Vaneck-Portfoliomanager Joe Foster „Sinkende Liquidität könnte Goldpreise steigen lassen“

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Gold könnte von neuen Krisen profitieren

Wenngleich der Rückgang des Goldpreises unter die Marke von 1.200 US-Dollar je Feinunze für Enttäuschung sorgte, spricht die aktuelle extreme Positionierung der Marktteilnehmer (auch für das Tief im Jahr 2001 typisch) für eine erneute Erholung der Preise. Gold hat eine langfristige Basis bei Werten zwischen 1.100 und 1.365 US-Dollar ausgebildet. Wir rechnen nun mit einer gewissen Konsolidierung in der Größenordnung von 1.200 US-Dollar, gefolgt von Deckungskäufen zur Glattstellung von Short-Positionen und einem saisonal bedingten Aufwärtstrend, der die Preise bis zum Jahresende nach oben tendieren lassen könnte.

Die Krise in der Türkei ist unseres Erachtens für einen längerfristigen Trend bezeichnend, von dem Gold insgesamt profitieren dürfte. Einem Bericht von Gluskin Sheff + Associate zufolge haben die globalen Notenbanken seit 2009 die unfassbare Summe von 13 Billionen US-Dollar in das globale Finanzsystem gepumpt. Nun beginnen sie allmählich, diese Liquidität wieder zu entziehen. Die US-Notenbank Federal Reserve hat inzwischen acht Mal die Zinsen angehoben und wird im Oktober den Verkauf von Wertpapieren aus ihrem Bestand voraussichtlich von 30 Milliarden auf 50 Milliarden US-Dollar monatlich ausweiten.

EZB plant Ende der Wertpapierankäufe

Die Bank of England hat die Lockerung ihrer Geldpolitik vorerst gestoppt. Die Europäische Zentralbank plant die Einstellung ihrer Wertpapierankäufe im nächsten Jahr und könnte anfangen, die Zinsen zu heben. Wenn die für das Wachstum erforderliche Liquidität allmählich schwindet, wird es zuerst die anfälligsten Bereiche des Finanzsystems treffen.

Unseres Erachtens war die Türkei der erste Dominostein, nachdem niedrige Zinsen und hohe Liquidität eine jahrelange Misswirtschaft in der Geldpolitik und eine exzessive Verschuldung ermöglicht hatten. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schätzt das Volumen der bestehenden US-Dollar-Kredite an Schwellenländer auf rund 3,7 Billionen US-Dollar. Im Zuge der weiteren Straffung der geldpolitischen Zügel dürften neben der Türkei auch noch andere Länder in Schieflage geraten. Für die USA dürfte es schwierig werden, als isolierte Insel des Wachstums zu bestehen.

Starke Fundamentaldaten der Goldunternehmen

Die meisten Goldunternehmen verfügen über ein hohes Maß an Flexibilität, um einen Rückgang der Goldpreise abzufedern. Die Verschuldung konnte auf ein Niveau reduziert werden, das auch bei schwächeren Goldpreisen finanzierbar ist und viele Goldunternehmen verzeichnen keine Nettoverschuldung. Die Gesamtabbaukosten für mittlere und große Goldunternehmen belaufen sich durchschnittlich auf 835 US-Dollar je Unze und bei den Unternehmen in unserem Portfolio fällt der Wert noch einmal 20 US-Dollar niedriger aus.

Bei den Abbaukosten sind die Kosten für Exploration, Investitionsprojekte und sonstige administrative Kosten noch nicht berücksichtigt. Unter Berücksichtigung aller von den Unternehmen eingesetzten Gelder und ausgehend von einem Goldpreis von 1.200 US-Dollar, erwartet BofA Merrill Lynch Research einen Anstieg der freien Cashflows innerhalb der gesamten Branche von 2 Milliarden US-Dollar im laufenden Jahr auf 7,3 Milliarden US-Dollar bis 2020.

Obwohl wir im Herbst mit höheren Preisen rechnen, berücksichtigen wir stets auch die Fundamentaldaten der relevanten Unternehmen für den Fall, dass die Preise stärker als erwartet nachgeben. Bei einem Preis von 1.100 US-Dollar je Feinunze dürften die meisten Unternehmen dazu tendieren, einzelne Ausgaben zu reduzieren und die Entwicklung neuer Standorte zu verschieben. Bei circa 10 Prozent der globalen Produktion belaufen sich die Gesamtabbaukosten auf über 1.100 US-Dollar je Feinunze. In der Folge könnten einige kostenintensive Standorte die Produktion drosseln oder ganz einstellen.

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