Nach Jahren der Underperformance erleben Substanzwerte seit 2021 ein bemerkenswertes Comeback. Eine Analyse von Assenagon Asset Management, die DAS INVESTMENT exklusiv vorliegt, hat empirisch untersucht, was viele Asset Manager bereits vermuteten: Die Value-Prämie kehrt strukturell zurück – und das global synchron.

Die Assenagon-Analysten Daniel Jakubowski und Sebastian Schmider analysierten Pure-Value-Strategien über 25 Jahre und kommen zu einem klaren Befund: „Der globale Diskontsatz bestimmt die relative Attraktivität von Value- und Growth-Aktien.“

Ein steigendes Zinsniveau begünstigt Substanzwerte, ein fallendes Wachstumsaktien – bemerkenswert synchron über alle entwickelten Märkte hinweg.

Wendepunkt nach der Nullzins-Ära

Die 2010er-Jahre waren für Value-Investoren ein verlorenes Jahrzehnt. Zwischen 2014 und 2020 entwickelte sich Value sogar klar unterdurchschnittlich.

Grafik: Performance-Vergleich Pure Value vs. Aktienmarkt Global
| Bildquelle: Assenagon

Erst der Inflationsanstieg ab 2021 markierte den Wendepunkt: Parallel zur geldpolitischen Straffung der großen Zentralbanken verbesserte sich auch die Performance des Value-Faktors dramatisch.

Regionale Unterschiede bei globaler Synchronität

Aufschlussreich sind die regionalen Befunde der Assenagon-Studie: Obwohl die Growth-Rally hauptsächlich von US-Technologiewerten getragen wurde, zeigen Pure-Value-Strategien in Nordamerika, Europa und den entwickelten asiatischen Märkten nahezu identische zeitliche Muster.

Grafik: Pure Value-Strategien Europa, Nordamerika und Asien im Vergleich
| Bildquelle: Assenagon

Die Höhe der Value-Prämie unterscheidet sich jedoch:

  • Asia Developed lieferte eine aktive Rendite von durchschnittlich 1,82 Prozent pro Jahr,
  • Europa erreichte 0,66 Prozent und
  • Nordamerika lediglich 0,55 Prozent.

„Märkte mit geringerer Konzentration und einer breiteren Streuung der Bewertungen bieten mehr Möglichkeiten, systematisch günstig bewertete Titel zu identifizieren“, erklären die Autoren. In Asien und Europa sei zudem der Anteil zyklischer Sektoren höher als in den USA, wo wenige Mega-Caps einen erheblichen Teil der Marktkapitalisierung stellen.

ETF-Vergleich als Realitätscheck

Ein praktischer Blick auf zwei Anlageprodukte untermauert die Assenagon-Erkenntnisse: Der Xtrackers MSCI World Value ETF (ISIN: IE00BL25JM42) erzielte über fünf Jahre eine Rendite von 103,90 Prozent. Zum Vergleich wurde der Xtrackers MSCI World Momentum ETF (ISIN: IE00BL25JP72) herangezogen – Momentum gilt als Growth-naher Faktor, da er auf stark rotierende, oft technologielastige Titel fokussiert. Dieser erreichte 74,34 Prozent.

Weitere Informationen
Quelle Fondsdaten: FWW 2026

Der Unterschied zeigt sich auch in der aktuellen Performance: Year-to-date liegt Value mit 5,25 Prozent deutlich vor Momentum mit 2,88 Prozent. Auch die Volatilität spricht für Value: 11,82 Prozent über fünf Jahre gegenüber 13,61 Prozent beim Momentum-ETF.

Struktureller Wandel im Zinsregime

Die Assenagon-Analysten sehen die aktuelle Value-Renaissance nicht als temporäres Phänomen. „Mittelfristig dürften strukturell erhöhte Inflation und geringere geldpolitische Spielräume das globale Zinsniveau oberhalb des Niveaus der 2010er-Jahre stabilisieren“, prognostizieren Jakubowski und Schmider. Das makroökonomische Umfeld dürfte für Substanzwerte daher grundsätzlich günstig bleiben.

Ungewisse Zeiten voraus

Doch die geldpolitische Landschaft bleibt volatil. Mit Kevin Warsh als designiertem Fed-Chef steht eine Schlüsselfigur bereit, deren Kurs noch ungewiss ist. Der ehemalige Fed-Gouverneur galt einst als „Falke“, äußerte sich zuletzt jedoch häufiger zugunsten niedrigerer Zinsen. „Warsh wird sich in einem schwierigen Spagat wiederfinden: Trump und die Märkte gleichzeitig zufriedenzustellen“, analysiert LBBW-Ökonom Sandro Pannagl.

Sollten die Zinsen stärker sinken als erwartet, könnte dem Value-Comeback ein jäher Stopp drohen. Andererseits könnte ein Platzen der KI-Blase Growth-Strategien härter treffen als Value – ein zusätzlicher Puffer für Substanzwerte in unsicheren Zeiten.

Portfolio-Implikationen

Für Asset Manager ergeben sich klare Handlungsfelder: Wer die Value-Prämie sauber analysieren will, muss regionale, sektorale und faktorbasierte Einflüsse systematisch kontrollieren. Klassische Value-Indizes weisen häufig unbeabsichtigte Verzerrungen auf.

Die Assenagon-Studie liefert dabei eine wichtige Erkenntnis: „Trotz deutlicher Unterschiede in Marktstruktur und Branchenmix zeigen die entwickelten Aktienmärkte über lange Zeiträume ein synchrones Muster der Value-Prämie.“

Solange die strukturellen Treiber – höhere Inflation, begrenzte geldpolitische Spielräume – intakt bleiben, haben Substanzwerte gute Karten für 2026.