparen viel Zeit und Aufwand, denn auf zahlreiche Intermediäre wie Banken, Notare und Zentralverwahrer können sie bei einer digitalen Wertpapieremission verzichten. Unternehmer entscheiden bei der Emission grundsätzlich frei über die Strukturierung des Finanzinstruments. Dieses kann als Schuldverschreibung oder Genussrecht ausgegeben werden. Interessierte Investoren können zu niedrigen Kosten und mit geringen Beträgen flexibel in Token investieren. Das eröffnet völlig neue Perspektiven zur Streuung des eigenen Kapitals. Der Eigentumsübertrag wird sicher, transparent und eindeutig über die Blockchain dokumentiert.

Ist die klassische Bankenfinanzierung ein Auslaufmodell?

Siebert: Klassische Finanzinstitute sind vielfach nicht mehr in der Lage, den zusätzlichen Kapitalbedarf des Mittelstandes zu decken. Hauptverantwortlich sind die immer strikter werdende Bankenregulierung und die gesunkene Profitabilität vieler Kreditinstitute. Für viele Unternehmer stellt sich einfach die Frage: Wie finanziere ich mein Unternehmen, wenn meine Bank mir aufgrund regulatorischer Vorgaben nicht mehr helfen kann? Insbesondere im Mittelstand ist der Investitionsdruck enorm hoch. Die Sicherung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit vor dem Hintergrund der voranschreitenden Digitalisierung und Globalisierung, dem demografischen Wandel und immer kürzere Innovationszyklen sind eine Mammutaufgabe.

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