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US-Ökonomen widersprechen Wolfgang Schäuble Draghi hat durchaus noch Mittel

Mario Draghi. Foto: Getty Images
Mario Draghi. Foto: Getty Images
Ökonomen wie Malcolm Barr und Greg Fuzesi bei JPMorgan Chase & Co. halten es für möglich, dass EZB-Präsident Mario Draghi weiterhin eine quantitative Lockerung ansteuert, um die ins Stottern geratene Euroraum-Wirtschaft anzuschieben.

“Wir glauben, dass Draghi dem EZB-Rat vorgreift, um ihn zu mehr Stützungsmaßnahmen zu drängen”, schrieb Fuzesi in der vergangenen Woche. “Die Bundesbank wird wohl kaum ihre fundamentalen Bedenken zu Moral Hazard aufgeben.”

Zwar sehen die Ökonomen von JPMorgan für Staatsanleihenkäufe in diesem Jahr nur eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent und im nächsten Jahr von 50 Prozent. Aber sie schreiben ihnen Vorteile zu, die deutsche Verantwortungsträger ablehnen. So schrieben Barr und Fuzesi in einer Studie vom 29. August:

-- Bondkäufe würden dazu beitragen, die Inflationserwartungen in der Region zu untermauern.

-- Während die Renditen deutscher Bundesanleihen wohl kaum noch sehr viel weiter sinken können, würden Bondkäufe die Fremdkapitalkosten in Peripherieländern wie Spanien senken und die Preise anderer Vermögenswerte wie Aktien und Unternehmensanleihen anschieben.

-- Wenn QE Märkte öffnet als Finanzierungsquelle für große Unternehmen, dann würde dies eine Freisetzung von Bankkrediten und des Unternehmensanleihemarktes für kleinere Unternehmen bewirken.

-- QE sollte den Wert der Bankenpositionen an Staatsanleihen erhöhen und ihre Fähigkeit, Eigenkapital zu beschaffen, was zu einer weiteren Erholung der Bilanzen beitragen würde.

-- Die zusätzliche Liquidität sollte den Euro schwächen und Exporteuren helfen.

Schäuble findet keines der Argumente überzeugend.

“Die Geldpolitik ist am Ende ihrer Instrumente angelangt”, sagte der 71-jährige Bundesfinanzminister in der vergangenen Woche in einem Interview mit Bloomberg Television.

Es gibt sicherlich Grund zur Vorsicht - ansonsten hätte die EZB wohl schon vor langer Zeit auf den QE-Knopf gedrückt, wie die Federal Reserve und die Bank of England. Europa hat keinen einheitlichen Bondmarkt, hinzu kommen logistische Hürden und politische Querelen.

Des Weiteren befinden sich die Staatsanleihe-Renditen bereits auf Rekordtiefs, was signalisiert, dass dort weniger zu holen ist. Außerdem nutzt die Region mehr Bankkredite und weniger die Finanzmärkte, was das Potenzial begrenzt. Aktivakäufe würden zudem Gefahr laufen, für die Regierungen den Reformdruck zu verringern.

Außerdem hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der zuvor wichtigster Wirtschaftsberater von Merkel war, wiederholt vor den Gefahren von Aktivakäufen gewarnt.

Vor diesem Hintergrund dürfte Draghi, der wegen nachlassender Inflationserwartungen und der Deflationsgefahr besorgt ist, seinen Kampf mit Europas wirtschaftlichem und politischem Schwergewicht wieder aufnehmen. “Wir sind bereit, unseren geldpolitischen Kurs weiter anzupassen”, sagte Draghi. Der EZB-Rat tagt in dieser Woche.

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