Vaneck-Portfoliomanager Joe Foster „Sinkende Liquidität könnte Goldpreise steigen lassen“

US-Dollar und Goldbarren | © Pixabay

US-Dollar und Goldbarren Foto: Pixabay

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Die solide Entwicklung des US-Dollar belastet die Goldpreise bereits seit Mai und im August erreichte der U.S. Dollar Index (DXY) zum wiederholten Male neue Jahreshöchstwerte. Der US-Dollar profitierte vor allem von der Schwäche von Emerging Markets-Währungen, bedingt durch die Währungskrise in der Türkei. US-Präsident Trump hatte per Twitter angekündigt, die Zölle auf Stahl und Aluminium zu erhöhen und Sanktionen gegen zwei Regierungsvertreter zu verhängen, um die Freilassung eines in der Türkei inhaftierten US-amerikanischen Pastors zu erwirken.

Die aus der Androhung resultierende Krise offenbarte die Anfälligkeit des türkischen Finanzsystems. Angaben des Wall Street Journal zufolge verzeichnet die Türkei eines der höchsten Handelsbilanzdefizite aller Schwellenmärkte, gepaart mit hoher Inflation und erheblichen Staatsschulden in US-Dollar und Euro. Im laufenden Jahr hat die türkische Lira (TRY) 74 Prozent an Wert verloren. In der Folge dürfte es für Banken und Unternehmen sehr schwierig werden, ihre bestehenden Auslandsschulden in Höhe von 330 Milliarden US-Dollar zu begleichen. Die türkische Regierung hat zudem Fremdwährungsanleihen im Volumen von 11 Prozent des Bruttoinlandprodukts emittiert.

Türkische Gold-Investoren konnten ihre Vermögenswerte sichern, da Gold im August in TRY ausgedrückt um 31 Prozent anzog. Die türkische Bevölkerung reagiert auf die Finanzkrise mit dem seit Menschengedenken bekannten Muster. Metals Focus meldet trotz der hohen Goldpreise in Lira schwache Verkaufszahlen, da die Menschen ihr Gold als Reserve für schlechte Zeiten halten.

Goldaktien leiden unter Marktstimmung

Joe Foster, Vaneck

Der Goldpreis in US-Dollar zeigt sich von der Krise in der Türkei unbeeindruckt, da die Entwicklungen derzeit keine unmittelbare Bedrohung für die US-Wirtschaft oder das globale Finanzsystem darstellen. Gold gab um 22,69 US-Dollar (1,9 Prozent) nach und schloss den Monat bei 1.201,40 US-Dollar je Feinunze, bedingt durch die Stärke des US-Dollar im August. Am 16. August erreichte der Goldpreis ein scheinbares Kapitulationstief bei 1.160 US-Dollar je Feinunze.

Durch die schwache Handelsaktivität in den Sommermonaten dominierte die Verkaufsseite am Markt, da spekulative Marktakteure an der Comex (dem wichtigsten Futures- und Optionenmarkt für den Handel mit Metallen) ihre Netto-Short-Positionen erstmals seit 2001 (als Gold unter 300 US-Dollar je Feinunze sank) gegenüber Netto-Long-Positionen massiv ausbauten.

Der schwache Goldpreis sorgte im August für Kursverluste bei Goldaktien. Sowohl der NYSE Arca Gold Miners Index als auch der MVIS Global Junior Gold Miners Index gaben um 12,5 Prozent nach. Im Juli hatten die Bergbauunternehmen die im Februar erlittenen Verluste wieder wettgemacht. Uns sind keine Fundamentaldaten von Unternehmen bekannt, die die schwache Entwicklung von Goldaktien erklären könnten.

Es besteht ein potenzieller Verkaufsdruck

Wir wissen jedoch, dass ein potenzieller Verkaufsdruck besteht, der dafür verantwortlich sein könnte. Die Vanguard Group kündigte an, dass der von ihr aufgelegte Precious Metals and Mining Fund (Volumen: 2,3 Milliarden US-Dollar) Ende September breiter aufgestellt werden soll, um das Mandat des Fonds zu erweitern und weiter zu diversifizieren - unter anderem durch die Aufnahme von Titeln aus den Sektoren Telekommunikation, Versorgungsunternehmen sowie Rohstoffe und natürliche Ressourcen.

Schon die letzte Neuausrichtung des Fonds war in einer schwachen Phase am Goldmarkt erfolgt. Im Jahr 2001 wurde der Begriff „Gold“ aus dem Namen des Fonds gestrichen, sodass das Portfolio um andere Metalle ergänzt werden konnte. Der Fonds durchlebte somit den säkularen Gold-Bullenmarkt, während bis zu 50 Prozent des Portfolios nicht in Goldaktien angelegt waren. Mit Stand zum 30. Juni war der Fonds zu circa 77 Prozent in Gold-, Silber- und sonstigen Edelmetall-Aktien investiert.

Wir befürchten, dass Vanguard nun wieder einen attraktiven Trend bei Gold verpassen könnte. Berichten des Wall Street Journal zufolge sehen die Experten bei Vanguard verstärkte Anzeichen für eine Rezession und warnen gleichzeitig vor schwachen Aussichten für den US-Aktienmarkt. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession wird für die nächsten zwei Jahre auf 30 bis 40 Prozent geschätzt. Dies ist der höchste Wert, den das Unternehmen jemals für diesen Zeithorizont angenommen hat. Vanguard kann in dieser Hinsicht auf eine beachtliche Erfolgsbilanz zurückblicken. Die Rezession im Dezember 2007 hatte das Unternehmen bereits sechs Monate zuvor mit einer Wahrscheinlichkeit von über 40 Prozent vorhergesagt. Sollte die jüngste Prognose zutreffen, werden sich die Aktionäre von Vanguard womöglich noch wünschen, sie hätten ihren Edelmetallfonds behalten.

Gold ist eine Art Finanzversicherung

Gold ist ein einzigartiges Investment – angesichts seiner geringen Korrelation zu anderen Anlageklassen und aufgrund seiner historisch belegten Fähigkeit, Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten hervorragend zu überstehen. Wir betrachten Gold als eine Art Finanzversicherung. Und genau wie bei einer Kranken- oder Kfz-Versicherung gilt: Wenn es hart auf hart kommt, können sich auch kleine Beiträge langfristig lohnen.

Vaneck bietet bereits seit 1968 auf Goldaktien spezialisierte Fonds. In Zeiten wie der aktuellen Marktphase mag es nicht einfach sein, an Goldpositionen festzuhalten. Einige Anleger versuchen vielleicht, ihre Goldallokationen so zu steuern, dass die negativen Auswirkungen schwacher Marktphasen minimiert werden. Unabhängig davon wie Anleger Gold für sich nutzen möchten, bieten wir unseren Kunden qualitativ hochwertige Goldprodukte, wann immer sie eine finanzielle Absicherung anstreben.