US-Aktien setzen ihren Aufwärtstrend im laufenden Jahr trotz geopolitischer Unsicherheiten fort, gestützt durch robuste Wirtschaftsdaten und starke Unternehmensgewinne. Der Fokus an den Märkten liegt weiterhin vor allem auf großen Technologiekonzernen und dem Thema künstliche Intelligenz (KI). Gleichzeitig entwickeln sich die einzelnen Branchen sehr unterschiedlich, was darauf hindeutet, dass die Investmentmöglichkeiten breiter und komplexer sind, als es die Entwicklung der großen Leitindizes auf den ersten Blick erkennen lässt.
Statt nur breit in den Gesamtmarkt zu investieren, setzen Anleger zunehmend auf einzelne Sektoren. Damit wollen sie entweder ihre bestehenden US-Aktienanlagen gezielt ergänzen oder ihre Portfolios stärker auf die wirtschaftlichen Entwicklungen ausrichten, die derzeit die Renditen bestimmen.
Die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt fielen besser aus als erwartet, während die Arbeitslosenquote stabil blieb. Das festigte die positive Stimmung an den Märkten und trug dazu bei, dass der S&P 500 einen der stärksten monatlichen Kursanstiege der vergangenen Jahre verzeichnete.
Ein Teil der Unsicherheit dürfte jedoch auf die bekannte Diskrepanz zwischen Schlagzeilen und wirtschaftlicher Realität zurückzuführen sein – also zwischen Main Street und Wall Street. Zwar ist das Verbrauchervertrauen in den USA zuletzt auf historische Tiefstände gesunken, gleichzeitig bleiben die Konsumausgaben vergleichsweise robust und die Aktienmärkte steigen weiter. Das zeigt, dass sich unter der Oberfläche sehr unterschiedliche Entwicklungen abspielen, die zunehmend Einfluss auf die Märkte nehmen.
Streuung statt Gleichlauf
Die einzelnen Branchen entwickeln sich inzwischen zunehmend unterschiedlich, statt sich wie früher weitgehend im Gleichlauf zu bewegen. Die Unterschiede zwischen den stärksten und schwächsten Sektoren sind in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden und bleiben weiterhin hoch.
Grund dafür sind unter anderem die unterschiedlichen Folgen höherer Zinsen, veränderte Konsumgewohnheiten und der schnelle technologische Wandel. Dadurch wird immer deutlicher, wie stark die Auswahl einzelner Sektoren die Wertentwicklung eines Portfolios beeinflussen kann.
Im vergangenen Jahr erzielten die Bereiche Kommunikationsdienste und Technologie Renditen von 20 bis 25 Prozent, während Finanzwerte kaum zulegen konnten. Über drei Jahre betrachtet kamen Kommunikationsdienste auf etwa 35 Prozent Rendite, Finanzwerte dagegen nur auf rund 14 Prozent. Auch im Fünfjahresvergleich bleibt der Unterschied deutlich: Technologieaktien erzielten im Schnitt fast 20 Prozent Rendite pro Jahr, während stärker konjunkturabhängige Branchen lediglich auf hohe einstellige Zuwächse kamen.¹
Diese zunehmenden Unterschiede zwischen den Sektoren sprechen dafür, dass Anleger bei US-Aktien verstärkt taktisch, sprich selektiv vorgehen sollten. Denn je größer die Unterschiede zwischen den Branchen werden, desto wichtiger wird die richtige Sektorwahl für die Wertentwicklung eines Portfolios.
Der US-Markt hat sich strukturell verändert
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, wie stark sich der US-Aktienmarkt in den vergangenen Jahren verändert hat. Vor 20 Jahren bestimmten vor allem Finanz- und Energieunternehmen die Entwicklung der großen Indizes. Heute dominieren dagegen Technologie- und Kommunikationskonzerne. Dahinter stehen der Aufstieg digitaler Plattformen, softwarebasierter Geschäftsmodelle und wachstumsstarker Unternehmen, die vergleichsweise wenig Kapital benötigen.
Dabei verändern sich nicht nur die Gewichtungen in den Indizes. Auch das Gewinnwachstum wird zunehmend von der digitalen Transformation angetrieben. Besonders profitieren Geschäftsmodelle, die Skaleneffekte nutzen können – also Plattformen, die mit steigender Nutzerzahl effizienter werden und ihren Wettbewerbsvorteil weiter ausbauen.
