Die Quartalszahlen und die Verbraucherstimmung in den USA senden derzeit völlig gegensätzliche Signale. Während die Unternehmen im S&P 500 ihre Gewinne deutlich steigern konnten, verharrt das Konsumentenvertrauen auf historisch niedrigem Niveau. Für Anleger stellt sich die Frage: Welches Signal ist aussagekräftiger?

Unternehmen steigern Gewinne zweistellig

Die Berichtssaison für das dritte Quartal 2025 im S&P 500 ist zu 97 Prozent abgeschlossen. Die Unternehmen steigerten ihre Gewinne im Schnitt um 14,7 Prozent. Besonders stark präsentierten sich der Technologiesektor mit einem Plus von 30,1 Prozent und der Finanzsektor mit 25,0 Prozent. Lediglich Energie und Kommunikationsdienste konnten nicht zulegen.

Bei den Umsätzen zeigt sich ein ähnlich positives Bild: Die Erlöse stiegen insgesamt um 8,2 Prozent. Der Technologiesektor führte auch hier mit 16,7 Prozent. Anders als beim Gewinn konnte jeder Sektor ein Umsatzplus verbuchen.

Bemerkenswert ist zudem, dass 83 Prozent der berichtenden Unternehmen die Gewinnerwartungen der Analysten übertrafen, beim Umsatz waren es 78 Prozent. Das zeigen Daten der London Stock Exchange Group (LSEG) mit Stand vom 28. November 2025.

Das Ergebnis überrascht angesichts der anhaltenden Diskussion über eine vermeintlich schwächelnde US-Wirtschaft. Vielmehr zeigt sich, dass die amerikanische Wirtschaft robust wächst – und zwar über nahezu alle Sektoren hinweg. Diese Breite liefert zusätzliche Stabilität: Die Entwicklung hängt nicht mehr allein von einzelnen Schwergewichten ab.

Verbraucher so pessimistisch wie seit Monaten nicht

Die Verbraucherstimmung in den USA zeichnet ein völlig anderes Bild. Der Consumer Confidence Index, der sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate widerspiegelt, fiel um 6,8 Punkte auf 88,7 – den niedrigsten Stand seit April dieses Jahres. Als Auslöser gilt der inzwischen beendete Stillstand der US-Regierung, der mit 43 Tagen der längste in der Geschichte war.

Auch der Consumer Sentiment Index der University of Michigan sendet ähnliche Signale. Er legte zwar leicht zu, verharrt aber auf dem zweitniedrigsten Niveau seit Beginn der Erhebungen. Der Wert liegt nur knapp über dem Tiefstand von Juni 2022. Hohe Preise und sinkende Einkommen belasten die Stimmung. Besonders deutlich zeigt sich dies im Current Economic Conditions Index, der um 12,8 Prozent auf ein Allzeittief von 51,1 fiel. Die Verbraucher schätzen ihre persönliche Finanzlage um mehr als 10 Prozent schlechter ein als zuvor.

Die Kombination aus politischer Unsicherheit, anhaltend hoher Inflation und rückläufigen Einkommen verdeutlicht, dass die Konsumentenstimmung trotz einzelner positiver Signale auf einem historisch niedrigen Niveau verharrt. Für Investoren bleibt sie damit ein sensibler Frühindikator, der bei der Bewertung der weiteren Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung besondere Aufmerksamkeit verdient.

Zwei Signale, ein Fazit

Quartalszahlen sind nachlaufende Indikatoren – sie zeigen die wirtschaftliche Realität der vergangenen Monate. Die Verbraucherstimmung hingegen ist ein vorlaufender Indikator. Beide Perspektiven sollten Anleger zusammenführen und die Stimmungsdaten nicht isoliert betrachten.

Entscheidend wird sein, ob sich die schwache Stimmungslage zeitnah in Konsum- und Arbeitsmarktdaten niederschlägt. Sollte das geschehen, müssten Analysten ihre Gewinnschätzungen korrigieren. Die laufende Berichtssaison bestätigt aber vorerst eine breite Ergebnisstärke im S&P 500. Die Konsumentenstimmung wird erst dann zum echten Warnsignal, wenn harte Daten sie bestätigen – etwa eine spürbare Abschwächung des Konsums oder eine deutliche Verschlechterung am Arbeitsmarkt.

Über den Autor:

Albert Idelson ist Portfoliomanager bei der Gap Vermögensverwaltung in Köln.