Verbraucherzentralen fordern Extrarente „Opt-Out erhöht Rendite in der Altersvorsorge“

Dorothea Mohn: Die Leiterin des Finanzmarkt-Teams beim VZBV wirbt für das Modell der Extrarente. Nationale Besonderheiten, wie die bedarfsabhängige Grundsicherung, würden hierbei berücksichtigt. | © VZBV

Dorothea Mohn: Die Leiterin des Finanzmarkt-Teams beim VZBV wirbt für das Modell der Extrarente. Nationale Besonderheiten, wie die bedarfsabhängige Grundsicherung, würden hierbei berücksichtigt. Foto: VZBV

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) untermauert sein Modell für ein öffentlich-rechtlich organisiertes Standardprodukt zur Altersvorsorge. Im Modell der sogenannten Extrarente schlägt der VZBV vor, Arbeitnehmer ab einem bestimmten Einkommen automatisch einzubeziehen. Dem sollen die Betroffenen jederzeit widersprechen können (Opt-Out).

Wer das innerhalb von sechs Monaten tut, soll seine Beiträge sofort zurückerhalten. Wer später widerspricht, muss bis zum Ruhestand darauf warten. Andererseits sollen Verbraucher auch freiwillig in die Kasse der Extrarente einzahlen können (Opt-In). Dieses Angebot richtet sich an alle, die nicht automatisch einbezogen werden – also beispielsweise Selbstständige.

Opt-Out-Modell im Ausland etabliert

Wie das Modell in der Praxis funktionieren kann, erklärt jetzt Markus Roth, Professor an der Philipps-Universität Marburg. Sein aktuelles Gutachten „Einfacher Zugang zu kostengünstiger privater Altersvorsorge – Automatische Einbeziehung in ein staatlich organisiertes Standardprodukt“, zeige demnach, dass sich Opt-Out-Modelle im Ausland etabliert habe.

Die im Auftrag des VZBV erstellte Studie untersucht Angebote zur Altersvorsorge in Großbritannien, Schweden und dem US-Bundesstaat Kalifornien. Dort erfolgt der Zugang zu staatlich organisierten Standardprodukten automatisiert über den Arbeitgeber. Dieser zieht die Beiträge vom Bruttolohn ab und leitet sie an den Betreiber des Standardprodukts weiter.

Kosten für Standardprodukt geringer

Laut dem rechtswissenschaftlichen Gutachten betragen die Kosten für die Standardprodukte in den Beispielländern derzeit mittelfristig zwischen 0,2 und 0,5 Prozent des verwalteten Vermögens. Zum Vergleich: In Deutschland registrierte der VZBV bei einer Stichprobe für bestehende Riester-Verträge aus dem Jahr 2018 durchschnittliche Kosten von ungefähr 1,5 Prozent.

Die Beispiele aus dem Ausland zeigten zudem, dass die Akzeptanz für Opt-Out-Modelle hoch ist und noch weiter wächst: In Großbritannien entscheiden sich demnach lediglich 10 Prozent der Berechtigten aktiv gegen die automatische Einbeziehung. Eine vorbereitende Studie für das Standardprodukt in Kalifornien geht von einer ähnlichen Widerspruchsquote aus.

„Von positiven Beispielen lernen“

„Wenn Verbraucher automatisch über den Arbeitgeber in eine private Altersvorsorge einbezogen werden, trägt dies erheblich zur Kostenersparnis und damit zu einer höheren Rente im Alter bei“, kommentiert Dorothea Mohn. „Schweden, Großbritannien und Kalifornien machen es vor. Deutschland sollte nachziehen“, so die Leiterin des Finanzmarkt-Teams beim VZBV.

Der Berliner Verband hatte Ende April sein Modell für ein öffentlich-rechtlich organisiertes Standardprodukt vorgestellt. Die sogenannte Extrarente solle „über die öffentliche Hand durch Ausschreibungen statt über gewinnorientierte Unternehmen organisiert“ werden. Denn so sänken die Kosten für die Verwaltung massiv und Kosten für den Vertrieb entfielen sogar komplett.

Allein durch die geringeren Kosten fiele die spätere Rente deutlich höher aus, als bei den heutigen Angeboten. Zudem soll die Extrarente vor allem am Aktienmarkt angelegt werden, um langfristig eine höhere Rendite als viele bisherige Vorsorgeverträge zu erzielen. Berücksichtigt werden müsse außerdem, dass es in Deutschland keine bedarfsunabhängige Grundrente gibt.