Trumps Handelspolitik hat die geopolitischen Machtverhältnisse neu geordnet. Die Schieflage zeigt sich auch an den Finanzmärkten. Doch das könnte sich ändern, meint Ulrich Kater.
Der Zollstreit zwischen der EU und den USA scheint fürs Erste beigelegt – doch das Ergebnis ist alles andere als ausgewogen. Dabei gibt es eigentlich gar keinen Deal: Die USA haben einseitig die Welthandelsordnung aufgekündigt.
Trump braucht Geld für die Staatskasse, das will er über Zölle einspielen und die Interessen seiner politischen Partner in der Welt interessieren ihn nicht. Er hat da ein gutes Gewissen, weil die USA nach seiner Auffassung lange genug für den Rest der Welt bezahlt hätten, etwa über den militärischen Schutz oder die Beiträge zu internationalen Organisationen.
Europa ist politisch ein Zwergenstaat
Die EU hat dabei den Weg des geringsten Widerstands gewählt, also ein Kalkül aufgestellt: Die Kosten einer Eskalation gegen den Gewinn, nach zwei oder drei Monaten eines chaotischen Verhandlungsprozesses einschließlich weiterer Verunsicherungen an den Märkten mit einem Deal von vielleicht 12 Prozent dazustehen. Das ist die eigentliche Botschaft dieser ersten Woche im August: Europa ist politisch ein Zwergenstaat. Und auch technologisch ist der Kontinent zu stark abhängig von den USA.
Für alle diejenigen, die das bisschen Europa, was wir haben, gleich wieder auflösen wollen, sei allerdings gesagt: Mit einem politisch selbstständigen Deutschland wäre Trump auch nicht anders umgesprungen, dazu ist unser Handelsbilanzüberschuss mit den USA zu groß. Die fünf Prozentpunkte weniger Zoll, die die Briten als jetzt wieder selbstkontrollierte Wirtschaftsnation genießen, machen da keinen Unterschied.
Europäische Hersteller müssen sich auf härteren Wettbewerb einstellen
Für europäische Hersteller bedeutet das: Sie müssen sich auf härteren Wettbewerb einstellen und gleichzeitig höhere Handelsbarrieren in den USA hinnehmen. Wer diese höheren Kosten trägt – die US-Käufer oder die europäischen Anbieter – ist noch unklar. Die empirischen Studien zur Traglast des zollerhebenden Landes, also hier der USA, schwanken zwischen 50 und 80 Prozent.
Kurzfristig scheinen die Firmen bereit, bei ihren Gewinnen Abstriche zu machen, um die Preise stabil zu halten. Doch langfristig dürfte das kaum durchzuhalten sein. Steigen die Preise, zahlen die US-Konsumenten eine Steuer auf ausländische Konsumgüter.
Schieflage an den Finanzmärkten
Gleichzeitig werden aber tendenziell europäische Produkte in den USA verdrängt werden. Dabei bläst den europäischen Herstellern der Wind aus verschiedenen Richtungen ins Gesicht: in einer Studie der Europäischen Zentralbank werden steigende Marktanteilsverluste europäischer Produzenten durch chinesische Konkurrenz festgestellt, insbesondere auf Drittmärkten.
An den Finanzmärkten zeigen sich diese Schieflagen ebenfalls deutlich: Die seit Monaten anhaltende wieder stärkere Entwicklung von US-Aktien gegenüber europäischen Werten setzte sich nach den Zollbeschlüssen fort. Im Gegensatz zu durchwachsenen Unternehmensberichten aus Europa überzeugten in den USA große Technologiekonzerne mit starken Quartalszahlen.
Konjunktur in den USA verlangsamt sich
Jetzt richten sich alle Augen auf die ökonomischen Wirkungen der US-Wirtschaftspolitik. Die Konjunktur in den Vereinigten Staaten verlangsamt sich. Das zeigte der neueste Arbeitsmarktbericht im August. Eine Konjunkturdelle ist an den Aktienmärkten auch bereits eingepreist: Schwächere Daten sind erwartet worden, allerdings rechnen die Marktteilnehmer nur mit einer vorübergehenden Eintrübung.
Sollten sich in den kommenden Monaten jedoch stärkere Wirkungen einstellen, würden die Kapitalmärkte reagieren. Würde Trump dann noch mehr Leute feuern, aus der Statistik oder sogar aus der Notenbank, würde er die Marktreaktionen nur noch verschlimmern. Die Finanzmärkte kann er nicht entlassen.