US-Kreditkrise lässt deutschen Aktienmarkt kalt

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In den vergangenen Wochen purzelten weltweit die Aktienkurse aus Furcht vor einem Überschwappen der US-Kreditkrise auf den Aktienmarkt. Doch für eine allgemeine Panik besteht kein Anlass, erklärt Eberhard Weinberger im Interview mit DAS INVESTMENT.com. „An den internationalen Aktienmärkten zeichnet sich noch kein Abwärtstrend ab“, so das Vorstandsmitglied des Pullacher Vermögensverwalters Dr. Jens Ehrhardt Kapital.

DAS INVESTMENT.com: Inwiefern ist der amerikanische Aktienmarkt von der US-Hypothekenkrise betroffen?

Eberhard Weinberger: Die US-Wirtschaft ist von fremdfinanzierten Konsumausgaben abhängig. Das könnte jetzt zum Problem werden. Aber auch die US-Banken bekommen die Kreditklemme deutlich zu spüren. Denn das Geschäft mit Übernahmefinanzierungen dürfte sich abkühlen. Im vorigen Jahr verdienten sie damit eine Menge Geld. Zusammenbrüche erwarte ich bei amerikanischen Großbanken aber nicht. Denn die Risiken der Subprime-Krise waren bekannt und die US-Banken haben Vorkehrungen getroffen. Sie haben die Kredite verbrieft und verkauft. So haben sie das Ausfallrisiko weitergereicht, zum Beispiel an Hedge-Fonds.

DAS INVESTMENT.com: Und wie sieht es in Deutschland aus?

Weinberger: Hierzulande gibt es genügend Unternehmen, die von der US-Krise kaum betroffen sind. Dazu zählen zum Beispiel die Maschinenbauer. Solange die Folgen der Subprime-Krise auf die US-Wirtschaft begrenzt bleiben, dürfte das für deutsche Werte nicht so tragisch sein. Der Dax dürfte seine Rekordstände am Jahresende wieder erreichen.

DAS INVESTMENT.com: Das EZB-Ratsmitglied Marko Kranjec erklärte in einem Interview mit der „Financial Times Deutschland“, dass der jüngste Kursrutsch an der Börse die Erholung der Konsumnachfrage in der Euro-Zone gefährde. Teilen Sie diese Meinung?

Weinberger: Nein. Einen Konsumrückgang in Europa aufgrund der jüngsten Aktienmarktabschwünge erwarte ich nicht. Der Dax liegt seit Jahresbeginn immer noch deutlich im Plus. Außerdem ist der Investitionsgrad in Aktien hierzulande sehr gering. Ein besserer Gradmesser für das Konsumentenvertrauen ist die Arbeitslosigkeit. Sie liegt derzeit auf dem niedrigsten Stand seit mehreren Jahren. Daher dürften heimische Konsumtitel in den nächsten Monaten wieder Tritt fassen.

DAS INVESTMENT.com: Gibt es Anlagen, die von der derzeitigen Krise in den USA profitieren?

Weinberger: Nach den weltweiten Geldmengensteigerungen der vorigen Jahre ist mittel- bis langfristig mit wachsender Inflation zu rechnen. Das ist langfristig gut für Sachwerte wie Gold. Auch Immobilien sind in Regionen wie Deutschland und Japan derzeit eine gute Geldanlage. In den USA hingegen sind viele Immobilien kreditfinanziert. Das ist bei steigenden Zinsen gefährlich. Die steigenden Zinsen führen auch dazu, dass die Aussichten für Anleihen weiterhin mau sind.