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Teuerung bei 7,7 Prozent Was steckt hinter der Abkühlung der US-Inflation?

Die Gebrauchtwagenpreise in den USA gehen wieder zurück
Die Gebrauchtwagenpreise in den USA gehen wieder zurück: In den meisten Kategorien lagen die Inflationswerte im Oktober niedriger als erwartet. | Foto: Imago Images / USA TODAY Network
Tiffany Wilding

Die Marktteilnehmer waren verblüfft: Die Inflationsdaten des US-Verbraucherpreisindex (VPI) für Oktober fielen sogar noch niedriger aus als im Konsens erwartet. Die Kerninflation stieg im Monatsvergleich nur um 0,3 Prozent; erwartet wurden 0,5 Prozent. Vorweihnachtliche Rabatte im Einzelhandel, ein Rückgang der Gebrauchtwagenpreise und eine willkommene Abschwächung der Teuerung bei den Mieten waren die Hauptgründe für den Rückgang des Verbraucherpreisindex.

Ist der Scheitelpunkt der US-Inflation nun erreicht? Eher unwahrscheinlich. Wir vermuten, dass einige der Kategorien, deren Preise im Oktober nachgaben, in den kommenden Monaten vorübergehend wieder anziehen werden. Dennoch: Die Oktoberdaten signalisieren, dass die bisherigen Maßnahmen der US-Notenbank die Wirtschaft abzukühlen beginnen. Dementsprechend dürften die Oktoberdaten der Fed die Möglichkeit bieten, ihr Tempo bei den Leitzinserhöhungen im Dezember etwas zu verlangsamen. Der CPI-Bericht vom Oktober bestärkt uns in unserer Zuversicht, dass die Fed eine Pause einlegen wird, wenn die Zinssätze den Bereich von 4,5 bis 5 Prozent erreichen.

Autos, Einzelhandelsgüter, Mieten und Krankenversicherungen günstiger

In den meisten Kategorien lagen die Inflationswerte niedriger als erwartet. Die Kerngüterpreise sanken um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat, auch in Unterkategorien wie Autos und Möbel, die in der Regel stärker auf die Zinssätze reagieren. Die Inflation im Dienstleistungssektor kühlte sich ebenfalls ab und lag im Oktober bei 0,5 Prozent gegenüber 0,8 Prozent im September.

Besonders stark wurden die Kerngüterpreise von den Preisnachlässen bei Gebrauchtwagenhändlern gedrückt. Höhere Lagerbestände und nur verhaltene Käufe von Autovermietungen hatten in den Vormonaten zu einem Rückgang der Großhandelspreise beigetragen. Doch erst im Oktober gaben die Händler die gesunkenen Preise an die privaten Verbraucher weiter. Obwohl das eine gute Nachricht für die Gesamtinflation ist, glauben wir, dass sich die Gebrauchtwagenpreise in den kommenden Monaten wieder beschleunigen könnten, da die Nachfrage weiterhin sehr hoch ist und die durch den Hurrikan Ian verursachten Schäden die Preise vorübergehend in die Höhe treiben werden, bevor sie wieder zu sinken beginnen.

In der Zwischenzeit trugen Preisnachlässe mehrerer großer Einzelhändler dazu bei, dass die Preise für Einzelhandelsgüter insgesamt stagnierten und bei Haushaltswaren (insbesondere bei zinsempfindlichen Möbelkäufen) und Bekleidung spürbar zurückgingen. Wir hatten bereits erwartet, dass es irgendwann zu Preisnachlässen bei Waren kommen würde, nachdem sich das Verhältnis von Lagerbeständen zu Umsätzen erholt hatte und andere Inputkosten, darunter Versand- und Logistikkosten, Anfang des Jahres zurückgingen. Der Oktober war jedoch der erste Monat, in dem die VPI-Daten einen deutlichen Preisrückgang in diesen Kategorien widerspiegelten.

 

Was die Kerndienstleistungen betrifft, so haben sich die Mieten und die eigentümeräquivalenten Mieten (OER) im Oktober nach einer Reihe von schockierend hohen Anstiegen leicht abgekühlt. Doch die Mietpreise, vor allem auch für neue Mietverträge, haben in den vergangenen Monaten bereits eine deutliche Abkühlung gezeigt, ebenso wie der US-Wohnungsmarkt insgesamt. Angesichts der üblichen Verzögerungen gehen wir jedoch davon aus, dass sich diese Abkühlung erst Ende des ersten oder Anfang des zweiten Quartals 2023 vollständig in den vom Verbraucherpreisindex gemeldeten OER und Mieten niederschlagen wird. Bis dahin erwarten wir, dass die OER-Inflation relativ stabil bleiben wird.

Schließlich sind auch die Preise für Krankenversicherungen im Oktober gesunken, und wir gehen davon aus, dass diese neue Dynamik im Laufe des nächsten Jahres zu einer nur noch moderaten Inflation im Bereich der Gesundheitsversorgung beitragen wird. Es ist zu berücksichtigen, dass die Methodik des Bureau of Labor Statistics (BLS, das den VPI veröffentlicht) auf Daten zurückgreift, die nur einmal pro Jahr und mit Verzögerung veröffentlicht werden. Der Verbraucherpreisindex fiel zunächst höher aus, da die Margen der Krankenversicherungen aufgrund des Rückgangs von medizinischen Behandlungen im Jahr 2020 während der Pandemie stark gestiegen waren, aber mit dem Oktoberbericht sind diese älteren Zahlen nun weggefallen.

Die Auswirkungen auf den makroökonomischen Ausblick

Insgesamt sind wir der Ansicht, dass die schwächer als erwartet ausgefallenen VPI-Werte vom Oktober dafür sprechen, dass sich die Inflation im Jahr 2023 tatsächlich abschwächen wird, nachdem sie zuvor aufgrund der pandemiebedingten Lieferengpässe in Verbindung mit umfangreichen fiskalischen Transfers übermäßig gestiegen war. Dennoch sind wir nach wie vor der Ansicht, dass die Inflation im Allgemeinen hartnäckiger sein und über dem Ziel der Fed bleiben wird, selbst wenn sie sich abschwächt. Außerdem würde es uns nicht überraschen, wenn es kurzfristig zu einer Wiederbeschleunigung kommt, da die Schäden des Hurrikan Ian die Nachfrage in einigen Warenkategorien vorübergehend erhöhen. Auch wenn wir davon ausgehen, dass die Krankenversicherungspreise weiter sinken werden, da diese Daten nicht in den PCE (Persönliche Konsumausgaben in den USA und bevorzugtes Inflationsmaß der Fed) enthalten sind, dürfte der Unterschied zwischen den beiden Inflationsmaßen mit der Zeit abnehmen.

Letztlich sind wir der Ansicht, dass die Auswirkungen des VPI-Berichts für Oktober nicht durchweg positiv für die Wirtschaftsaussichten waren. Der überraschend schwache Inflationswert signalisiert gesunkene Verbraucherausgaben und erhöhten Druck auf die Gewinnspannen im Unternehmenssektor. Die Margen im Einzelhandel haben sich in den vergangenen Quartalen insgesamt überraschend gut gehalten; wir gehen jedoch davon aus, dass der sinkende Konsum die Fähigkeit der Einzelhändler, diese Margen zu halten, einschränken wird. Wir behalten auch die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und zum Kreditkarteneinsatz im Blick – aber in jedem Fall deutet der Verbraucherpreisindex vom Oktober darauf hin, dass Abwärtsrisiken hinsichtlich der Aussichten für die Verbraucherausgaben bestehen.

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