Die Versicherungsmakler-Genossenschaft Vema und der Maklerpool BCA haben eine strategische Kooperation vereinbart. Die Unternehmen aus Heinersreuth und Oberursel erweitern damit ihr bestehendes Service-Angebot für die jeweils angeschlossenen Maklerbetriebe. Sie könnten durch die im dritten Quartal auch operativ startende Zusammenarbeit ausgewählte Leistungsbausteine des jeweils anderen Kooperationspartners nutzen. Konkret erhalten die Vema-Partner Zugang zu den Investment-Produkten der BCA mit der BfV Bank für Vermögen. Das umfasse auch die Anlage-Software Diva mitsamt ESG-Strecke und Depot-Reporting. Auch die Produkte zur fondsgebundenen Vermögensverwaltung unter dem Titel Private Investing stehen ihnen zur Verfügung – sowie „der Investment Shop“ als digitale Investmentstrecke für Neu- und Bestandskunden. 

Ziel: hoher Zusatznutzen für Versicherungsmakler 

BCA-Maklerpartner hingegen könnten zukünftig auch exklusive Vema-Angebote nutzen. Hierzu zählten beispielsweise Deckungskonzepte und eine hauseigene Ausschreibungsplattform sowie digitale Tools oder selbst programmierte Rechner für unterschiedliche Sparten der Gewerbeversicherungen. Zunächst gilt das für BCA-Makler, die bereits mit der Vema zusammenarbeiten oder bestimmte unternehmerische und wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllen. Für das kommende Jahr sind nach Angaben der Genossenschaft weitere gemeinsame Projekte geplant. „Die Zusammenarbeit und der produktive Austausch mit der BCA ermöglicht sowohl unseren Vema-Partnern als auch den BCA-Partnern einen sehr hohen Zusatznutzen“, kommentiert Hermann Hübner. „Und genau das ist unser gemeinsames Ziel”, so der Vema-Vorstandsvorsitzende weiter. 

 

In den Augen vieler Versicherungsmakler hierzulande sind die Angebote von BCA und BfV insbesondere in den Bereichen Finanzanlage und Finanzierung gut. Laut einer zu Jahresbeginn durchgeführten Online-Umfrage für die Studie „AssCompact AWARD – Pools & Dienstleister 2023“ liegt mit Fonds Finanz Deutschlands Maklerpool-Marktführer zwar in allen vier Teilkategorien an der Spitze des jeweiligen Rankings. Auf dem Silber- beziehungsweise Bronze-Platz folgen in den drei Versicherungssparten jeweils die Versicherungsmakler-Genossenschaft Vema und Blau direkt. Die Lübecker teilen sich ihren dritten Platz in der Testkategorie Vorsorge / Leben mit Apella aus Neubrandenburg. Nur bei Finanzanlagen / Finanzierungen schafft es mit BCA / BfV Bank für Vermögen ein weiterer Mitbewerber auf das Siegerpodest, gefolgt von Apella auf Platz drei. 

Makler-Dienstleister mit unterschiedlichen Stärken 

Der aktuelle Kooperationsvertrag von Vema und BCA reiht sich ein in eine Kette vieler kleiner Schritte, die den inhabergeführten Mittelständler am deutschen Maklermarkt zum Auslaufmodell werden lassen. Weil ihnen oftmals Nachfolger fehlen und der Druck zum digitalen Angebot seit der Corona-Pandemie gewachsen ist, geben viele Versicherungs- und Finanzmakler ihr Geschäft auf. Hinter den großen Aufkäufern stehen zunehmend große Geldgeber. So stieg das Beteiligungsunternehmen HG zunächst als Mehrheitseigner mit 60 Prozent bei Fonds Finanz ein. Vor einem Jahr übernahm die Private-Equity-Gesellschaft mit Sitz in London, München und New York dann auch die Mehrheit der Anteile am Deutschen Maklerverbund (DEMV). Kurz zuvor hatte auch Blau direkt gemeldet, dass der US-Großinvestor Warburg Pincus bei den Lübeckern einsteigen werde. 

 

Und vor einem Monat holten sich die Lübecker eine Frei­ga­be durch das Bundeskartellamt: Unter dem Aktenzeichen B9-52/23 erlaubt die Behörde den „Er­werb von Mit­kon­trol­le“ an der Phönix Max­pool Grup­pe durch die Lübecker Firma Blue Midco. Deren Geschäftsführer Lars Drückhammer leitet auch Blau direkt. Mit dem grünen Licht aus Bonn stehe aber noch lange nicht ein Firmenkauf unmittelbar bevor, betonen beide Maklerpools unisono. Sie wollten damit „eine Richtigstellung zu einer kürzlich veröffentlichten Meldung bekannt geben“. Es sei zwar richtig, dass die Unternehmen enger kooperieren wollen. In diesem Rahmen sollte auch geprüft werden, ob zukünftig eine Beteiligung möglich sei. Zunächst aber wolle man mit der langfristig ausgerichteten Kooperation „Mehrwerte für beide Unternehmen und für kooperierende Maklerbetriebe“ schaffen. 

Drückhammer und Maxpool-Chef Oliver Drewes wollen demnach auch deshalb enger kooperieren, weil sich der deutsche Markt der Maklerpools durch den Einstieg von Finanzinvestoren massiv verändert habe. Hierauf reagierten jetzt auch große Versicherer, die im Vertrieb hierzulande stark auf unabhängige Vermittler setzen: Sie starteten mit einer jeweils umfassend veränderten Vertriebsorganisation ins neue Jahr. Manche Versicherungsmakler werden bei ihnen zukünftig nun aus der jeweiligen Fachsparte betreut. „Wir beobachten einen Trend zur Spezialisierung und Fokussierung der Versicherungsmakler, der sich fortsetzen dürfte“, begründet Oliver Brüß, Vertriebsvorstand der Gothaer im Interview mit DAS INVESTMENT. Und auch bei der Versicherungsgruppe die Bayerische stelle man sich neu auf, um den Versicherungsvertrieb „konsequent auf die Zielkunden auszurichten“.