US-Wirtschaft: „Von einer fiskalischen Klippe kann nicht gesprochen werden“

Andreas Busch vom Anleihemanager Bantleon

Andreas Busch vom Anleihemanager Bantleon

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Die USA sind zwar bislang nicht über die Fiskalklippe gestürzt, aber jetzt gibt es neue Ausgabenkürzungen. Mit welchen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft ist zu rechnen?

Andreas Busch: Die Steuer- und Abgabenerhöhungen vom Jahresanfang wurden bislang recht gut verkraftet. Noch ist zwar nicht ganz klar, wie stark der private Konsum dadurch im 1. Quartal belastet wird. Einen deutlichen Einbruch – wie er zunächst zu befürchten war – wird es aber wohl nicht geben.

Die nun hinzukommenden 64 Milliarden US-Dollar an staatlichen Ausgabenkürzungen, die quer über alle Budgets hinweg eingespart werden müssen, dürften ebenfalls nur wenige Bremsspuren hinterlassen. Zum einen werden die Kürzungen erst nach und nach umgesetzt – von einer neuen fiskalischen Klippe kann deshalb nicht gesprochen werden. Zum anderen konnten sich Unternehmen und Verbraucher seit geraumer Zeit auf den Tag X einstellen. Wie die robusten Einkaufsmanager- und Verbrauchervertrauensumfragen zeigen, ist die Wirtschaft offensichtlich gewappnet, auch dieses Problem zu meistern.

Die zentralen Probleme der ausufernden Staatsverschuldung bleiben allerdings ungelöst. So haben die USA ihr bisheriges Ziel der Schuldenstabilisierung nicht erreicht. Statt um 4.000 Milliarden US-Dollar wird der Fehlbetrag nur um 1.800 Milliarden US-Dollar reduziert. Zudem werden die ausufernden Gesundheitskosten nicht in Angriff genommen.

Langfristig droht der Schuldenstand der USA auf mehr als 250 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu steigen. Mittelfristig werden auch die USA ihren Haushalt mit deutlichen Sparmaßnahmen entlasten müssen. Das bedeutet, dass die Haushaltskonsolidierung das Wirtschaftswachstum der USA längere Zeit dämpfen wird.

Schieferöl wird als neues Heilmittel für die US-Wirtschaft bezeichnet. Was halten Sie davon?

Busch: Die internationale Energieagentur geht davon aus, dass sich die USA in den nächsten Jahrzehnten mit der verstärkten Schieferöl-Förderung vom Energieimporteur zum Energieexporteur wandeln wird. Tatsächlich dürften die dann sinkenden Energiekosten die reale Kaufkraft der Verbraucher steigern und auch die Produktion energieintensiver Produkte anregen. Das Wirtschaftswachstum sollte entsprechend einen Schub erhalten.

Allerdings ist zu beachten, dass es sich bei den positiven Effekten dieser Innovation hauptsächlich um Preiseffekte und weniger um Technologieeffekte handelt, die weit in die Produktionsstrukturen der Volkswirtschaft diffundieren könnten – wie beispielsweise beim IT-Boom der 1990er Jahre. Entsprechend sollten sich die wachstumsfördernden Wirkungen in Grenzen halten.

Zudem handelt es sich bei den neuen Fördermethoden meines Erachtens um rückwärtsgewandte Innovationen, weil einmal mehr an der Ausbeutung fossiler Energieträger festgehalten wird, die aber eines Tages erschöpft sein werden. Von den möglichen Umweltproblemen der neuen Fördertechnik mal abgesehen.

Neben diesem eher längerfristigen Ausblick – welche positiven Impulse für die US-Wirtschaft erwarten Sie in diesem Jahr?


Busch:
Deutliche Wachstumsimpulse für die US-Wirtschaft dürfte der Immobilienmarkt liefern, der das Wirtschaftswachstum von 2006 bis 2010 noch kräftig um durchschnittlich 0,7 Prozentpunkte gebremst hatte. Zuversichtlich stimmt uns dabei, dass der Angebotsüberhang inzwischen deutlich reduziert wurde, während die Nachfrage nach Wohnraum wieder anzieht: Aufgrund des Bevölkerungswachstums und des Ersatzes baufällig gewordener Häuser werden pro Jahr rund 1,3 Millionen neue Wohneinheiten gebraucht. Aktuell liegt die Zahl der Baugenehmigungen aber nur bei rund 900.000 – weitere Anstiege in den kommenden Quartalen mit den entsprechenden wachstumsfördernden Impulsen sind somit vorgezeichnet.