„US-Wahl reicht nur für ein Strohfeuer“

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Der Wahlmarathon in den USA hat ein Ende – Barack Obama ist neuer Präsident der USA. Was das für die Börsen bedeutet und wie er sich mit dem Uni Nordamerika auf diesen Wahlsieg eingestellt hat, erläutert Fondsmanager Jörg Boysen im Gespräch mit DAS INVESTMENT.com. 

DAS INVESTMENT.com
: Hat Sie das Wahlergebnis überrascht?

Jörg Boysen
: Ehrlich gesagt, nein. Aus meiner Sicht war der Wahlsieg Obamas abzusehen. 

DAS INVESTMENT.com
: Inwieweit war das Wahlergebnis bereits in den Aktienkursen eingepreist?

Boysen
: Ich schätze, die Börse hat den Wahlsieg schon teilweise vorweggenommen. Mit einem Tagesplus von über vier Prozent hat der S&P 500-Index im Vergleich zu den Wahltagen der letzten 24 Jahre am stärksten zugelegt.

DAS INVESTMENT.com
: Für welche Branchen wird ein besonders großer Impuls durch Obama erwartet, welche hätten von Mc Cain stärker profitiert? 

Boysen
: Für die Rüstungs- und Sicherheitsindustrie wurde mehr Potenzial unter Mc Cain erwartet, ich teile diese Meinung aber nur bedingt: Auch unter Obama wird der Verteidigungshaushalt wohl frühestens 2010 deutlich reduziert, insofern dürfte ein ‚Wahleffekt’ eher langfristiger Natur sein. Schwierig ist der Effekt auch im Gesundheitswesen abzuschätzen: Dort ist derzeit noch unklar, inwieweit zum Beispiel Krankenkassen von einer möglichen Gesundheitsreform unter Obama betroffen wären, indem sie etwa Versicherte aufnehmen müssten, die wenig zahlen, aber viel kosten. 

DAS INVESTMENT.com
: Was ist mit der Umwelttechnologie, die ja eher als Profiteur einer Obama-Regierung gilt? 

Boysen
: Auch Mc Cain hat sich durchaus einen grünen Anstrich gegeben, allerdings schätze ich, dass positive Effekte auf die Branche stärker von Obama zu erwarten wären. 

DAS INVESTMENT.com
. Inwieweit haben Sie das Portfolio des Uni Nordamerika denn generell auf die Wahlen ausgerichtet? 

Boysen
: Gar nicht. Wir erwarten von der Wahl lediglich ein kurzes Strohfeuer an den Börsen, bevor der Markt wieder zur vorerst wohl weiter trüben Normalität zurückkehrt. Insofern haben wir uns nicht auf bestimmte Branchen festgelegt, die besonders von Obama oder Mc Cain profitiert hätten. Das wäre auch schwierig gewesen, weil sich die Effekte auf bestimmte Branchen unseres Erachtens nicht eindeutig festlegen lassen. 

DAS INVESTMENT.com
: Die Deutsche Bank hat vor rund einem Jahr zwei Zertifikate auf die Präsidentschaftskandidaten herausgegeben, die einen Basket von zehn jeweils aussichtsreichen Aktien enthalten. Sie halten sechs der zehn Republikaner-Aktien, aber keinen der Titel aus dem Demokraten-Basket. Dennoch sagen Sie, das Portfolio ist wahlneutral? 

Boysen
: Bei den Demokraten-Papieren handelt es sich fast durchweg um kleine Titel, etwa aus dem Umweltbereich. Und wie gesagt, die halte ich derzeit aufgrund ihrer geringen Kapitalisierung im aktuellen Marktumfeld für zu risikoreich – auch unter Obama. 

DAS INVESTMENT.com
: Wie haben Sie sich denn für die kommenden Monate positioniert? 

Boysen
: Alles was geraucht, gegessen und getrunken wird, wird unabhängig von der Wirtschaftslage nachgefragt. Basiskonsumgüter halten wir daher für krisenstabil, während wir Unternehmen aus den Bereichen Mode, Elektronik meiden. Auch um Autohersteller machen wir derzeit einen Bogen. Angesichts der trüben Marktlage stehen derzeit auch die Unternehmensdaten wieder stärker im Vordergrund als sonst. Was zählt, sind saubere Bilanzen, hohe Liquidität, geringe Verschuldung und hohe Dividendenrenditen. 

DAS INVESTMENT.com: Wie lautet Ihre Prognose für den US-Markt?


Boysen
: Eine realwirtschaftliche Erholung ist leider wohl frühestens Ende 2009 zu erwarten, daran wird auch Obama nichts ändern können.

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