Verkauf und drohende Entlassungen

Postbank vor unbefristetem Streik

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Mit dem Streikbeschluss eskalieren die Auseinandersetzungen um die Neuaufstellung des größten deutschen Geldinstituts.

94,8 Prozent der bei Verdi organisierten Mitarbeiter der Postbank votierten in einer Urabstimmung für den Arbeitskampf, wie die Organisation am Sonntag auf ihrer Webseite mitteilte. Bei Warnstreiks seien an 33 Tagen bereits 670 Filialen bis zu vier Tage lang geschlossen gewesen, hieß es in der Mitteilung. In der nächsten Phase der Tarifauseinandersetzung sei mit “deutlicheren Auswirkungen” zu rechnen.

Die Deutsche Bank AG werde sich wahrscheinlich entscheiden, das Privatkundengeschäft im Rahmen der Strategieüberprüfung ganz oder teilweise aufzugeben, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person vorige Woche. Die Neuausrichtung der Bank werde möglicherweise noch vor Monatsende bekannt gegeben.

Der Konzern denke aber auch noch über eine dritte Option nach, der zufolge es größere Einschnitte sowohl im Investmentbanking als auch im Privatkundengeschäft geben würde, hieß es. Allerdings sei dies der im Vorstand am wenigsten bevorzugte Kurs.

Alexander Adler, ein Sprecher der Postbank, wollte sich zur Verdi-Mitteilung nicht äußern. Die Postbank hat ihrem Internetauftritt zufolge rund 1100 Filialen.

Einige Analysten sind der Meinung, dass der Verkauf des gesamten Privatkundengeschäfts und die anschließende Konzentration auf das Investmentbanking die größten Erträge bringen würden. Andere Analysten wiesen allerdings darauf hin, dass die Aufgabe des Privatkundengeschäfts die Bank um Einlagen für die eigene Finanzierung bringen würde.

Die Führungsgremien der Deutschen Bank erörtern noch mehrere Modelle, und die Bank habe Kontakt mit Regulierern unter Führung der Europäischen Zentralbank aufgenommen, nachdem die verschiedenen Optionen im März dem Aufsichtsrat vorgestellt wurden, sagte die informierte Person. Die Modelle seien Stresstests unterzogen worden und man habe analysiert, ob die Wertpapiersparte im Fall einer völligen Abspaltung von der Retailsparte hinreichend breit aufgestellt sei, um Gewinnschwankungen aufzufangen.

Ein Vertreter der EZB in Frankfurt wollte sich vergangene Woche nicht zu der Meldung äußern.

Die Privatkundensparte kam im vergangenen Jahr von den vier Geschäftsbereichen der Bank auf die niedrigste Eigenkapitalrendite und, gemessen an den Erlösen, auf die höchsten Kosten, geht aus Pflichtmitteilungen hervor. Es sei vorgesehen, die Postbank mit anderen Aktivitäten aus dem Privatkundenbereich zu bündeln und 2017 zu veräußern, sagte die informierte Person.

Eine eigenständige Retailbank käme vermutlich auf ein höheres Kredit-Rating als es die Deutsche Bank derzeit erreicht, sagte die Person. Die EZB sei aufgeschlossen für eine völlige Abspaltung des Privatkundengeschäfts wie auch für ihren teilweisen Verkauf. Beide Modelle sähen einen Rückbau im Investmentbanking vor.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank werde am Freitag dieser Woche zusammentreten, um die Optionen zu erörtern, sagte die informierte Person. Es sei möglich, dass man sich bis dahin auf keine endgültige Entscheidung geeinigt habe.

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