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„US-Notenbank-Entscheidung ist konsequent“

Stefan Höhne, AmpegaGerling
Stefan Höhne, AmpegaGerling
DAS INVESTMENT: US-Notenbankchef Ben Bernanke hat angekündigt, das Anleihen-Kaufprogramm der Fed (QE3) werde gedrosselt, wenn sich der Arbeitsmarkt weiterhin so verbessere wie erwartet. Wie bewerten Sie diesen Schritt?

Stefan Höhne: Ich sehe diese Entscheidung positiv und halte sie für konsequent. Es ist ein Schritt zur Normalität. Der Markt wurde ja bereits seit Wochen darauf vorbereitet beziehungsweise eventuell sogar explizit getestet und hat entsprechend nervös in vielen Anlageklassen reagiert.

Die jetzigen Ankündigungen waren teilweise schwammig formuliert, wie man dies von Bernanke kennt. Es geht in erster Linie ja auch um eine flexible Drosselung, nicht um einen Adhoc-Ausstieg. Die Unsicherheit über die zukünftige zeitliche Umsetzung und den Umfang der geldpolitischen Maßnahmen bleibt in den nächsten Monaten bestehen.

DAS INVESTMENT: Aktien- und Rentenmärkte reagierten verschreckt. US-Standardtitel gingen in die Knie, auch die US-Kapitalmarktzinsen zogen weiter an. Beruhigt man so die Märkte?

Höhne:
Beruhigend finde ich zunächst, dass viele Marktteilnehmer die Risiken der jeweiligen Anlageklassen in den Zeiten des billigen Geldes auch wahrnehmen. Letztlich sind insbesondere Segmente wie Hochzinsanleihen oder Schwellenländeranleihen stark unter Druck geraten. Diese haben in den letzten Monaten überproportional von der riesigen Liquiditätsschwemme profitiert. Einige Bewertungen waren letztendlich auch nicht mehr fundamental gerechtfertigt – die Notenbanken hatten die Preise verzerrt.

DAS INVESTMENT: Wenigstens sollen die Leitzinsen in Nordamerika noch bis 2015 auf dem derzeit tiefen Niveau bleiben. Kann dies die Anleger milde stimmen?

Höhne:
Wir gehen davon aus, dass der globale Liquiditätsüberschuss an den Märkten auch weiterhin auf die Renditen und Risikoaufschläge drücken wird. Absolute Renditen haben sich in den letzten Wochen zwar graduell von den Tiefständen erhöht, jedoch sollte die Volatilität an den Märkten weiterhin anhalten.

DAS INVESTMENT: Bernanke ist offenbar ein Notenbankchef auf Abruf. US-Präsident Barack Obama hat unmissverständlich angedeutet, dass Bernankes Amtszeit im Januar 2014 enden dürfte. Als Favoritin für die Nachfolge gilt Janet Yellen, derzeit die Stellvertreterin Bernankes. Sehen Sie Konsequenzen, wenn es zu einem Führungswechsel kommt?

Höhne: Nein, denn auch sie steht für eine eher pragmatische und flexible Geldpolitik. Auch Janet Yellen würde sicherlich bei Bedarf die Notenpresse anwerfen. In dieser Position kann man es sowieso nie allen Marktteilnehmern recht machen.

DAS INVESTMENT:
Entscheidungen der US-Notenbank wirken sich weltweit aus. Werden die Renditen am Kapitalmarkt nun auf breiter Front steigen, haben wir die Zinswende gesehen?

Höhne:
Wir sehen keine nachhaltigen Zinssteigerungen auf breiter Front. Die Zinsen sollten vorerst weiterhin absolut auf niedrigem Niveau bleiben. Dafür sorgen neben den Zentralbanken auch die regulatorischen Anforderungen für bestimmte Investorengruppen. Jedoch sehen wir weiterhin eine entsprechende Volatilität in den Kursen.

DAS INVESTMENT: Welche Segmente sehen Sie besonders betroffen – Nordamerika, Europa, die Schwellenländer oder Unternehmensanleihen?

Höhne: Neben den niedrigen Wachstums- und Inflationszahlen in den Industriestaaten werden sowohl regulatorische Anforderungen als auch die Aktivitäten der Notenbanken die jeweiligen Fixed Income Segmente weiterhin stark beeinflussen. Das sorgt für entsprechende temporäre Volatilität. Ebenso sollten Schwellenländer weiterhin der globale Wachstumstreiber bleiben.

DAS INVESTMENT: Wie sollten sich Rentenfondsanleger jetzt positionieren? Gibt es Argumente für einen Einstieg in den Anleihemarkt – und zu welchem Zeitpunkt sollte dieser gegebenenfalls erfolgen?

Höhne:
Diese Frage ist abhängig vom jeweiligen Risikoprofil und Anlagehorizont des Anlegers individuell zu beantworten. Wir haben ja in den letzten Wochen gesehen, dass insbesondere die stark liquiditätsgetriebenen Segmente wie Hochzinsanleihen oder Schwellenländer keine Einbahnstraße sind. Man sollte sich als Investor auch von dem Gedanken lösen, immer den optimalen Einstiegszeitpunkt erwischen zu können.

Die Investoren, die mittelfristig bereits im High Yield Bereich investiert waren, werden über die aktuellen Kursrücksetzer nur müde lächeln. Im mittleren Laufzeitensegment sind wir für die Fixed Income Segmente Senior Bankanleihen, Industrieanleihen und Pfandbriefe weiter positiv gestimmt. Außerdem sehen wir im Crossover-Segment (BB-Rating) selektiv langfristig Potenzial.


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