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Die Belastungen für die Bürger müssen weg: Im Wahlkampf erleichtert Donald Trump US-Amerikaner bildlich um 40 Jahre regulatorischer Bürden.  | © imago images / ZUMA Wire Foto: imago images / ZUMA Wire

US-Präsidentschaftswahl

Trumps Kampf um die Wiederwahl verstärkt Verunsicherung an den Märkten

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International

Die schwere Rezession, die von der Covid-19-Pandemie verursacht wurde, hat US-Präsident Donald Trump einen Strich durch die Rechnung gemacht: Ursprünglich sollte die starke Konjunktur seinen Wahlkampf beflügeln. Jetzt, da die Wirtschaft am Boden liegt, schmelzen seine Chancen auf die Wiederwahl dahin.

Nur ein US-Präsident wurde je wiedergewählt, wenn es in den 24 Monaten vor dem Wahltag eine Rezession gab, und das war 1924. Wenn die Präsidentschaft an die Demokraten geht, ist es zudem wahrscheinlicher, dass auch der Senat mehrheitlich demokratisch wird, wodurch die heutige Oppositionspartei die Kontrolle über die Legislative und die Exekutive hätte.

Umso verbissener dürfte Trump nun um seine Wiederwahl kämpfen. Doch die Rezession ist nicht die einzige Hürde. Die Pandemie ist noch lange nicht bezwungen, 130.000 Amerikaner sind offiziell schon an Covid-19 gestorben. Hinzu kommt die Anti-Rassismus-Bewegung, die in diesem Jahr allem Anschein nach einen Kipppunkt erreicht hat und die Trump klar als Gegner sieht.

Der so unternehmensfreundlich gestimmte Trump könnte nun zum Problem für die Märkte werden. Denn je enger es für Trump wird, desto unberechenbarer wird sein Verhalten, und die Märkte hassen Überraschungen.

Seit ich im März über die Auswirkungen der Pandemie auf die US-Präsidentschaftswahlen geschrieben habe, hat sich viel verändert. Inzwischen ist klar, dass der Demokrat Joe Biden gegen Trump antreten wird. Er ist für die Märkte das kleinere Übel im Vergleich zu den ausgeschiedenen Kandidaten Bernie Sanders oder Elizabeth Warren, von denen radikale Eingriffe in die Wirtschaft zu erwarten gewesen wären.

Außerdem ist seitdem klar geworden, dass die USA – eines der reichsten Länder der Welt – bisher daran gescheitert sind, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Um seine Wiederwahl dennoch zu sichern, wird Trump meiner Einschätzung nach eine zweigleisige Strategie fahren. Zum einen wird er versuchen, die Aufmerksamkeit der Wähler von Pandemie und Protesten auf China zu lenken, seinem Sündenbock für Covid-19. Und er wird um jeden Preis versuchen, die Wirtschaft bis zur Wahl im November wieder in Gang zu bringen.

Schritt 1: Den Handelskonflikt mit China eskalieren

Viele Anleger dachten Anfang 2020, dass die größten Probleme zwischen den USA und China gelöst seien, nachdem die beiden Länder ihren Phase-1-Deal unterschrieben hatten. Trump wollte mit dem Abkommen im Wahljahr negative Auswirkungen durch den Handelskonflikt vermeiden, doch mit der Pandemie ist die Situation nun eine andere.

Meinungsumfragen zeigen, dass die meisten Amerikaner China die Schuld für die Pandemie geben, wodurch Trump einen idealen Sündenbock hat. In Reden nennt er die Krankheit immer wieder die „Chinaplage“, während der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer amerikanische Unternehmen drängt, ihre Lieferketten künftig ohne China zu planen.

Die Strategie scheint zu funktionieren: Die Meinung der Amerikaner zu China wird immer schlechter. Die Beziehung zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt dürfte mittelfristig noch schlechter werden.

Schritt 2: Die Konjunktur mit allen Mitteln ankurbeln

Darüber hinaus wird Trump versuchen, die Wirtschaft bis November wieder auf Hochglanz zu polieren. Das scheint mir der Hauptbeweggrund dafür, dass die US-Regierung große Teile der Wirtschaft wieder geöffnet hat, bevor das Virus stärker eingedämmt war. Der Schuss scheint bereits nach hinten loszugehen. Einzelne Regionen haben schon wieder neue Einschränkungen eingeführt, und die offizielle Zahl der täglichen Neuinfektionen ist höher denn je.

Trump profitiert indes enorm von der Fed, die der quantitativen Lockerung kaum noch Grenzen setzt und ihren Leitzins noch bis mindestens 2022 bei null belassen will. Die Notenbank scheint außerdem für eine Erholung des Arbeitsmarkts auch eine mögliche Verschärfung von Preisblasen am Kapitalmarkt in Kauf zu nehmen. Gleichzeitig dreht der Staat den Geldhahn so weit auf wie nie zuvor. Einige Arbeitnehmer erhalten sogar mehr Geld aus der Arbeitslosenversicherung, als sie in ihrem Job an Lohn erhalten würden.

Konjunkturausblick bleibt unklar

Viele Teile der US-Wirtschaft haben sich tatsächlich schon deutlich erholt. Der ISM-Einkaufsmanagerindex des nicht-verarbeitenden Gewerbes stieg um Juni auf 57,1 Punkte nach 45,4 im Vormonat. Ein Wert über 50 signalisiert ein positives Wachstum in der Dienstleistungsbranche.

Der Häusermarktindex der National Association of Home Builders stieg im Juni um 21 Punkte auf 58 und damit so stark wie nie. Von März bis April war er von 72 auf 30 Punkte gefallen. Die Zahl der Anträge für Häuserkredite sind schon wieder auf dem Vorkrisen-Höhepunkt angelangt.

Die Autoumsätze liegen zwar noch unter dem Vorjahresniveau, sind von April bis Mai aber schon wieder um 42 Prozent gestiegen. Die Industrie erholt sich ebenfalls, der Tourismus jedoch hat noch einen weiten Weg vor sich. Dennoch machen die aktuellen Prognosen Hoffnung, dass das reale BIP im dritten Quartal um über 20 Prozent steigen wird. Man rechnet damit, dass rund drei Viertel der verlorenen Jobs schnell wieder zurückkehren können. Viele Branchen gehen jedoch von einem dauerhaften Stellenabbau aus.

Es bestehen indes auch große Risiken. Viele Hilfen für Verbraucher laufen Ende Juli aus, und bisher betont das Weiße Haus, dass man die Maßnahmen nicht verlängern werde. Das könnte sich – je nach Situation am Arbeitsmarkt – merklich auf die Konsumlaune auswirken. Die Verunsicherung bleibt.

Die Märkte reagieren zwar positiv auf das riesige amerikanische Konjunkturprogramm. Doch Anleger sollten sich klar darüber sein, dass Trumps Ziele nicht ihre sind. Für Trump dreht sich alles um die Wiederwahl im November; die meisten Anleger denken deutlich langfristiger. Trump hat ein Pflaster auf die Wunde in der amerikanischen Wirtschaft geklebt. Ob diese auch heilt, wird sich erst zeigen müssen.

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