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Urlaub mit Portfolio

Gregor Müller
Gregor Müller
Die Reisezeit naht, und endlich geht es in den wohlverdienten Urlaub. Die Zeitung wird abbestellt, der liebe Nachbar gießt die Blumen und leert den Briefkasten, die Licht- und Rolladenautomatik wird programmiert. Damit ist während der schönsten Wochen des Jahres zu Hause alles gesichert. Wirklich alles? Und was ist mit dem Wertpapierdepot? Wer sichert mir mein Geld während der Abwesenheit? Vielleicht der freundliche Anlageberater, aber will ich wirklich jeden Tag mit ihm über die Märkte telefonieren?
Grundsätzlich sollte jeder Anleger seine langfristige Anlagestrategie und Asset Allokation auf sein persönliches Risiko-profil und seine Renditeerwartungen ausrichten. Die Märkte werden jedoch volatiler, die ökonomische Realität spiegelt sich immer weniger in den Börsenkursen wider. Die Begrenzung des Risikos wird auch für langfristig orientierte Anleger zur entscheidenden Stellgröße im Portfolio-management. Immer mehr Fondsmanager und Portfoliomanager nutzen systemische Analysemodelle in ihrem Risiko-management, die jedoch für den Privatanleger nur schwer umzusetzen sind.

Also was tun?
Ab-sichern...

Die einfachste Möglichkeit ist natürlich, alles zu verkaufen und beruhigt in Urlaub zu fahren. Damit verpasst man allerdings auch mögliche Kursgewinne und gibt eine strategische Anlageentscheidung auf.
Um dies zu vermeiden kann für bestehende Positionen ein stop-loss-Limit gesetzt werden: Sollte eine definierte Marke nach unten durchbrochen werden, wird automatisch verkauft. Damit kann man Verluste begrenzen, ohne das Portfolio regelmäßig überwachen zu müssen. Das Stop-loss Niveau sollte dabei im Rahmen des persönlichen Risikobudgets liegen. Damit begrenzt man Verluste, und sollte der Stop-loss nicht ausgeübt werden, ist man bei steigenden Kursen weiterhin dabei. Sollte man jedoch ausgestoppt werden, ist man nicht mehr investiert und verpasst anschließend mögliche Kursgewinne. ...oder Versichern Man kann über ein derivatives Instrument eine Gegenposition eingehen, z.B. über einen Verkauf eines Futures oder eines short-ETF. Damit neutralisiert man sein Depot ganz oder teilweise (je nach Absicherungsquote), ist nach unten abgesichert, nach oben aber auch gedeckelt.
Eine weitere Möglichkeit ist ein „Protective Put“, das heißt einen Kauf einer Put-Option auf Einzelwerte im Depot. Eine Put-Option berechtigt zum Verkauf z.B. einer Aktie zum festgelegten Preis (Basispreis), der Basispreis sollte unter dem aktuellen Kurs und im Rahmen des eigenen Risikobudgets liegen. Für dieses Recht zahlt man eine Prämie, und innerhalb einer festgelegten Frist hat man nun das Recht, seine Aktien über den Put zum festgelegten Preis zu verkaufen. Anders als beim Stop-loss kann man über den Verkauf selber bestimmen, zahlt allerding eine Versicherungsprämie durch den Preis des Put.
Welche Strategie man auch immer wählt – entscheidend ist die langfristige Anlage-strategie und das eigene Risikobudget. Durch geschickte Absicherungsstrategien kann man zusätzlich das Risiko reduzieren und auf längere Sicht einen Mehrertrag erzielen.
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