Die Bewertungen vieler Small Caps sind auf historische Tiefststände gefallen. Der Russell 2000, der bekannteste Index für US-Small-Caps, notierte zeitweise mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber Large Caps. Daher nehmen Anleger jetzt verstärkt Small Caps aus den USA in den Blick, die vielversprechend erscheinen.
Sinkende Zinsen stärken Small Caps: Die US-Notenbank (Fed) begann im September 2024 mit ihrer taubenhaften Kehrtwende und setzte ihre Lockerung der Geldpolitik im November fort. Wie Sie in Grafik 1 sehen können, korreliert die Aktienmarktperformance von Small Caps mit der Veränderung der Leitzinserwartungen. Wenn die Erwartungen an die Leitzinsen der Fed in Richtung Zinssenkungen verbunden mit einer Lockerung der Geldpolitik gehen, schneiden Small Caps in der Regel besser ab.
Worauf ist dieses Phänomen zurückzuführen? Wahrscheinlich darauf, dass bei sinkenden Leitzinsen die Fremdkapitalkosten für Small-Cap-Unternehmen stärker zurückgehen da sie in der Regel einen höheren Anteil an variabel verzinslichen Schulden aufweisen als Large-Cap-Unternehmen. Sinkende Leitzinsen dürften auch das Vertrauen des Managements stärken, die Kapitalkosten senken und die Fusionen und Übernahmen (M&A) bis 2025 unterstützen.
Grafik 1: Small-Cap-Aktien – empfindlicher gegenüber Veränderungen der Leitzinserwartungen als Large-Caps
Small-Cap-Bewertungen – attraktiv
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für Small Caps hat sich von den Tiefstständen erholt und liegt nun in der Nähe des langfristigen Durchschnitts von 17 (ohne Unternehmen mit negativen Gewinnen). Im Vergleich zu Large-Cap-Indizes (das KGV des S&P 500 liegt bei 29, Stand: 10.01.2025) erscheinen die KGVs für Small Caps jedoch relativ niedrig; sie liegen derzeit 11 Prozent unter dem Durchschnitt (siehe Grafik 2).
Grafik 2: Kurs-Gewinn-Verhältnis bei Small Caps erscheint relativ niedrig
Wir gehen davon aus, dass die erwarteten Unternehmensgewinne den Kurs der Small-Cap-Aktien weiter nach oben treiben werden. Analysten rechnen mit einem robusten Gewinnwachstum: 15 Prozent in diesem Jahr und über 30 Prozent in den Jahren 2025 und 2026. Das liegt über der langfristigen Wachstumsrate von 13 Prozent (siehe Grafik 3).
Wenn die höheren Gewinnwachstumsraten realisiert werden – sofern nicht eine Abkühlung der Wirtschaft oder gar eine Rezession eintritt –, dürften sich die Bewertungen verbessern.
Grafik 3: Analysten erwarten für den Russell-2000-Index ein robustes Gewinnwachstum in den kommenden Jahren
Vorsprung der Mega-Cap-Technologie dürfte sich verringern
Vier große Technologieunternehmen (Amazon, Google, Meta und Nvidia) haben den Großteil des jüngsten Gewinnwachstums auf dem US-Markt erwirtschaftet. Dies hat zur Outperformance des technologielastigen NASDAQ 100, des Small-Cap-Fonds Russell 1000 Growth und in geringerem Maße des marktbreiten S&P 500 geführt.
Die Gewinne der Big Four stiegen im zweiten Quartal 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent, verglichen mit nur 6 Prozent für die restlichen 496 Unternehmen im S&P 500. Weil die immens hohen Gewinnerwartungen für die Big Four in Zukunft möglicherweise enttäuscht werden könnten, wird prognostiziert, dass sich diese Lücke verringert (siehe Grafik 4), und wenn dies der Fall ist, sollte sich auch die Lücke in der Aktienmarktentwicklung verringern.
Grafik 4: Abstand zum Gewinnwachstum bei US-Small-Caps dürfte sich verringern
Schub für Small Caps im Jahr 2025
Nach der Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 konzentrierten sich US-Unternehmen jahrzehntelang darauf, die Produktion in Länder mit niedrigeren Kosten auszulagern, um ihre Gewinne zu verbessern. In den USA stagnierte die Industrieproduktion, während sie in China kräftig anstieg.
Wir sehen das Potenzial, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren umkehrt. Die Pandemie führte zu erheblichen Problemen in den Lieferketten und der ausgelagerten Produktion, weshalb viele US-Unternehmen nun verstärkt daran arbeiten, ihre Produktion ins Inland zurückzuholen.
Zunehmende geopolitische Spannungen und Protektionismus sind weitere Katalysatoren, die zudem durch die finanzielle Unterstützung des CHIPS Act sowie durch den Infrastructure Investment and Jobs Act der US-Regierung begünstigt werden.
Wir erwarten, dass ein mehrjähriger Zyklus von Investitionen bevorsteht, der durch Reshoring-Initiativen angetrieben wird. US-Small-Caps dürften von diesem Trend profitieren, da sie stärker von inländischen Investitionen und Konjunkturzyklen abhängig sind.
Die Ausgaben für Rechenzentren in der Informationstechnologie – ein zentraler Bestandteil der Infrastruktur, die das „Wettrüsten“ in der künstlichen Intelligenz (KI) unterstützt – fördern nicht nur den Absatz fortschrittlicher Grafikprozessoren (GPUs), sondern steigern auch die Einnahmen zahlreicher weniger bekannter Small-Cap-Unternehmen aus den Bereichen Hardware, Software, Industrie, Materialien und sogar Versorgung. Diese Investitionsausgaben werden größtenteils durch die Gewinne anderer Technologieunternehmen finanziert, die Geld ausgeben, um ihr Geschäft auszubauen, anstatt Bargeld zu horten oder den Gewinn pro Aktie (EPS) durch Aktienrückkäufe zu steigern.
Fusionen und Übernahmen (M&A) könnten einen weiteren potenziellen Schub für Small Caps darstellen. Da die niedrigeren Zinsen die Schuldenlast verringern, die Unsicherheit über die Wirtschaftsaussichten schwindet und die politische Unsicherheit nach den US-Wahlen geringer ist, dürfte sich der Dealflow verbessern. Strategische Einkäufer sind stets auf der Suche nach Möglichkeiten für Innovationen oder Disruptionen und sie sind nun möglicherweise besser in der Lage, ihre Pläne umzusetzen.
Schlussfolgerung
Wir sehen Rückenwind für kleinere US-Unternehmen, da die Fed auf eine geldpolitische Lockerung umschwenkt, sich die Unternehmensgewinne erholen und sich die Bewertungsverwerfungen normalisieren. Diese Marktwendungen könnten durch Trends beim Onshoring und Reshoring sowie durch eine Wiederaufnahme der M&A-Aktivitäten zusätzlich gestärkt werden.
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