Die demografische Entwicklung schlägt gnadenlos zu. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen – kurz KMU genannt – haben zunehmend Schwierigkeiten, einen Nachfolger für die Leitung zu finden.
Bei mittelständischen Unternehmen ist ein klarer Trend hin zu immer mehr Stilllegungsplänen zu beobachten. Laut der KfW möchte jedes vierte Unternehmen diesen Weg nach dem Ausscheiden der Seniorengeneration einschlagen. Bis 2029 werden somit schätzungsweise jährlich 114.000 kleinere und mittelständische Unternehmen geschlossen.
Der Hauptgrund für eine solche Maßnahme ist das nahende Rentenalter der Unternehmensführung. Kein Wunder, denn das Durchschnittsalter der Inhaber liegt heute bereits bei mehr als 54 Jahren. Mehr als zwei Millionen Führungskräfte sind sogar bereits 55 Jahre oder älter. Und die Tendenz ist steigend.
Bei der Nachfolgeregelung bevorzugen die meisten Inhaber eine familieninterne Übergabe oder einen externen Verkauf. Beide Varianten sind jedoch nicht unproblematisch. Oft fehlen jüngere Familienangehörige, die in die Fußstapfen der älteren Generation treten können oder wollen. Ein Hauptgrund ist das mangelnde Interesse der Familienangehörigen. Laut dem aktuellen Nachfolge-Monitoring Mittelstand von KfW Research streben nur knapp ein Drittel der KMU eine Nachfolgeregelung an, obwohl Inhaber häufig eine familieninterne Lösung bevorzugen.
Unternehmensgröße zählt
Und je kleiner ein Unternehmen ist, desto schwieriger ist es in der Regel, einen geeigneten Käufer zu finden. Zwar werfen ausländische Investoren, beispielsweise aus den USA, zunehmend einen Blick auf Deutschland. Doch M&A-Berater begleiten Kleinstunternehmen und kleinere mittelgroße Firmen nur ungern, da dem vergleichsweise hohen Aufwand häufig kein adäquater Ertrag gegenübersteht.
Das Institut für Mittelstandsforschung definiert KMUs als Unternehmen mit maximal 499 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von maximal 50 Millionen Euro. Die Europäische Kommission zählt auch etwas größere Unternehmen dazu. Derzeit liegt der angestrebte Verkaufspreis im Durchschnitt beim 1,2-fachen des Jahresumsatzes. Es liegt auf der Hand: Je geringer der Umsatz ausfällt, desto unattraktiver ist es für einen M&A-Berater, sich nach einem geeigneten Käufer umzusehen, da seine Gebühr dann geringer ausfällt.
Eine Lösung gerade für Small- und Micro-Caps besteht im Zusammenschluss mit anderen Unternehmen derselben oder ähnlicher Branchen. Doch der strategische Dialog mit anderen Unternehmen findet nur bedingt statt. Dabei ließen sich durch eine Zusammenarbeit substanzielle Synergien heben, beispielsweise im Einkauf.
Gleichzeitig nutzen institutionelle Investoren Anlagechancen bei Micro Caps nur sehr begrenzt. Dabei bietet sich die Möglichkeit, durch Direktinvestments einen strategischen Buy-and-Built-Ansatz mit einem strukturierten Kapitaleinsatz zu gestalten. Durch den Zusammenschluss von zwei oder drei Unternehmen können relevante Unternehmensgruppen entstehen, die auch strategische Nachfolgelösungen ermöglichen.
Ein strukturierter, strategischer Dialog mit der Unternehmerfamilie ist auch bei Kleinstunternehmen und kleinen mittelständischen Unternehmen der Schlüssel zu einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge. Die Möglichkeit, in solche Unternehmen zu investieren, wird aufgrund ihrer Größe derzeit am Markt allerdings nur selten gesehen.
Langer Atem notwendig
Damit der Zusammenschluss von drei Unternehmen ähnlicher Branchen oder Fertigungsketten, die jeweils ein Ebit von beispielsweise 700.000 Euro erwirtschaften, in der Folge zu einem attraktiven Target im Private-Equity-Markt führt, bedarf es Mut und die Entschlossenheit von Investoren und Unternehmenskäufern, diesen „Umweg“ zu gehen. Sie müssen Zeit investieren, um dann den späteren Erfolg – bei einem möglichen Exit an relevante Finanzinvestoren – zu generieren.
Auch mit einem kleineren Kapitaleinsatz können Nachfolgeregelungen für Unternehmerfamilien erfolgreich gelingen und neue mittelständische Unternehmen von relevanter Größe entstehen – allerdings nur mit einem strukturierten Vorgehen. Hierzu ist allerdings der strategische Dialog nötig, den die Unternehmerfamilie auf der Verkäuferseite initiieren muss. Darüber hinaus sind Investoren nötig, die neben überschaubarem Eigenkapital auch ausreichend Zeit investieren. Im Mid-Cap-Segment haben solche Vorgehensweisen bereits erfolgreich funktioniert. Nun könnten auch kleinere Größenklassen das relevante Interesse finden.
Über den Autor

arbeitet seit Anfang Januar als Family Officer und Senior Berater in der Qcoon Gruppe. Zuvor war er fünfeinhalb Jahre bei Oddo BHF als Experte für Finanzierungslösungen für Unternehmerfamilien und als Senior Berater im Bereich Corporate Advisory für Direkt-Investments, Immobilien und M&A-Anfragen tätig.