Hauke Hess, Geschäftsführer von Veritas: „Wir versuchen erst gar nicht, eine Prognose zu entwickeln. Stattdessen gilt die Maxime, systematisch und frei von Emotionen zu agieren

Hauke Hess, Geschäftsführer von Veritas: „Wir versuchen erst gar nicht, eine Prognose zu entwickeln. Stattdessen gilt die Maxime, systematisch und frei von Emotionen zu agieren

Veritas Investment

Risk@Work-Modell: Risikokontrolle in 999.999 von einer Million Fällen

//
Was bringen die kommenden Monate an den Börsen der Welt? Ohne den sprichwörtlichen Blick in die Glaskugel fällt die Antwort schwer. Bei der 1991 gegründeten Investmentboutique Veritas Investment versucht man darum erst gar nicht, eine Prognose zu entwickeln. Stattdessen gilt die Maxime, systematisch und frei von Emotionen zu agieren. Dabei greift das Portfoliomanagement auf das Risk@Work-Modell zurück, das 2008 von der Schwestergesellschaft Veritas Institutional auf Basis von 10 Millionen Simulationen entwickelt wurde. Gefahrenquellen sollen zeitig erkannt werden, um das Risiko überraschend hoher Kursverluste zu minimieren.

Hierzu werden genaue Verlustgrenzen festgesetzt und laufend Rückschlagspotenzial-Gefahren ermittelt. Ein Risikobudget gibt vor, wie stark der Fondspreis gegenüber dem Wert zu Jahresbeginn sinken darf. Das Risk@Work-Modell sorgt dafür, dass diese Grenzen eingehalten werden – und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1 Million.

Mit Kelly als Programm

Ziel des Modells ist es außerdem, die Rendite zu optimieren. Bislang geht das Konzept sehr gut auf: „Wir haben seit Einführung des Modells noch nie die definierten Wertuntergrenzen touchiert“, zeigt sich Veritas-Geschäftsführer Hauke Hess zufrieden. Risk@Work basiert auf den Erkenntnissen des US-Wissenschaftlers John Kelly, der in den 50er Jahren Berechnungen anstellte, die zusammengefasst in der Kelly-Formel Aufschluss darüber geben, wie das vorhandene Kapital optimal eingesetzt werden kann.

Mit Risk@Work geht es indes nicht nur darum, Verluste zu begrenzen. Anhand der Betrachtung von Zeitreihen erlaubt das Modell eine Beurteilung der Aussichten für das Portfolio – unter den gegebenen Bedingungen der Verlustgrenze. „In guten Marktphasen wird diese Grenze dynamisch nach oben angepasst, in schwachen Marktphasen umgekehrt“, so Hess. Er sieht darin einen Vorteil gegenüber Konzepten wie Value at Risk, die ständig nachgebessert werden müssen.

Je nach Anlegerprofil

Das Risk@Work-Konzept können Anleger sich in Form des Veri Multi Asset Allocation Fonds, des Veri ETF-Allocation Defensive und des Veri-Safe ins Depot holen. Offensivere Investoren sind mit dem erstgenannten Fonds gut bedient: Hier sorgt Risk@Work dafür, dass der Fondskurs nie unter 90 Prozent des Jahresanfangswerts sinkt. Das Modell gibt die dazu passende Asset Allocation vor, die wöchentlich angepasst wird.



Bei der Portfolio-Anpassung kommt auch das hauseigene Trendfolgesystem zum Einsatz, das etwa in schwachen Marktphasen auch eine Aktienquote unterhalb des vorgegebenen Risikobudgets erlaubt. Die Verlustgrenze wird immer dann nach oben angepasst, wenn der Fonds zusätzlich 3 Prozent Rendite eingefahren hat. „Das Vorgehen gewährleistet, dass die Gewinne abgesichert sind“, erläutert Hess.

Bei der Zusammenstellung des Portfolios nutzen die Manager Einzeltitel, aber auch Investments über ETFs sind möglich. Auf der Aktienseite bevorzugt das Team unterbewertete Qualitätstitel, auch Nachhaltigkeitsaspekte spielen eine Rolle bei der Auswahl.

Die regionale Aufteilung des Portfolios ist fest definiert und folgt einem Top-Down-Ansatz: Jeweils 40 Prozent stecken in US- und europäischen Titeln, 20 Prozent in japanischen.

Starke Defensive


Für vorsichtigere Anleger eignet sich der Veri ETF-Allocation Defensive mit einer maximalen Aktienquote von 30 Prozent. Den Rest des Portfolios bilden Staats-, Unternehmens- und Hochzinsanleihen, die auch aus den Schwellenländern stammen dürfen. Möglich ist zudem die Beimischung von Rohstoffen. Das Risikobudget, das mit dem Risk@Work-Konzept überwacht wird, liegt bei 6 Prozent, das hauseigene Trendfolgemodell wird auch hier genutzt.

Für sicherheitsorientierte Anleger, die eine Alternative zum Tages- oder Festgeld suchen, bietet Veritas seit Oktober vergangenen Jahres den Veri-Safe an. Bei diesem Fonds soll das Risk@Work-Konzept die unterjährigen Verluste auf 2,5 Prozent begrenzen. Die Aktienquote beträgt beim Veri-Safe maximal 22 Prozent. Als jährliche Zielrendite peilt Veritas den Eonia-Zinssatz plus 100 Basispunkte an.



Mehr zum Thema
Massive EinbrücheDarum sind aktiv gemanagte ETFs den klassischen Produkten überlegenDie Fonds-Favoriten der Top-VermögensverwalterEric Wiese mag den Veri Multi Asset Allocation„Kelly statt Markowitz“Wie die Fondsboutique Veritas ihre Multi-Asset-Fonds vor Verlusten schützt