Die Aschaffenburger Fondsboutique Gané hat einen neuen Mischfonds mit defensivem Schwerpunkt gestartet. Nach dem Erfolgslauf des Acatis Value Event Fonds (derzeit verwaltetes Vermögen: 7,6 Milliarden Euro) schaut die Branche dort natürlich genauer hin. Wie genau investiert wird wollten wir von Fondsmanager Uwe Rathausky wissen.

Herr Rathausky, Sie starten einen neuen Mischfonds, der die existierende Fonds-Palette um eine defensive Strategie erweitert. Was unterscheidet den Gané Global Balanced Fund von Ihrem Flaggschiff-Fonds?

Er ist die defensive Variante unseres großen Value-Event-Mischfonds. Durch die Kombination aus Value und Event sowie einer angestrebten Aktienquote von nicht mehr als 50 Prozent, soll das Risikoprofil weiter reduziert werden. Das Ziel des Fonds ist die Erreichung einer kontinuierlichen Rendite, die den Anleger in allen Börsenphasen ruhig schlafen lässt. Getreu dem Motto „Wir vermeiden Stress“ soll der Fonds langfristig orientierten Anlegern als Basisinvestment für eine flexible, ausgewogene und defensive Vermögensanlage dienen.

Wie definieren Sie die "Value-Event-Philosophie", die in beiden Fonds angewendet wird?

Wir möchten eine stetige Wertentwicklung mit einer geringeren Volatilität als der Aktienmarkt erzielen. Dafür kombinieren wir mit Value-Investing und Event-Orientierung zwei Investmentstile. Value bedeutet für uns, dass wir in wunderbare Geschäftsmodelle mit einem guten Management zu einem attraktiven Preis investieren. Und Events sind positive unternehmensspezifische Ereignisse, die unser Investment zusätzlich beflügeln oder zumindest das Abwärtsrisiko begrenzen. Mit der Kombination aus beidem versuchen wir, sowohl das fundamentale als auch das marktpreisbedingte Risiko einer Investition zu reduzieren. So können wir auf Fondsebene das Abwärtsrisiko – die sogenannten Maximum Drawdowns, die wir als Stress bezeichnen – im Vergleich zum Gesamtmarkt systematisch reduzieren, ohne dass wir dabei auf eine ansprechende Rendite verzichten müssen.

Wie balancieren Sie das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko in diesem neuen Fonds?

Unabhängig vom Fondsziel und der Aufteilung der Asset-Klassen innerhalb eines Fonds steht die Erfassung und Bewertung der spezifischen Risiken eines Investments immer im Vordergrund. Wichtig ist: Wir betrachten Aktien als Eigenkapitalanleihen, deren Renditen wir mit klassischen Fremdkapitalanleihen vergleichen. Durch eine zahlungsstromorientierte Herangehensweise und die Ermittlung einer zeitgewichteten Rendite gelingt uns das. Dafür ist es aber notwendig, dass wir ein hohes Maß an Planbarkeit und Sicherheit der Zahlungsströme haben. Deswegen investieren wir im Aktienbereich in „Gewinnerunternehmen“ und bei Anleihen in die „finanzielle Stabilität“ eines Unternehmens. Und wenn unsere Renditekriterien nicht erfüllt sind, dann halten wir Liquidität und Geldmarktersatzpapiere vor.

Sie halten die Aktienquote im neuen Fonds zwischen 25 und 50 Prozent. Dabei haben Aktien allen Unkenrufen zum Trotz 2023 auskömmliche Renditen geliefert. Sind die Märkte aus Ihrer Sicht überhitzt?

In der Tat war 2023 ein gutes Jahr. Mit unserem Gané Global Equity Fund konnten wir 34 Prozent Gewinn erzielen. Heute sind die Märkte nach historischen Bewertungskennziffern in der Breite zwar nicht mehr günstig, aber von einer Überhitzung kann man nicht sprechen. Es gibt einige interessante Aktien. Auf der Anleiheseite sehen wir momentan, dass die jüngste Markterwartung für deutlich fallende Leitzinsen zu einer Reduzierung des generellen Renditeniveaus bei gleichzeitiger Einengung von Marktrisikoprämien führte.

Wie beeinflusst dies die Allokation im neuen Mischfonds?

Wir erachten nach Beendigung der langjährigen Nullzinspolitik der Notenbanken und einer Anhebung der Leitzinsen im Jahresverlauf 2023 auf ein Niveau von 4,50 Prozent in Europa und 5,50 Prozent in den USA den Zeitpunkt für günstig, um einen international investierenden defensiven Mischfonds aufzulegen, der die Möglichkeiten eines wieder strukturell höheren Verzinsungsniveaus von Unternehmens- und Staatsanleihen aktiv nutzt. Momentan dominieren aber im Zuge eines „Risk-off-Modus“ kurzlaufende Staatsanleihen höchster Bonität und jederzeit verfügbare Bankguthaben das Portfolio. Die Durchschnittsrendite beträgt 4 Prozent. Ergänzend investieren wir auf der Aktienseite in einige der besten Geschäftsmodelle der Welt.

Bietet das kleinere Volumen des neuen Fonds Vorteile bei der Auswahl von Aktien und Anleihen?

Das Anlageuniversum ist etwas größer und die Möglichkeiten daraus möchten wir aktiv nutzen.

Welches Volumen peilen Sie in den nächsten zwei Jahren für den Gané Global Balanced Fund an?

Wie schon bei unseren anderen Fonds geht es uns nicht um das Planen von Volumina, sondern um das Machen von guter Performance. Sie steht über allem. Dafür treten wir an. Wer dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen.