Fed-Chef Kevin Warsh hält sich bedeckt – die Märkte reagieren nervös. Ulrich Kater von der Dekabank erklärt, warum die Notenbank kein Schiedsrichter, sondern selbst Spieler ist.
Nachdem die US-Notenbank Fed in der ersten Sitzung unter ihrem neuen Präsidenten im Juni keine Leitzinsänderung vorgenommen hatte, hielt sie auch bei der Juli-Sitzung still. Die Veröffentlichung des Statements sorgte jedoch für ungewöhnliche hohe Volatilität.
Die zweijährige Rendite schwankte unmittelbar nach Veröffentlichung des Fed-Statements deutlich, am Ende des Tages stand ein Renditerückgang von acht Basispunkten. Im langen Laufzeitenbereich stiegen die Renditen dagegen an, um ebenfalls acht Basispunkte. Ersteres deutet auf Verunsicherung am Markt über den weiteren Leitzinskurs der Fed, letzteres stellt eine Prämie für erhöhte Inflationsunsicherheit dar.
Aussichten für Aktien und Anleihen hängen an geldpolitischen Bedingungen
Kein besonders guter Einstand für Kevin Warsh. Schon nach der ersten US-Notenbank-Sitzung unter seiner Leitung zeigten die Märkte Anzeichen von Verunsicherung. Insbesondere seine Weigerung, Diskussionsstand und Absichten der Notenbank (geldpolitischer Ausblick, „forward guidance“) zu kommunizieren, sorgte für Irritationen.
Inzwischen steigerten sich diese Irritationen zu Unverständnis, denn Warsh argumentierte sinngemäß, dass die Finanzmärkte doch bitte künftig auf die ökonomischen Indikatoren reagieren sollten, nicht darauf, was die Fed aus diesen Indikatoren machen würde. Warsh verstieg sich zu dem Bild, die Fed sei lediglich Schiedsrichter, die Märkte sollten sich jedoch am Spiel und nicht am Referee orientieren.
Dieser Auffassung stimmt jedoch kaum ein Marktteilnehmer zu, denn die Aussichten für Aktien und Anleihen hängen wesentlich an den geldpolitischen Bedingungen. Und diese legt nun mal die US-Notenbank fest. Bleibt der neue Fed-Präsident bei seiner Auffassung und der daraus folgenden (Nicht-) Kommunikation, sind erhöhte Volatilität und Risikoprämien vorgezeichnet.
Preisentwicklung gibt weiterhin Rätsel auf
Dabei ist die geldpolitische Lage in den USA alles andere als eindeutig. So gibt die Preisentwicklung in diesem Jahr weiterhin Rätsel auf. Insbesondere ist schwer nachzuvollziehen, weshalb die Preisdynamik im Dienstleistungsbereich bislang nicht weiter nachgelassen hat. Gerade dieser Bereich weist die größte Nähe zur Lohnentwicklung auf.
Diese hat sich jedoch nach allen wichtigen Lohnindikatoren – durchschnittliche Stundenlöhne, Lohnindikator der Fed Atlanta und Arbeitskostenindex – im Jahresverlauf deutlich normalisiert. Dagegen spielen zoll- und energiepreisbedingte Effekte für die geldpolitische Beurteilung nur eine untergeordnete Rolle.
Gut möglich, dass 2026 gar keine Leitzinsänderungen stattfinden. Wenn die Wirtschaft in den USA so kräftig wie in der ersten Jahreshälfte bleibt, ist sogar eine Zinsstraffung die wahrscheinliche Perspektive. Das müssen die Indikatoren in den kommenden Monaten angesichts der Risiken aus dem KI-Sektor und dem Energiebereich aber erst einmal zeigen.
Ja, die Wirtschaftsdaten sind wesentlich für die Finanzmärkte, aber die Reaktion der Geldpolitik ebenfalls. Die Zentralbank ist kein Schiedsrichter, sie ist Spieler, und zwar einer der bedeutendsten.