Haben sich auch die Aufgaben geändert, die heute zu erfüllen sind, gegenüber den Aufgaben vor, sagen wir, 20 Jahren?
Japser: Ganz klar, die Anforderungen an die Dokumentation sind groß und verdrängen auch Zeit. Zeit, in der man mit den Kunden eigentlich lieber über das Produkt oder ihre Herausforderungen sprechen würde. Die vielen Pflichten halten meines Erachtens viele Vermittler auch davon ab, konsequent moderne Vertriebsprozesse aufzusetzen.
Kann Regulierung auch von dem Beruf abschrecken?
Jasper: Das glaube ich nicht. Denn man macht sich ja vorher keine Gedanken darüber.
Geusen: Es führt meines Erachtens schon dazu, dass es weniger Einzelmakler gibt. In einem größeren Verbund gibt es dagegen immer jemanden, der diese Aufgaben für den Makler erledigt.
Es heißt oft, die Gen Z habe überzogene Erwartungen an den Beruf. Zu Recht?
Krehl: Am Ende sind es Menschen, die einfach noch an die Hand genommen werden müssen. Ich selbst musste 13 Jahre zur Schule gehen und ein Jahr Dienst leisten, war also zwei Jahre älter als die heutigen Schulabsolventen und konnte mich dadurch schon besser orientieren. Heutige Absolventen sind deswegen nicht schlechter. Sie artikulieren klar, was sie möchten, und sind vielleicht auch in ihrer Erwartungshaltung sehr deutlich. Dennoch bleiben es junge Menschen, die Orientierung, Halt und Struktur suchen.
Wie ließe sich der Beruf attraktiver machen, um mehr junge Leute anzuziehen?
Geusen: Aktuell haben wir quasi Vollbeschäftigung, die Menschen können sich mehr aussuchen, was sie machen. Einige wollen heute Social-Media-Manager sein und morgen im Café arbeiten. Aber es gibt auch die, die genauso arbeiten, wie schon unsere Eltern gearbeitet haben. Und andere, die keine Lust auf nichts haben und sich ständig krankmelden.
Krehl: Die gab es früher auch schon.
Jasper: Generell sollten Unternehmen in ihrem Personalmarketing aufpassen. Wer als Arbeitgeber in den Vordergrund stellt, dass er einen Kickertisch oder einen Pool hat, der zieht genau die Menschen an, die vor allem danach suchen. Es ist wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wer die Fleißigen anziehen will, die einfach einen soliden Job machen wollen, sollte anders für sich werben. Arbeitgeber wollen sich toll präsentieren, aber beschweren sich andererseits, dass die Gen Z angeblich nur Freizeit im Kopf hat.
Krehl: Es geht auch um Transparenz. Man muss zeigen, wie vielfältig und abwechslungsreich der Job sein kann. Auch mit den Risiken, die er im Zweifel mit sich bringt. Selbstständigkeit heißt nicht: Ich chille hier mal und dann arbeite ich eine Stunde am Tag.



Geusen: Ich glaube, dass die Berufswahl auch viel mit Vorbildern zu tun hat. Zum einen natürlich durch die Eltern. Es gibt aber auch Vermittler, die auf Social Media sehr viel für den Nachwuchs der Branche tun. Auch wenn sie dort in erster Linie Kunden suchen. Sie zeigen, wie der Job als Versicherungsmakler sein kann. Dass er eben nicht super langweilig ist, sondern auch cool, jung und dynamisch sein kann.



Über die Interviewten:
Florian Krehl ist Gruppenleiter Ausbildung und Ausbildungsleiter beim Versicherer Hansemerkur. In der Vergangenheit war er bereits für die Mobil Krankenkasse tätig gewesen.
Franziska Geusen ist Geschäftsführerin bei Hans John Versicherungsmakler. Seit Februar 2023 ist sie außerdem Co-Vorständin beim AfW Bundesverband Finanzdienstleistung.
Torsten Jasper ist Finanz- und Versicherungsmakler und betreibt einen Vermittler-Podcast. Er arbeitet für die Kommunikationsagentur Supersonic Group, zuvor war er Vertriebsdirektor beim Pool Apella.

