Die Stimmung war gut unter den rund 2.500 Teilnehmern aus Maklerbetrieben, von Versicherern und Dienstleistern bei den diesjährigen Vema-Tagen vergangene Woche in Fulda. Wie Messen eben so sind, alles ist top organisiert und man wird bestens umsorgt. 150 Aussteller informierten über Produktneuerungen, interessante Dienstleistungen und technische Lösungen.
Die Vema-Tage unterscheiden sich aber von anderen großen Branchenevents wie DKM oder MMM, es ist eine geschlossene Veranstaltung. Es wird nicht versucht, die ganze Branche und all ihre Themen abzubilden. Im Mittelpunkt stehen die Partner der Maklergenossenschaft und ihre Herausforderungen im Tagesgeschäft.
Bearbeitungszeiten der Versicherer im Fokus
Und die haben es in sich, daran ließen die Eröffnungsvorträge der Vema-Vorstände am Vorabend des zweitägigen Stelldicheins keine Zweifel. In einer gestrigen Pressekonferenz legte man noch einmal nach. Ein zentrales Thema für Johannes Neder, Vorstand Produktmanagement/Marketing bei der Vema, ist die unzureichende Erreichbarkeit der Versicherer und deren Bearbeitungsqualität. In Schadenfällen könne es sechs bis sieben Monate bis zu einer Zahlung dauern. Das betreffe alle Sparten.
Die gesamte Branche habe aufgrund des Fachkräftemangels vergleichbare Probleme. Schuld daran sind laut Neder die Versicherer durch ihre Personalpolitik der vergangenen Jahre und Fehleinschätzungen bei den Effekten der Digitalisierung auch selbst. In bestimmten Berufsfeldern wie Underwritern oder Aktuaren mangele es an einer vertieften Qualifizierung. Neder: „An der Bezahlung liegt es nicht, dass die Unternehmen niemanden finden.“
Auf Nachfrage verneinte Neder die Frage, ob die Gründung eines Assekuradeurs geplant sei, um weitere Aufgaben von Versicherern zu übernehmen, so wie es manche Maklergruppen aktuell tun. Stattdessen setzte man in der Zusammenarbeit mit den Gesellschaften auf sogenannte Service-Level-Agreements.
Vema will eigene technische Lösungen einbringen
Die Vema nimmt aber auch ihre Verbundpartner und sich selbst in die Pflicht, um einen Beitrag für eine verbesserte Schadenbearbeitung zu liefern, wie Neder es darstellte. Für schnellere und reibungslose Prozesse will die Genossenschaft deshalb technische Lösungen entwickeln, in dem zum Beispiel Dokumente mit Wissen des Versicherers direkt an Dienstleister im Schadenprozess durchgeleitet werden. Mit weiteren Qualifizierungsangeboten sollen Versicherungsmakler zudem in die Lage versetzt werden, die Schäden ihrer Kunde besser aufnehmen und aufbereiten zu können, sodass auch hier Rückfragen entfallen. Laut Neder würde das im Einzelfall die Abläufe immer um einige Tage verkürzen.
Kapazitätsprobleme im Gewerbe- und Industriegeschäft
Ein nicht minder kritisches Thema sind für die Vema die Kapazitätsengpässe im Markt, vor allem im gewerblichen Sachversicherungsgeschäft. Auch hier sparte Neder nicht mit Kritik an den Versicherern und deren Zeichnungsgrenzen bei den Versicherungssummen, die das Gewerbegeschäft zum Industriegeschäft machten. Alte, vor Jahren gezogene Grenzen passten nicht mehr in die aktuelle Zeit. Die Anbieter müssten hier reagieren und auf neue Gegebenheiten eingehen. Die quer durch alle Bereiche gehenden Preissteigerungen müssten Berücksichtigung finden. Die Vema will auch hier aktiv werden und Lösungen anbieten, die etwa die Qualität der Ausschreibungsunterlagen der Versicherungsmakler verbessern.
Viel Arbeit also für die Maklergenossenschaft, die sich selbst gut aufgestellt sieht. Vertriebsvorstand Andreas Brunner berichtete vom neu eröffneten Konferenzzentrum und der Investition in zwei professionelle Filmstudios unter der Marke „VEMAmedia“. Makler könnten dies zur Erstellung von Image- und Infovideos nutzen und das angeblich preislich günstiger als bei anderen Anbietern.
Zahlen für 2023
Zum Jahreswechsel hatten sich 4.520 mittelständische Maklerbetriebe der Vema angeschlossen. 2.039 davon hatten bis dahin einen Genossenschaftsanteil gezeichnet, welcher unter anderem zur Teilnahme an der Umsatzbeteiligung berechtigt. Der Umsatz lag 2023 für die Gemeinschaft (Vema-geschlüsselte Maklercourtage + Vema-Overhead) bei etwa 400 Millionen Euro. Im Komposit-Bereich wurden im Vorjahr 536.338 Deckungsnoten über die Genossenschaft eingedeckt. Die Anzahl der Vema-Produkte stieg auf 144 Deckungskonzepte und 206 Sondervereinbarungen.