Ein gutes Beispiel dafür sind Kommunikationsdienstleister. Inzwischen nutzen fast 70 Prozent der Weltbevölkerung soziale Medien, und rund 90 Prozent aller Erwachsenen sind digital vernetzt. Digitale Werbung hat sich zum wichtigsten Kanal entwickelt, um Konsumenten zu erreichen. Gleichzeitig wachsen Bereiche wie Streaming, Gaming und die sogenannte Creator Economy weiterhin dynamisch.
Diese Entwicklungen sind aus unserer Sicht keine kurzfristigen Trends, sondern Ausdruck tiefgreifender struktureller Veränderungen, die zunehmend bestimmen, wo Wachstum entsteht und welche Unternehmen die Marktführerschaft übernehmen.
Makrokräfte wirken auf Sektorebene
In diesem Umfeld spiegelt die Entwicklung von Sektoren gesamtwirtschaftliche Entwicklungen wider. So haben höhere Zinsen beispielsweise die Profitabilität von Banken verbessert, da sie von höheren Zinsmargen profitieren. Gleichzeitig bremsen sie jedoch das Kreditwachstum und wirken sich oft negativ auf Bewertungen aus.
Parallel dazu unterstützen Innovationszyklen – insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz – weiterhin vor allem Technologie- und Kommunikationsunternehmen. Auf der Konsumentenseite zeigt sich ein differenziertes Bild: Zwar reduzieren viele US-Haushalte ihre Ausgaben in bestimmten nicht zwingend notwendigen Bereichen, gleichzeitig bleiben Ausgaben für Erlebnisse wie Reisen, Unterhaltung oder Veranstaltungen stabil oder wachsen sogar weiter.
Umfragen deuten zudem darauf hin, dass Verbraucher stärker auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten, statt pauschal weniger zu konsumieren. Das zeigt sich etwa darin, dass häufiger kürzere Reisen gebucht, günstigere Anbieter gewählt oder weniger nicht-essenzielle Käufe getätigt werden – während Ausgaben für Freizeit und Komfort weitgehend erhalten bleiben.
Gleichzeitig gewinnt der Onlinehandel weiter an Bedeutung und macht inzwischen rund 17 Prozent des US-Einzelhandels aus – deutlich mehr als vor der Pandemie.²
Diese unterschiedlichen Trends sorgen dafür, dass sich einzelne Branchen sehr unterschiedlich entwickeln können, selbst wenn sie im selben Marktumfeld agieren. Für Investoren stellt sich deshalb die Frage, wie Portfolios auf diese zunehmende Differenzierung reagieren sollten.
Mehr Präzision in der US-Aktienallokation
Die breite Anlage in US-Aktien bleibt für viele Portfolios weiterhin ein wichtiges Fundament. Gleichzeitig gewinnen sektorbezogene Entwicklungen an Bedeutung, weshalb Anleger dieses Kerninvestment zunehmend gezielt ergänzen. Sektorstrategien ermöglichen es, bestimmte Markteinschätzungen genauer umzusetzen – etwa durch den Fokus auf strukturelles Wachstum, eine Anpassung an das Zinsumfeld oder eine bessere Balance zwischen konjunkturabhängigen und defensiven Branchen.
Für Anleger, die bereits breit in US-Aktien investiert sind, bieten Sektorstrategien zwei Vorteile: Sie können gezielt an langfristigen Wachstumsthemen teilnehmen und gleichzeitig mögliche Klumpenrisiken auf Indexebene reduzieren.
Dabei geht es nicht um kurzfristige Marktprognosen oder Timing. Vielmehr zeigt sich ein grundlegender Wandel: weg von der reinen Partizipation am Gesamtmarkt hin zu einem bewussteren Verständnis der Faktoren, die die Marktentwicklung tatsächlich bestimmen.
Die aktuellen Entwicklungen sprechen dafür, dass ein pauschaler Ansatz für US-Aktien an Wirksamkeit verliert. Mehr Potenzial liegt darin, über die US-Indizes hinauszuschauen und gezielt einzelne Sektoren als Ergänzung zur Kernanlage zu nutzen, um Portfolios besser auf die treibenden Kräfte der Renditeentwicklung auszurichten.
1 Quelle: Bloomberg. Nettoperformance der S&P-500-Capped-35/20-Indizes in US-Dollar per 27. Februar 2026. Indizes werden nicht aktiv verwaltet und können nicht direkt investiert werden. Sie enthalten keine Gebühren, Kosten oder Verkaufsgebühren. Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Ergebnisse und bieten keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
2 Quelle: KPMG Consumer Pulse: Memories Over Materials – Americans Slash Non-Essential Spend to Fund Summer Experiences. Kpmg.com. 23. April 2026.
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