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Chinas Präsident Xi Jinping (links) und US-Präsident Donald Trump (rechts) sitzen sich in Buenos Aires bei einem Dinner mit ihren Delegationen gegenüber. | © Getty Images

US-chinesischer Handelskonflikt Donald Trump und Xi Jinpings verhängnisvolles Pingpong

Nicht alles, was Donald Trump zu sagen hat, passt in eine Twitter-Meldung. Manchmal braucht er zwei Tweets für ein Statement. So auch am 5. Mai, als er den Handelsstreit mit China überraschend in eine neue Runde schickte. Delegationen aus China und den USA waren schon seit Wochen dabei, über Zölle zu verhandeln. Es herrschte große Zuversicht, dass die beiden Staaten bald eine einvernehmliche Lösung finden würden.

Schrecken über Trumps Gezwitscher 

Auf ein solches Szenario waren auch viele Kapitalmarktinvestoren eingestellt. Umso größer war der Schrecken über Trumps Gezwitscher. Die Aktienmärkte gaben nach, nicht nur in den USA und China. In seinen Tweets hatte Trump angekündigt, die Zölle von 10 auf 25 Prozent zu erhöhen, was er auch ein paar Tage später umsetzte. Zudem drohte er, bald Gebühren auf sämtliche Wareneinfuhren zu erheben.

Das ließ Chinas Staatschef Xi Jinping natürlich nicht auf sich sitzen und steigerte ebenfalls seine Zollsätze. Dieses gegenseitige Hochschaukeln hatte seinen Anfang im Sommer 2018, als Trump chinesische Waren in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar mit Strafzöllen belegte, und Xi Gleiches mit Gleichem vergalt. Im September bedachte Trump dann weitere Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar mit 10 Prozent Einfuhrgebühren, zum Jahreswechsel sollten diese auf 25 Prozent steigen. Chinas Antwort: Zölle auf US-Güter für weitere 60 Milliarden Dollar.

Auf dem G-20-Gipfel Ende November in Buenos Aires vereinbarten die beiden Staatschefs eine Pingpong-Pause von 90 Tagen, die verlängert wurde, während die Delegationen verhandelten – bis Anfang Mai Trump der Kragen platzte. Grund seines Unmuts: Die Chinesen wollten plötzlich den eigentlich in seinen Augen schon so gut wie fertigen Deal noch ein-mal neu verhandeln.

Handelskonflikt tangiert ganze Welt

Der Handelskonflikt USA-China betrifft nicht nur die beiden Länder, sondern tangiert die ganze Welt. Zuallererst sorgt er für Unsicherheit, da weder die Entwicklung noch die Auswirkungen absehbar sind, und Unsicherheit ist immer eine schlechte Grundlage für wirtschaftliches Wachstum. Dennoch gibt es Profiteure der Streitigkeiten. So überlegen bereits einige Unternehmen, Produktionsstätten aus China in andere südostasiatische Länder zu verlegen – zumal einige Staaten wie Vietnam zusätzlich mit niedrigeren Löhnen punkten.

Aber auch Ländern im Rest der Welt kommt der Handelsstreit zugute, wie eine Studie der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNC-TAD) zeigt. „Der amerikanisch-chinesische Handel wird zurückgehen und Geschäften mit anderen Ländern weichen“, sagt Pamela Coke-Hamilton, Leiterin der internationalen Handelsabteilung bei UNCTAD. Die Analyse geht davon aus, dass dies bei über 80 Prozent der durch Zölle betroffenen Waren der Fall sein wird. In absoluten Zahlen profitiert die EU am meisten. Gemessen am Gesamtexport der Länder gewinnen vor allem Mexiko, Australien, Brasilien und Vietnam.

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