Wenn Verena Kempe anruft, gehen Asset Manager gerne ran: Die Leiterin des Investmentmanagements bei Kenfo darf in den kommenden drei Jahren noch rund 3,5 Milliarden Euro in Private Markets investieren. „Wir haben eine Zielallokation von 7 Milliarden Euro für das Jahr 2028 vorgesehen“, sagt Kempe im Podcast „Perspektiven in Private Markets“ von Cambridge Associates.
Kempes Investitionsvolumen stammt aus öffentlich-rechtlicher Hand, der Kenfo ist der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, gestartet 2017 mit einem Vermögen von 24 Milliarden Euro und einem Anlagehorizont von 80 Jahren. Der Kenfo hat bisher 5,3 Milliarden Euro zur Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung des deutschen Atommülls ausgezahlt, davon allein 823 Millionen Euro im laufenden Jahr.
Kempes Job ist es, bis 2028 die Private-Markets-Quote auf 30 Prozent auszubauen: „Etwa 8 Prozent Private Equity, 12 Prozent Infrastruktur, etwa 5 Prozent Private Debt und auch etwa 5 Prozent Immobilien“, erklärt Kempe. „Wir investieren vor allem auf der indirekten Fondsseite und machen inhouse die Portfoliostrategie, die Portfoliokonstruktion, das Sourcing und die Due Diligence.“
Kenfo-Performance übertrifft Zielrendite
Über die Performance der Strategie lässt sich nicht klagen: Im Jahr 2024 erzielte der Kenfo eine Rendite von 9,4 Prozent nach Marktpreisbewertung – mehr als doppelt so viel wie die im letzten Jahr erforderliche Zielrendite von 4,1 Prozent.
Doch mit dem Beitrag von Private Equity ist Kempe, die im Oktober 2020 zum Kenfo kam, nicht zufrieden: „Wir benchmarken unser Private-Equity-Portfolio gegen die Public Markets – das macht jeder institutionelle Investor“, sagt sie im Podcast. „Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass die ein, zwei Jahrzehnte vorhandene deutliche Outperformance zusammengeschmolzen und bei dem ein oder anderen GP auch gar nicht mehr vorhanden ist.“
Das Problem: Private Equity rechtfertigt sich traditionell über die Mehrrendite gegenüber börsennotierten Aktien – die sogenannte Illiquiditätsprämie. Verschwindet diese, steht die gesamte Anlageklasse infrage. „Und das ist eine Herausforderung für den gesamten Private-Equity-Markt, für jeden einzelnen GP (General Partner = Portfoliomanager, Anm. d. Red.), auch für den LP (Limited Partner = Kapitalgeber, Anm. d. Red.)“, analysiert Kempe. „Wie geht man damit um und was wird das in Zukunft auslösen?“
„Wir sind nicht an dem Punkt, an dem Investoren ihre Allokation reduzieren“, stellt die Kenfo-Managerin klar. „Aber wir sind an dem Punkt, wo ich sage: Private Equity muss wieder anfangen zu liefern!“
Exit-Stau als Warnsignal
Kempe benennt konkret, was sie beunruhigt: „Fehlende Exits, lange Halteperioden, fehlende Distributions – das sind Warnsignale, dass vielleicht auch das Private-Equity-Geschäft in eine Phase hineinkommt, wo es sich verändern wird.“
Das Problem gehe über Liquiditätsfragen hinaus, meint Kempe: „Wir reden immer über Liquidität. Wir reden darüber, dass Kapital zurückkommen muss. Aber es ist natürlich, wenn wir ehrlich sind, auch eine Renditefrage. Je länger ein Investment gehalten wird und die Wertschöpfung nicht so umgesetzt werden kann, wie sie ursprünglich vorgesehen war, dann reden wir über Renditeeinbußen.“
Der Kenfo investiere schließlich nicht nur aus Gründen der Diversifikation in Private Equity, sondern „aus Renditegesichtspunkten“, macht Kempe klar.
Interessant ist der Vergleich zur Infrastruktur – einer Anlageklasse, die beim Kenfo mit 12 Prozent Zielquote höher gewichtet ist als Private Equity (8 Prozent). „Infrastruktur hat seine Versprechen an die Anleger gehalten“, sagt Kempe. Dies sei „für mich als institutionellen Investor sehr wichtig“, betont sie.
Disziplin bei der Manager-Auswahl
Trotz des Investitionsvolumens setzt Kempe auf Disziplin bei der Manager-Auswahl. Denn der Kenfo hat klare Vorgaben: „Wir haben festgelegt, welche Bandbreite wir pro Anlageklasse halten möchten – basierend auf Größe und Risikogehalt der Anlageklasse.“ Bei Private Debt beispielsweise seien es „zwischen zehn bis zwölf Kern-GP-Relationships, bei Private Equity ist es ein wenig mehr, weil die Anlageklasse größer ist und wir stärker diversifizieren wollen“, erläutert Verena Kempe.
Es gelte, die Balance zu halten. Denn Überdiversifkation erschwere nicht nur das Monitoring, sondern „ist letztendlich auch ein Performancethema, weil es zu einem Renditenachteil führt“.
Kempes Aussagen sind bemerkenswert offen für eine institutionelle Investorin, die noch Milliarden zu investieren hat. Die Botschaft an die Branche ist klar: Private Equity muss zurück zu dem, was die Anlageklasse ursprünglich ausgemacht hat – echte operative Wertschöpfung und nachhaltige Renditen über dem Public-Market-Äquivalent.
Kempe macht im Podcast klar: Die Manager, die da beim Kenfo zum Zug kommen, werden jene sein, die nicht nur versprechen, sondern auch liefern.
Über Verena Kempe:
Verena Kempe ist seit Oktober 2020 Head of Investment Management beim Kenfo (Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung) in Berlin. In dieser Position verantwortet sie ein Portfolio von aktuell rund 25 Milliarden Euro mit einer Zielallokation von 7 Milliarden Euro in Private Markets bis 2028 und berichtet an Anja Mikus, Vorstandsvorsitzende und Chief Investment Officer. Sie bringt insgesamt mehr als 20 Jahre Erfahrung im Infrastruktur- und Energiebereich sowie im Private-Equity- und Private-Credit-Geschäft mit.

