Tipps vom Unternehmensanalysten US-Wahl ist entschieden – diese Branchen profitieren

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Auch Bidens Ankündigungen, eine Preisgrenze für Pharmaprodukte mittelfristig einführen zu wollen, ist in der Praxis wohl kaum durchsetzbar. Dennoch wird sich der künftige Präsident für eine bessere Gesundheitsversorgung einsetzen, was für die Branche grundsätzlich positiv zu werten ist. Hinzu kommen fundamentale Themen wie Corona-Impfstoffe und -Medikamente sowie die allgemeine Weiterentwicklung von Wirkstoffen zur Behandlung beispielsweise der verschiedenen Krebsarten. Nach wie vor nicht zu vernachlässigen ist der anhaltende Trend einer alternden Bevölkerung.

Tech-Branche

Die Kurse der amerikanischen FAANG-Aktien und Co. kennen seit Jahren nur eine Richtung: aufwärts. Seit Trumps Amtsantritt haben die größten Tech-Firmen ihren Wert mehr als verdreifacht. Nicht zuletzt deswegen, weil die republikanische Regierung die Steuer für Unternehmen von mehr als 30 Prozent auf 21 Prozent gesenkt hat.

Die Branche hätte einiges zu verlieren, sollten Regulierungen in irgendeiner Form auf sie zukommen. Auch wenn der Druck auf die großen Tech-Konzerne zunimmt, dürfte es zu keinen harten Regulierungen kommen. Biden ist sich bewusst, dass die USA mit seinen dominierenden Tech-Konzernen gegenüber China seine industrielle Verteidigungsfähigkeit behält. Auch die künftige Vize-Präsidentin Kamala Harris hat schon verlauten lassen, dass es nicht das Ziel sei, BigTech zu regulieren. Die Rallye dürfte weitergehen.

Insgesamt dürften die Vereinigten Staaten auch unter Biden ihre protektionistische Politik weiter vorantreiben. Die Deutschen werden sich nach wie vor mit kritischen Themen wie Nord Stream 2 und dem Defizit für die Ausgaben für Verteidigung auseinander setzen müssen - der Ton wird ein anderer sein, aber trotzdem werden die Amerikaner weiter Druck ausüben. Auch der Druck auf China durch die USA wird anhalten, tendenziell sogar steigen, da Biden auf eine Zusammenarbeit mit den westlichen Demokratien pochen wird. Er wird Europa miteinbeziehen, wodurch die geopolitische Situation für Europa aufgewertet wird.

Trotzdem muss Anlegern nach wie vor bewusst sein, dass auf Bidens Prioritätenlisten der Wirtschaftswideraufbau der USA steht. Unter dem Strich ist der Sieg der Demokraten aus Sicht der Finanzmärkte eher positiv zu sehen. Allerdings sollte man die Korrelation zwischen dem Ausgang der Wahl und die möglichen Entwicklungen der Aktienmärkte nicht überbewerten. Es gilt nach wie vor, dass politische Börsen kurze Beine haben. Entscheidender dürften der weitere Verlauf der Virus-Pandemie und der Kurs der amerikanischen Zentralbank Fed sowie der EZB sein.


Über den Autor:
Samuel Kärcher ist bei der bei der Vermögensverwaltung Eberhardt & Cie. als Unternehmensanalyst tätig. Gleichzeitig arbeitet er an einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema die „Implementierung von ESG-Kriterien bei chinesischen Aktiengesellschaften“.

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