Die aggressive US-Zollpolitik weckt neue Zweifel an der ohnehin schon unsicheren Weltlage. Nicht nur die Wachstums- und Inflationserwartungen, sondern auch die Fiskalpolitik ändern sich dramatisch. Das Vertrauen in US-Wertpapiere könnte nachlassen, sodass sich ausländische Investoren aus den USA zurückziehen. Dafür spricht jedenfalls die starke Dollarabwertung.
Vielleicht treiben die Zölle die Preise nur vorübergehend. Sehr viel schwerwiegender sind die Auswirkungen auf das Weltwirtschaftswachstum. Die Stimmungsindikatoren liegen klar im Minus und die kurzfristigen Konjunkturdaten könnten weiterhin verzerrt sein, weil Unternehmen und Verbraucher noch vor der Zolleinführung Importgüter kaufen.
Die Verbraucher dürften gleich mehrfach betroffen sein und könnten ihr Verhalten ändern. Bei einem schlechteren Konsumklima könnten die Sparquote steigen und der private Verbrauch fallen. Denkbar sind auch Ängste vor Arbeitsplatzverlusten aufgrund des schwächeren Welthandels und des geringeren Anstiegs der Unternehmensgewinne. Vielleicht werden internationale Kunden amerikanische Marken aus Ärger über Trump meiden. Schon jetzt besuchen weniger ausländische Touristen die USA.
Noch zeigt sich in den Daten kein deutlicher Abschwung, aber die nächsten Monate werden entscheidend sein. Dabei geht es nicht nur um Zölle. Die USA straffen ihre Fiskalpolitik, um das Defizit zu verringern. Niedrigere Staatsausgaben helfen zwar langfristig der finanziellen Stabilität, schaden kurzfristig aber der Wirtschaft.
Grafik 1: Beim Wirtschaftswachstum können sich die USA nicht mehr auf die Fiskalpolitik verlassen
Warum ist das wichtig? Rechnen Sie mit mehr Marktvolatilität
Veränderungen bedeuten Verwerfungen. Daher rechnen wir weiter mit Volatilität. Kurzfristig reagieren Aktienmärkte oft stärker auf Ankündigungen als auf Daten. Die Analysten müssen trotz ständiger Änderungen von Konjunktur und Politik die Unternehmensgewinne neu einschätzen. Für die USA als großen Importeur sind Lieferkettenstörungen ein wichtiges Thema – und ein sehr viel komplexeres und problematischeres als eine fallende Binnennachfrage.
Wir glauben, Ursachen und Lösungen zu kennen. Volatilität ist meist die Folge der Marktentwicklung, und die Politik findet oft Wege, sie einzudämmen. Zwar ist häufig unklar, ob die Maßnahmen wirken, aber meist ziehen alle an einem Strang. Aber dieses Mal ist es anders: Jetzt sorgt die Politik mit ihren unklaren Zielen für Volatilität. Sicher ließe sich das ändern, aber wir wissen nicht, ob und wann das geschieht. Da überrascht es nicht, dass klassische Korrelationen nicht mehr gelten. Heute verlieren der US-Dollar und Staatsanleihen an Wert, obwohl die Risikobereitschaft der Anleger nachlässt.
Grafik 2: Deutlich erhöhte Aktienmarktvolatilität