US-Demokrat Joe Biden: Derzeit deutet vieles darauf hin, dass er gegen Amtsinhaber Donald Trump gewinnt. | © imago images / ZUMA Wire / John J. Kim Foto: imago images / ZUMA Wire / John J. Kim

US-Wahlen stehen vor der Tür

Was Joe Biden für Anleger bedeuten würde

An den Wettbörsen ist die Wahrscheinlichkeit, dass Präsident Donald Trump wiedergewählt wird, nach dem Ausbruch der Corona-Krise in den USA auf den tiefsten Wert seit Mitte 2019 gefallen. Obwohl die Wahl erst in vier Monaten stattfindet, dürfen sich die Demokraten angesichts der aktuellen Zahlen berechtigte Hoffnungen machen, zum ersten Mal seit 2008 wieder den Präsidenten zu stellen und gleichzeitig die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses zu haben.

Strategien zur Verringerung des Abstands: Stimulierungsmaßnahmen

Da die offizielle Wahlkampagne erst vor kurzem begonnen hat, wird der US-Präsident die Wirtschaftserholung zu einem der Hauptthemen machen müssen, um seine (zugegebenermaßen) treuen Stammwähler im November zu überzeugen. Nach der Lockerung der Lockdowns im Mai geht es mit der Wirtschaft in den USA – wie in China und in Europa nach dem Lockdown – wieder aufwärts. Allerdings gefährdet der erneute Anstieg der Fallzahlen in Schlüsselstaaten wie Texas, Arizona und Florida diese Erholung.

Die Anleger sollten sich bewusst sein, dass sowohl die US-Notenbank Fed als auch das Finanzministerium beträchtliche Mittel in Reserve halten, sollte die Wirtschaft erneut ins Wanken geraten. Obwohl die Fed lautstark auf die neuen Liquiditätsfazilitäten hinweist, die sie seit März 2020 bereitstellt, hat sie bisher noch nicht viel von ihrem Pulver verschossen. Fed-Chef Jerome Powell hat stattdessen stärker auf traditionelle Maßnahmen gesetzt: Er hat US-Staatsanleihen und Mortgage-backed Securities im Umfang von nahezu 3 Billionen US-Dollar gekauft und darauf hingewiesen, dass sich die Fed bereithält, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Dies bedeutet, dass im Rahmen dieser neuen Liquiditätsfazilitäten noch ungefähr so viel Geld zur Verfügung steht, wie die Fed eingesetzt hat, um den Schock für die Wirtschaft abzufedern, der durch die Corona-bedingten Lockdowns im März verursacht wurde.

Geopolitischer Konflikt

Da der US-Präsident in den Umfragen deutlich zurückliegt, besteht die Gefahr, dass er einen internationalen Konflikt vom Zaun brechen wird, um zu Hause Wähler zu gewinnen. Das Fundament dafür hat die US-Regierung bereits gelegt, indem sie China den Zugang zu Spitzentechnologie erschwert. Hier sei daran erinnert, dass US-Unternehmen, welche den 5G-Riesen Huawei mit Zulieferprodukten versorgen möchten, auch weiterhin eine Lizenz einholen müssen.

Mehr zum Thema
US-PräsidentschaftswahlTrumps Kampf um die Wiederwahl verstärkt Verunsicherung an den MärktenAus dem Blickwinkel des Profi-AnlegersIst die Abwahl von Trump wünschenswert?Börsenexperte Robert HalverPräsidentschaftswahl in den USA: Was wäre, wenn…?