US-Steuerreform sorgt für Performance-Unterschiede Können Aktien auch steigen, ohne teurer zu werden?

Thomas Lehr und Philipp Vorndran (v.l.): Bei der Diskussion um die Entwicklung von US-Indizes und ihren europäischen Pendants werden – leider – Äpfel mit Birnen verglichen. | © Flossbach von Storch

Thomas Lehr und Philipp Vorndran (v.l.): Bei der Diskussion um die Entwicklung von US-Indizes und ihren europäischen Pendants werden – leider – Äpfel mit Birnen verglichen. Foto: Flossbach von Storch

Sie kennen die Diskussion mindestens so gut wie wir: USA oder Europa? Eine Frage, die auch Journalisten immer wieder und besonders gerne stellen. Die Conclusio ist dann meist die gleiche, nämlich dass amerikanische Aktien sehr teuer, europäische dagegen deutlich günstiger seien, ergo die heimischen Unternehmen künftig noch großes Aufholpotenzial hätten. So viel zu dieser leidigen Diskussion. Mal davon abgesehen, dass Investoren unseres Erachtens niemals zuerst in Märkten, sondern vor allem in Unternehmen denken sollten, ist diese Einschätzung schlicht falsch!

Schauen Sie auf die US-Tech-Werte

Erlauben Sie uns dazu einige Anmerkungen. Im Grunde entwickeln sich die US-Indizes nicht erst seit Jahresanfang besser als ihre europäischen Pendants, sondern schon deutlich länger. Dafür gibt es verschiedene Gründe, der erste ist struktureller Natur: In den USA verzerren die Tech-Giganten die Indexnotierungen überproportional stark. Ihre deutlichen Kurszuwächse ziehen die großen Indizes mit nach oben. In Europa jedoch gibt es keine Unternehmen, die vergleichbar mit den US-Riesen wären. Andersherum: Nähme man die großen Tech-Werte heraus aus den US-Indizes, fiele das Kursplus bei den Indizes auch deutlich kleiner aus. Das „gewöhnliche“ US-Unternehmen ist also gar nicht so viel teurer als sein „gewöhnlicher“ Konkurrent aus Europa, wenn überhaupt. Meist werden jedoch Äpfel mit Birnen verglichen.

Steuerreform wirkt wie ein Turbo

Aber es gibt noch einen weiteren Grund: Die Steuerreform der US-Regierung. Sie erklärt die aktuellen Performance-Unterschiede und ist aus Investorensicht derzeit der deutlich wichtigere Faktor. Die Steuerreform wirkt, das lässt sich unseres Erachtens mittlerweile absehen, wie ein gewaltiges Konjunkturprogramm für die US-Unternehmen. Allein im ersten Quartal fielen deren Gewinne im Schnitt um rund 25 Prozent höher aus als im Vorjahreszeitraum. Auch im zweiten Quartal beträgt das durchschnittliche Gewinnplus mehr als 20 Prozent.

Wirklich nur ein kurzfristiger Aspekt?

Der ein oder andere mag einwenden, es handele sich um einen kurzfristigen Effekt, der irgendwann verpuffen würde. Wir sehen das anders. An den Steuersätzen wird sich schließlich nichts ändern – zumindest vorerst nicht. Der Steuervorteil im Vergleich zu den Mitbewerbern bleibt also aus Sicht der US-Unternehmen zunächst ein Wettbewerbsvorteil.

Aktien können auch steigen, ohne teurer zu werden

Für US-Aktien bedeutet das, dass die Kurse seit Anfang des Jahres zwar deutlich geklettert, die Bewertungen jedoch gefallen sind. Anders ausgedrückt: Aktien können auch steigen, ohne teurer zu werden. Genau das ist in den USA zuletzt passiert. Der lapidare Verweis auf die neuerlichen Höchststände – der zumeist nichts anderes bewirken soll, als potenzielle Investoren zu verunsichern – kann also in die Irre führen. Dann nämlich, wenn die Unternehmensgewinne stärker zulegen als die Aktienkurse der betreffenden Unternehmen.

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