Vermasselnde Briten So bewerten Anlage- und Wirtschaftsprofis das Brexit-Desaster
Erstens steht Ländern wie Irland aber auch den Niederlanden und Belgien mit dem möglichen Einbruch des britischen Handels im Frühjahr ein negativer ökonomischer Schock bevor. Fällt der Schock gravierend aus, dann könnten konzertierte Konjunkturpakete wie zuletzt 2009 sinnvoll werden.
Zweitens könnten bereits ab April 2019 die Überweisungen des Vereinigten Königreichs an den EU-Haushalt eingestellt werden. Hier muss über rasche Zwischenfinanzierungen entschieden werden, damit EU-Programme keinen Schaden nehmen.
Und drittens brauchen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen nun umfassende Beratung im Hinblick auf unzählige offene rechtliche und verfahrensmäßige Fragen. Großunternehmen haben sich lange auf den ungeregelten Brexit vorbereitet, viele Mittelständler mit Lieferverträgen ins Vereinigte Königreich sind allerdings auf Expertise von außen angewiesen. Hier sind EU und Mitgliedstaaten jetzt ebenso gefragt wie Kammern und Unternehmensverbände.
Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv)
Ein Austritt ohne Abkommen würde nicht nur die Wirtschaft schädigen, sondern auch Verbraucher im Regen stehen lassen. Viele Verbraucher planen bereits ihren Osterurlaub. Sie brauchen dringend Klarheit darüber, welche Regeln dann gelten werden und ob sie bei einem Urlaub in Großbritannien noch auf ihre gewohnten Rechte vertrauen können. Großbritannien muss jetzt Verantwortung übernehmen und alles dafür tun, dass es einen geregelten Austritt gibt. Im Anschluss daran müssen vertrauensvolle Verhandlungen zu umfassenden Handelsbeziehungen stattfinden. Hierbei wird darauf zu achten sein, dass Verbraucherinteressen in den Mittelpunkt gerückt werden, verbraucherschützende EU-Vorschriften nicht umgangen und die Freiheiten des Binnenmarktes nicht Preis gegeben werden.
Pieter Jansen, Seniorstratege Multi-Asset bei NN Investment Partners
Es war von Anfang an klar, dass der vereinbarte Deal nur auf wenig Unterstützung stößt und das Parlament nicht gerade an einem Strang zieht. Sowohl Brexit-Hardliner als auch EU-Anhänger haben gegen den Deal gestimmt. Deshalb kann man sich nur schwer vorstellen, wie die Regierung mit einer Alternative aufwarten soll, die sich deutlich vom aktuellen Deal unterscheidet und ernsthafte Erfolgsaussichten im Parlament hat.