Federal Reserve in Washington Foto: IMAGO Images / Xinhua

Bantleon-Chefvolkswirt kommentiert Notenbank-Sitzung

Fed sieht sich für Inflationssprung gewappnet

Die Fed hat in ihrem neuen Statement erwartungsgemäß ein freundlicheres Bild der Wirtschaft gezeichnet als im März. Die Indikatoren zur wirtschaftlichen Aktivität und zur Beschäftigung hätten sich in den vergangenen Wochen verbessert. Auch die von der Pandemie am stärksten betroffenen Sektoren würden Fortschritte erkennen lassen. Beim Ausblick ist nur noch von „Risiken“ statt „beträchtlichen Risiken“ die Rede.

Die sogenannte Forward Guidance wurde vollkommen unverändert belassen. Insbesondere bekräftigte die Fed, dass sie ihre Wertpapierkäufe im aktuellen Umfang fortführt, bis „substanzielle Fortschritte bei der Erreichung des Beschäftigungs- und Inflationsziels“ erzielt sind.

Die zentrale Botschaft von Notenbankpräsident Jerome Powell war, dass es deutlich zu früh sei, um über eine Rückführung der Wertpapierkäufe zu sprechen. Aus seiner Sicht sei die Fed noch ein gutes Stück von ihren Zielen entfernt und es würde immer noch eine Zeit lang dauern, bis substanzielle Fortschritte am Arbeitsmarkt und bei der Inflation erkennbar sind. Auf Nachfrage präzisierte er, dass sich die Währungshüter weitere Arbeitsmarktberichte wie im März (Stellensaldo +916.000)  wünschen würden.

Das von einigen Analysten erwartete erste Indiz auf ein baldiges Tapering, also das Zudrehen des Geldhahns, blieb Powell somit schuldig. Er wiederholte auch nicht seine jüngste Aussage, wonach sich die US-Wirtschaft am Wendepunkt zu einer kräftigen Erholung befinde.

Ein weiterer Punkt, der Powell wichtig war, ist die Interpretation der künftigen Inflationszahlen. Die Fed sei gewappnet, dass die Teuerungsraten in den nächsten Monaten deutlich über 2 Prozent ansteigen werden. Darin sehen die Währungshüter aber nur ein temporäres Phänomen. Der Sprung in der Inflation resultiere aus Basiseffekten, vorübergehenden Angebotsengpässen und sei generell Folge der Wiederöffnung der Wirtschaft. Eine nachhaltige Reflationierung würde sich darin aller Voraussicht nach nicht widerspiegeln. Sollte die Teuerung wieder erwarten doch dynamischer und dauerhafter zulegen, stehe die Fed bereit, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Unsere Einschätzung und unser Ausblick:

Alles in allem war es absehbar, dass Powell die Tapering-Debatte noch hinauszögern will. Ein guter Arbeitsmarktbericht und ein paar kräftige Anstiege in den Aktivitätsdaten sind in der Tat noch zu wenige Indizien für einen nachhaltigen kräftigen Aufschwung. Außerdem fehlen immer noch über 8 Millionen Stellen, bis die Beschäftigtenzahl wieder auf dem Vorkrisenniveau liegt. Dennoch hat der Notenbankpräsident auch keinen Zweifel daran gelassen, dass die Fed bei einer günstigen Entwicklung in den nächsten Monaten das Tapering in die Wege leitet.

Wir gehen davon aus, dass die US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen kräftig wächst und bis Anfang 2022 die Arbeitslosenquote wieder in Richtung 3,5 Prozent fällt. Die erforderlichen Belege für die Arbeitsmarkterholung sind daher absehbar. Bereits auf der Juni-Sitzung wird Powell klarer Farbe bekennen müssen. Die Formulierung, „es wird noch eine Weile dauern, bis substanzielle Fortschritte erkennbar sind“, dürften die Währungshüter dann weglassen. Spätestens im Herbst sollte der konkrete Hinweis auf das baldige Tapering folgen. Ende 2021 beziehungsweise Anfang 2022 wird die die Notenbank unserer Meinung nach mit der Rückführung der Wertpapierkäufe beginnen.

2022 sollte sich dann auch zeigen, dass die Inflation für längere Zeit über 2 Prozent verharrt. Damit wäre wiederum die Basis für Leitzinsanhebungen im Jahr 2023 gelegt.

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