Veränderte Asset-Allokation Wie Corona die Auswahlkriterien von Markenunternehmen beeinflusst

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Ebenfalls ein wichtiger Punkt für langfristig orientierte Investoren: Dividendenzahlungen. Einige Unternehmen, wie etwa Adidas und Puma, haben die Auszahlungen bereits ausgesetzt, da sie durch weltweit geschlossene Ladengeschäfte starke Umsatzeinbrüche verzeichneten und Staatskredite in Anspruch nehmen mussten. Auch Unternehmen aus dem Banken- und Finanzdienstleistungssektor, der Bauindustrie und in Teilen des Öl- und Bergbausektors stehen unter Druck. Defensive Branchen wie die Gesundheits- und Lebensmittelwirtschaft sind weniger betroffen. Auch bei Technologieunternehmen ist eine stabile Dividendenentwicklung erwartbar.

Trotzdem sind Dividendenzahlungen in Krisenzeiten nicht automatisch eine gute Nachricht. Hier sollte genau geschaut werden, aus welchen Quellen die Unternehmen die Zahlungen leisten. Hat das Unternehmen wirklich ein wirtschaftlich gutes Jahr gehabt und ausreichend Gewinn erwirtschaftet? Oder werden Gewinnrücklagen aus den Vorjahren genutzt und damit die Unternehmenssubstanz angegriffen?

Abkehr von der Konsumgesellschaft?

Um einschätzen zu können, welche Unternehmen nach der Krise wieder solide Investments sein werden, muss man auch Trends im Kaufverhalten beobachten. So wird beispielsweise übermäßiger Konsum bereits seit einiger Zeit besonders von jüngeren Konsumenten kritisch bewertet, unter anderem aufgrund der negativen Auswirkung auf die Umwelt. Während des Corona-Lockdowns haben nun Verbraucher weltweit festgestellt: Wenn es wirklich sein muss, geht es auch ohne aktuelles iPhone, die neusten Adidas Sneaker, Reisen und Kreuzfahrten. Für Aktieninvestoren stellt sich deshalb die berechtigte Frage, ob dieser Trend anhalten wird und ob sie die Gewichtung von Konsum- und Tourismusunternehmen in ihrem Portfolio überdenken sollten, oder ob das Pendel vielleicht sogar in die entgegengesetzte Richtung schwenkt und es spürbare Nachholeffekte geben wird.

Grundsätzlich ist es jedoch eher unwahrscheinlich, dass ein Zeitraum von zwei bis drei Monaten ausreichend ist, um Menschen und ihr Kaufverhalten nachhaltig zu verändern. So wurde während des Lockdowns kein maßgeblicher Konsumverzicht per se beobachtet, sondern vor allem eine Verschiebung hin zum Online-Handel. Zumindest diese Branche wird relativ unbeschadet aus der Krise hervorgehen und wahrscheinlich sogar zu den Profiteuren zählen. Das gilt auch für Payment-Anbieter, denn Corona hat den Trend zur bargeldlosen Bezahlung noch verstärkt. Paypal zum Beispiel rechnet für das zweite Quartal 2020 mit 15 bis 20 Millionen Neukunden.

Bei den Prognosen zum künftigen Kaufverhalten spielt aber nicht nur die grundsätzliche Einstellung der Verbraucher gegenüber Konsum eine entscheidende Rolle, sondern auch die Verfassung der weltweiten Arbeitsmärkte. In Deutschland zum Beispiel sind 10 Millionen Menschen in Kurzarbeit, die Arbeitslosenzahl ist in Folge der Krise um mehr 300.000 gestiegen. In den USA stellten seit März fast 41 Millionen Menschen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.

Fazit

Zusammenfassend kann man gemäß dem geflügelten Wort sagen: Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, für die es keine historischen Erfahrungswerte gibt und aktuell lässt sich nur schwer abschätzen, welche Branchen und Unternehmen sich wie entwickeln werden. Grundsätzlich sollte man Unternehmen bei der Asset-Allokation wieder verstärkt auf ihre Resilienz in Krisenzeiten hin analysieren, sowohl aus finanzieller und bilanzieller Sicht als auch bezüglich ihrer Reputation bei Konsumenten.

Investoren bietet sich nun die Gelegenheit, direkt zu erleben, wie Unternehmen sich in der Krise schlagen und auf Unwägbarkeiten reagieren. Diejenigen, die diese Zeit gut überstehen, könnten auch für die Zukunft ein solides Investment wert sein. Insoweit bietet die Krise eine einmalige Gelegenheit die Qualitätsunterschiede im Krisenmanagement zu analysieren und so ein neues Kriterium der Zukunftsfähigkeit für die Unternehmen zu bilden.

 

Über den Autor:
Tommaso Tabacchi ist Fondsspezialist bei Mediolanum International Funds und für die aktiv gemanagten Aktienfonds Gamax Funds Junior und dem Gamax Funds Asia Pacific verantwortlich ist.

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