Zum Beginn des Sommersemesters warnt die Verbraucherzentrale Hamburg Studierende vor Anlageberatern auf dem Campus der Universität. Konkret geht es in der Pressemitteilung der Verbraucherschützer um den Finanzdienstleister MLP. Dieser soll Studenten ungeeignete Geldanlageprodukte verkaufen. MLP weist die Kritik zurück.
Das Vorgehen der MLP-Berater
Zunächst getarnt als fachliche Seminare zu Steuererklärungen und gängigen Softwareprogrammen stellt MLP oft über digitale Medien den ersten Kontakt zu der Zielgruppe der Studierenden her. Erst bei Teilnahme an den jeweiligen Schulungen heißt es dann, dass eine kostenlose Beratung zu den eigenen Finanzen zum Angebot dazugehöre. Termine dafür sollen direkt im Anschluss vereinbart werden. Dass die Finanzberatung für die Studierenden natürlich komplett kostenlos ist, betonen die Berater wiederholt.
Zuletzt bauten die Anlageberater zudem auch Info-Stände auf dem Uni-Campus auf, um mit den Studierenden in Kontakt zu treten. Vor den Anlageprodukten, die die Berater diesen verkaufen wollen, warnen jedoch nun Verbraucherschützer. Denn die Produkte würden nicht zu den Bedürfnissen der jungen Menschen passen. Laut Verbraucherzentrale sind die Verträge meist unflexibel, intransparent, erwirtschaften wenig Rendite und haben unverhältnismäßig hohe Abschluss- und Verwaltungskosten.
Der Hamburger Verbraucherzentrale liegt das Beispiel eines Studenten vor, der bei einem MLP-Berater auf dem Campus eine fondsgebundene Rürüp-Rente abgeschlossen hat. Auf Anfrage von DAS INVESTMENT streitet MLP in einem Statement ab, „Finanzberatung und […] daraus abgeleitete Produktvermittlung in den Räumlichkeiten von Hochschulen“ zu erbringen.
Dynamik-Option erhöht die Provisionen der Berater
Im Fall der abgeschlossenen Basisrente, mit der der Student sich an die Verbraucherschützer wandte, läge der monatlich zu zahlende Beitrag zunächst bei 28 Euro. Aufgrund der Dynamik des Produkts, die die Versicherungssumme jedes Jahr um zehn Prozent anhebt, kämen ab dem dritten Jahr 93 Euro und am Ende der Vertragslaufzeit sogar über 1.500 Euro auf den Beitragszahler zu. Diese Hochrechnung der Verbraucherzentrale berücksichtigt dabei nicht, dass die Kunden der Anhebung jährlich widersprechen können.
Im offiziellen Statement verdeutlicht MLP diesen Aspekt: "Vor der Erhöhung wird [der Kunde] vom Versicherer bezüglich der anstehenden Dynamisierung angeschrieben. Dann kann er diese annehmen oder ihr widersprechen. Eine Ablehnung ist bei den meisten der durch uns vermittelten Lösungen unserer Produktpartner jedes Jahr ohne Verlust der Dynamik-Option möglich; bei anderen Produktpartnern ist dies in der Regel zweimal in Folge möglich, ohne dass das Recht auf die Dynamisierung für den Versicherten erlischt. Nutzt der Versicherte seine 10-prozentige Dynamisierung zum Beispiel nur jedes dritte Jahr, ergibt sich daraus eine Erhöhung des BU-Schutzes, die in etwa der Inflationsentwicklung entspricht."
Die vereinbarte Dynamik hat für den Finanzdienstleister allerdings vor allem den Vorteil, dass die jährlichen Beitragserhöhungen wie der Abschluss eines Neuvertrags wirken und so jedes Mal stattliche Provisionszahlungen beinhalten. Den Studenten wird indes immer wieder versichert, dass das Beratungsangebot für sie kostenlos ist. In der Beratung würden den Studenten die Honorare und Provisionen der Berater offen gelegt. Den Eindruck eines komplett kostenlosen Vertragsabschlusses könne daher niemand bekommen, so MLP.
In dem Statement heißt es vonseiten des Unternehmens weiter, dass die Dynamisierung von jährlich zehn Prozent „gerade für [die] meist akademischen Kundinnen und Kunden eine wertvolle Option“ darstelle. Zudem seien die hochgerechneten Abschluss- und Vertriebskosten der Verbraucherzentrale vor dem Hintergrund, dass weder die Rendite noch die Möglichkeiten zum Aussetzen der Dynamisierung berücksichtigt würden, „wirklichkeitsfremd“.
Ein weiterer Punkt, den die Verbraucherzentrale außer Acht lasse, bestehe in den weiteren wichtigen Leistungen von Kopplungsprodukten: "Der Versicherer übernimmt im Berufsunfähigkeitsfall auch die zukünftigen Beiträge zum Ansparen in der Basisrente, noch dazu mit einer jährlichen 10-prozentigen Dynamik, wenn diese vereinbart war."
Berufsunfähigkeitspolicen für Studierende
In Bezug auf Kopplungsprodukte gehen die Meinungen in der Branche bereits länger auseinander. Eine von MLP in Auftrag gegebene Studie des Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (IFA) rechnet die quantitativen Vor- und Nachteile von gekoppelten Produkten aus Basisrente und BU-Schutz im Vergleich zu einer entkoppelten Kombination aus Fondssparplan und Berufsunfähigkeitsversicherung vor. Sie kommt zu dem Schluss, dass bei keiner der Musterrechnungen die Vorteilhaftigkeit der entkoppelten Variante überwiegt. Der Bund der Versicherten (BdV) kam in einer eigenen Studie zu einem anderen Urteil. (DAS INVESTMENT berichtete über die gegenseitige Kritik von IFA und BdV.)
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat den betroffenen Studenten geraten, das von MLP vermittelte Produkt sofort wieder zu kündigen. Rürup-Verträge, die Altersvorsorge mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung kombinieren, sind laut Verbraucherschützer in keinem Fall etwas für Studierende. Kapitalbildende Versicherungen könnten zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll sein. Zunächst rät die Verbraucherzentrale zum Aufbau einer Liquiditätsreserve und einer Berufsunfähigkeits-Police, abgeschlossen bei unabhängigen Finanzberatern.
Auch der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) rät in einer aktuellen Pressemitteilung, dass sich gerade für Studierende der frühzeitige Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung lohnt. Wichtig ist dabei vor allem die richtige Beratung durch einen Versicherungsvermittler, um das Produkt an die individuellen gesundheitlichen und beruflichen Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Wer jung und gesund ist, kann in der Regel von günstigen Beiträgen profitieren. Sollte der Fall einer Berufsunfähigkeit eintreten, verlieren gerade junge Menschen enorm viel Humankapital.
Um Fehlberatungen zu verhindern und so die Verbraucher zu schützen, haben die Verbraucherzentralen nun eine bundesweite Informationskampagne gestartet.



