Themen
TopThemen
Fonds
Fondsvergleich Märkte Finanzberatung
Versicherungen
Boulevard
Experten
Denker der Wirtschaft
Krypto
Services
Academy Newsletter Veranstaltungskalender

US-Konjunktur „Sinkende Lebenserwartung ist ein schlechtes Zeichen“

Vor ein paar Wochen veröffentlichte das Center for Disease Control (CDC) der Vereinigten Staaten eine alarmierende Statistik. Danach ist die Lebenserwartung der Amerikaner zum dritten Mal hintereinander gesunken. Sie hat sich von 2014 bis 2017 um fast vier Monate auf 78,6 Jahre verringert.

Jeder weiß, dass die Lebenserwartung in wohlhabenden Industriestaaten normalerweise steigt. Das hängt mit den zunehmenden Ausgaben für Gesundheitsvorsorge, einer gesünderen Lebensführung sowie dem medizinischen und hygienischen Fortschritt zusammen. In den USA hat sich die Lebenserwartung seit dem Zweiten Weltkrieg um insgesamt zehn Jahre erhöht.

Und jetzt plötzlich geht sie zurück? Und zwar drei Jahre hintereinander? Das kann nicht mit irgendwelchen Zufallseinflüssen zusammenhängen. Die Wissenschaftler des CDC führen das vor allem auf die zunehmende Verbreitung harter Drogen zurück sowie auf den Anstieg der Suizide. Das wirft kein gutes Licht auf die amerikanische Gesellschaft. Es zeigt, dass der Glaube der Amerikaner an die Zukunft ihrer Gesellschaft gelitten hat.

Lebenserwartung und Bruttoinlandsprodukt (Bip) pro Kopf:

Quelle: OECD Grafik: Assenagon Asset Management

Es gibt wenige Länder in der Welt, in der eine ähnliche Entwicklung zu beobachten ist. Eines ist Russland, mit dem die USA in dieser Hinsicht sicherlich nicht verglichen werden wollen. In Russland spielt bei der sinkenden Lebenserwartung vor allem der zunehmende Alkoholkonsum eine Rolle. Der Rückgang der Lebenserwartung ist noch stärker als in den USA.

Wie ich auf diese Zahlen komme? Ökonomen schauen bei der Länderanalyse üblicherweise nicht auf solche Faktoren. Sie interessieren sich vor allem für das Bruttoinlandsprodukt und seine Komponenten sowie für Wettbewerbsfähigkeit, Gewinne, Zinsen und Liquidität. Das ist aber eine zu starke Einengung des Blickfeldes.

»Schauen Sie bei Investments nicht
nur auf die ökonomischen Faktoren.«

Wichtige Faktoren, vor allem die, die die Zukunft eines Landes beeinflussen, bleiben dabei außen vor. Am Kapitalmarkt, vor allem am Bondmarkt ist man da viel weiter. Anleger begnügen sich nicht mit Makrodaten. Sie suchen darüber hinaus nach weiteren Indikationen für rentable und vernünftige Investitionen. Bei ESG-Investitionen (Environment, Social, Governance) beispielsweise beziehen sie auch ethische Gesichtspunkte ausdrücklich in die Betrachtung ein. Es liegt daher nahe, dies auch bei volkswirtschaftlichen Analysen zu tun.

Wenn man das macht, müsste man eigentlich alles mit einbeziehen, was die Qualität des Lebens in einer Gesellschaft beeinflusst. Dazu gehören sowohl die Sicherheit der Bürger, die Einkommens- und Vermögensverteilung, das Bildungssystem und natürlich die Umwelt. Die OECD hat einen solchen Better Life Index mit 24 Komponenten entwickelt. Das ist ein außerordentlich komplexes und unübersichtliches System.

Ich habe in der Grafik aus Vereinfachungsgründen nur das Pro-Kopf-Einkommen als Proxy für die ökonomischen Faktoren und die Lebenserwartung als Spiegel des Wohlbefindens in der Gesellschaft genommen. Dahinter steht die Überlegung, dass die Attraktivität eines Landes umso größer ist, je höher das Einkommen und die Lebenserwartung der Menschen sind.

nach oben