USA und ihre Schulden Wenn die Bestnote wackelt

Noch grinst US-Präsident Donald Trump: Es gilt aber als sicher, dass sich seine Laune erheblich verschlechtert, sobald das US-Rating sinkt | © Getty Images

Noch grinst US-Präsident Donald Trump: Es gilt aber als sicher, dass sich seine Laune erheblich verschlechtert, sobald das US-Rating sinkt Foto: Getty Images

Es gibt viel Ärger und Irrationalitäten in der Finanzpolitik der USA unter Präsident Trump. Manches ist nicht schön und schwer verständlich. Andererseits wurde, wenn ich es recht sehe, auf diesem Gebiet bisher noch kein größerer ökonomischer Schaden angerichtet. Das könnte sich jetzt ändern. Denn plötzlich kommt in den USA eine Diskussion auf, dass die Bonität der Vereinigten Staaten auf den Kapitalmärkten in Gefahr geraten könnte.

Die USA gehören derzeit noch zu den wenigen Staaten mit der höchsten Bonitätsnote. Sie besitzen ein Triple A von Moody's und Fitch. Das ist die bestmögliche Bewertung überhaupt. Bei S&P haben sie nur noch die zweitbeste Bewertung (AA+), nachdem sie vor ein paar Jahren herunter-gestuft worden waren. Jetzt geht es darum, ob diese Einstufungen so noch gehalten werden können.

Dazu erschien dieser Tage eine Studie von "Suttle Economics", einer volkswirtschaftlichen Analysefirma in Washington. Sie kam zu dem Ergebnis: "Taken together, it seems quite likely that the US will lose its AAA-status over the next year or so." (Zusammengefasst scheint es plausibel, dass die USA ihr AAA-Rating vielleicht im Laufe des nächsten Jahres verlieren könnten). Das ist brisant.

Dabei muss man wissen, dass der Autor und Inhaber der Firma, Phil Suttle, ein renommierter, erfahrener und gut vernetzter Ökonom ist – in Washington, aber auch darüber hinaus. Natürlich weiß auch er nicht, ob es wirklich so kommt. Er hat sich seine These aber bestimmt nicht aus den Fingern gesogen.

Aufgekommen ist die Geschichte mit dem Government Shutdown der letzten Wochen. Er ist jetzt glücklicherweise beendet. Aber die Probleme bestehen weiter. Denn am 1. März wird die Schuldenobergrenze für die Regierung, die bisher außer Kraft gesetzt war, wieder festgeschrieben. Wenn der Staat dann zusätzlich Mittel braucht, muss der Deckel durch das Parlament angehoben werden. Das wird spätestens im September der Fall sein.

Dass es dabei nicht zu Unfällen (= vorübergehenden Zahlungsverzögerungen) oder zumindest Schwierigkeiten kommen kann, wird angesichts der spannungsgeladenen Atmosphäre zwischen Kongress und Präsident niemand ausschließen können. Die Rating-Agenturen werden genau hinschauen. Nichts ist für sie irritierender als ein Schuldner, den sie – wie Trump – in einer kritischen Situation nicht genau einschätzen können. Insofern ist das aktuelle Rating der USA latent gefährdet.

Bei den rein ökonomischen Faktoren ist die Sache nicht so unsicher. Hier gibt es Positives und Negatives. Wo die Vereinigten Staaten schlecht dastehen, ist die Bruttoverschuldung des Staates. Sie liegt jetzt bei über 100 Prozent des BIPs. Das ist erheblich mehr als in anderen Staaten, die mit AAA bewertet werden (siehe Grafik). Erschwerend ist dabei, dass es in der US-Finanzpolitik derzeit kein Bewusstsein gibt, dass die Schulden zu hoch sind.