Der Sturm auf den globalen Finanzmärkten scheint sich gelegt zu haben – zumindest vorerst. Es herrscht nach wie vor große Unsicherheit: Da nicht mit einem baldigen Ende des Kriegs im Iran zu rechnen ist, sitzen Schiffe weiterhin in der Straße von Hormus fest und die Ölpreise steigen. Die vor einigen Wochen diskutierten Worst-Case-Szenarien sind glücklicherweise nicht eingetreten, und die aktuelle Risikobilanz deutet auf ein günstigeres Investitionsklima hin.

Nachdem sich die Wolken verzogen haben, können sich die Investoren wieder auf die insgesamt positiven Fundamentaldaten konzentrieren: reichlich globale Liquidität, eine starke Gewinnentwicklung bei den Unternehmen, ein stetiges, wenn auch unspektakuläres Wirtschaftswachstum, eine moderate Inflation (wenn auch mit Aufwärtsrisiken) und Bewertungen, die bei vielen Anlageklassen attraktiver sind als noch vor zwei Monaten. All das bestärkt uns darin, risikofreudiger zu investieren, indem wir unser Engagement in Schwellenländeranlagen, US-Aktien und Industriewerten ausbauen.

Wir gehen Risiken jedoch selektiv ein. Wir möchten uns ungern auf eine einzige makroökonomische oder geopolitische Entwicklung stützen. Wir halten daher an unserer insgesamt neutralen Gewichtung in Aktien, Anleihen und Cash fest.

Konjunkturindikatoren signalisieren robuste Weltwirtschaft trotz Ölpreisschock

Unsere Konjunkturindikatoren stützen diese Einschätzung und deuten auf ein insgesamt moderat positives globales makroökonomisches Umfeld hin. Die wichtigste Erkenntnis aus den von uns beobachteten Frühindikatoren ist, dass die Konjunktur in den meisten Industrieländern und weiten Teilen Asiens insgesamt stabil bleibt. Der Energieschock schlägt sich bisher nur in begrenztem Umfang in den Erhebungen und Preisindikatoren nieder. In unserem Basisszenario wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 2,8 Prozent und damit leicht über dem Potenzial wachsen, während die Inflation im Durchschnitt bei etwa 3 Prozent liegen wird.

Die Risiken sind in einem schwächeren Wachstum und einem höheren Preisdruck zu sehen. Sollte die Sperrung der Straße von Hormus den ganzen Sommer über andauern, dürfte dies in Europa und einigen Schwellenländern – und möglicherweise sogar in den USA – eine leichte Rezession auslösen. Solange die Seestraße gesperrt bleibt, bewegen sich die Ölpreise zwischen 110 und 120 US-Dollar pro Barrel, gegenüber rund 70 US-Dollar vor dem Krieg und dem langfristigen Fair-Value unseres Modells von 80 US-Dollar.

Der Ölpreisanstieg bringt Gewinner und Verlierer hervor. Die Schwellenländer halten sich relativ gut. Energieexportländer sind die großen Profiteure, doch auch andere Länder befinden sich in einer stärkeren Position als bei früheren Krisen, was auf ein höheres Wirtschaftswachstum, eine geringere Anfälligkeit gegenüber externen Einflüssen und größere Zinspuffer zurückzuführen ist.

In den USA ist die Lage ausgeglichener. Der US-Verbraucher ist augenscheinlich fragiler als es die Wachstumszahlen vermuten lassen: Die Konsumdaten sind bereits schwach, das Wachstum des verfügbaren Einkommens hat sich deutlich verlangsamt, das Verbrauchervertrauen befindet sich nahe einem Rekordtief, und es wird erwartet, dass die höheren Ölpreise die Realeinkommen weiter unter Druck setzen werden. Die Ölproduzenten des Landes können jedoch mit beträchtlichen Mehreinnahmen rechnen, die die allgemeinen Auswirkungen auf die Wirtschaft ausgleichen werden.

In Europa hingegen wirkt sich der Ölschock ganz klar negativ aus, da die Hoffnungen auf eine Erholung schwinden und eine Stagflation droht. Wir haben unsere Wachstumsprognose für die Eurozone für dieses Jahr auf 0,9 Prozent gesenkt (von 1,3 Prozent vor zwei Monaten) und unsere Inflationsprognose auf 2,7 Prozent angehoben (von 2,0 Prozent).

Liquiditätsindikatoren bleiben expansiv und treiben Aktienmärkte an

Unsere Liquiditätsindikatoren geben riskanteren Anlagen etwas Auftrieb und bestätigen uns in unserer Entscheidung, das Engagement in einigen Aktienmärkten zu erhöhen. Da noch unklar ist, wie lange der Inflationsschock andauern wird und ob die Regierungen eingreifen werden, um die Auswirkungen der gestiegenen Energiekosten abzufedern, haben die Zentralbanken zwar ihre Bereitschaft zu einer Straffung der Geldpolitik signalisiert, haben es damit aber nicht eilig. Die globale Liquidität, die im weiteren Sinne als Geldmenge, Devisenreserven ohne Gold und Zentralbankvermögen ohne Gold definiert wird, wächst um rund 7,4 Prozent – ein ganzer Prozentpunkt über dem historischen Trend – und stützt damit die Bewertungen.

Die US-Notenbank hat ihre Zinssenkungsrunde beendet (und wir rechnen in diesem Jahr nicht mehr mit weiteren Maßnahmen), doch im privaten Sektor ist trotz der jüngsten Turbulenzen weiterhin reichlich Liquidität vorhanden. Nach unserer Einschätzung liegt dies daran, dass wichtige Kreditnehmer in der US-Wirtschaft – der Staat, KI-Unternehmen und wohlhabendere Verbraucher – nicht besonders empfindlich auf Zinsänderungen reagieren. Zudem bestätigen die jüngsten Gewinnmeldungen der Unternehmen, dass die Bankbilanzen in einer soliden Verfassung und gut vor Turbulenzen in den schwächeren Bereichen des Kreditmarkts geschützt sind.

Bewertungsindikatoren deuten weiter auf attraktives Aktienumfeld hin

Auch die Bewertungsindikatoren sprechen dafür, zusätzliche Risiken einzugehen. Trotz einer kräftigen Erholung an den Aktienmärkten erscheinen die Bewertungen nicht übermäßig hoch. Weltweit werden Aktien mit einem KGV gehandelt, das rund 10 Prozent unter dem Höchststand von Oktober 2025 liegt, während die Renditen von Staatsanleihen im gleichen Zeitraum im Durchschnitt um etwa 40 Basispunkte gestiegen sind.

Die Gewinnentwicklung der Unternehmen ist weiterhin positiv. Die Berichtssaison verlief vor allem in den USA sehr erfreulich, wobei der größte Teil des Gewinnwachstums auf die Sektoren Technologie, Finanzen und Rohstoffe entfiel.