Vermögen aus der Konserve

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Kurz vor dem Start der Abgeltungssteuer herrscht unter Fondsgesellschaften Einigkeit in der Krise: Nur vermögensverwaltende Produkte können den Schlussverkauf noch anheizen und die Kundschaft für einen langfristigen Kapitalaufbau sensibilisieren

Die Zeit rast. Millisekunden laufen auf der Homepage der DWS dem Countdown entgegen. „Noch ist Zeit, sich auf die Abgeltungssteuer einzustellen“, verkündet Deutschlands größte Fondsgesellschaft per Videobotschaft, während das digitale Laufrad rotiert. „Projekt 25“, ein Abgeltungssteuerrechner und eine zu einem Viertel angeknabberte Stoppuhr sollen „fit machen“ für die größte steuerrechtliche Veränderung am Finanzplatz Deutschland seit 15 Jahren. Am 1. Januar tritt die Abgeltungssteuer in Kraft. Wer ab 2009 am Kapitalmarkt aktiv wird, zahlt auf Dividenden und auch auf Veräußerungsgewinne eine Pauschalsteuer von 25 Prozent. Wer dagegen noch im laufenden Jahr kauft, konserviert das geltende Recht, und Kursgewinne sind nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei.
Vor diesem Hintergrund rief Wolfgang Mansfeld, Vorstand der Fondsgesellschaft Union Investment und Präsident des Branchenverbands BVI, bereits Anfang 2008 das „Jahr der Vermögensstrukturierung“ aus: „Sparer sollten ihr gesamtes Geldvermögen auf den Prüfstand stellen.“

Dachfonds erleben eine Renaissance
Der Appell für eine den neuen Bedingungen angepasste Asset Allocation verpuffte – bislang zumindest. Schuld ist die Finanzkrise.  Mit jedem Tag, an dem über eine neue Bankenpleite spekuliert wird, sinken die Chancen auf einen Steuerschlussverkauf, wie sie 2004 die Versicherungsbranche mit Lebensversicherungen erlebte. „Das Geschäft mit der Abgeltungssteuer liegt unter den Erwartungen der Bankinstitute, weil die Aktivierung der Bevölkerung noch nicht gelungen ist“, sagt Karsten Schulte. „Erfahrungsgemäß ändert sich dies zumindest teilweise aber noch mit wachsender Nähe zum Stichtag“, so der Finanzexperte vom Marktforschungsinstitut Psychonomics.
Und doch, einige Anleger scheinen sich die Worte Mansfelds bereits zu Herzen genommen zu haben: Dach- und Mischfonds, von vielen Anbietern und Beratern als ultimative Lösung gegen die Abgeltungssteuer empfohlen, erleben im letzten Jahr vor ihrer Einführung eine Renaissance. Von Januar bis Ende August flossen ihnen netto fast 7,8 Milliarden Euro frisches Kapital zu – fast viermal so viel wie im vergangenen Jahr. Keine andere beim BVI geführte Fondskategorie war in den ersten acht Monaten dieses Jahres ähnlich beliebt. Mischfonds sammelten im gleichen Zeitraum per saldo immerhin 4,1 Milliarden Euro ein.
79 Dach- und 166 Mischfonds kamen zudem seit Anfang des Jahres auf den Markt, und es steht zu befürchten, dass längst noch nicht jeder mitgemischt hat: Über 80 Prozent der deutschen Vermögensverwalter erwarten, dass die meisten Fondsneuheiten der nächsten Monate Mischfonds sein werden, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Rating-Agentur Lipper. Rund 50 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich diese Fonds auch in naher Zukunft und trotz Abgeltungssteuer am besten verkaufen lassen. „Die Fonds sind Abgeltungssteuer-Allzweckwaffen und ideal für eine breit angelegte Vermögensverwaltung“, sagt Christian Rauner, Vertriebschef von Universal Investment.
Beide Fondstypen eint, dass Investoren innerhalb eines Produkts die breite Palette verfügbarer Anlageklassen geliefert bekommen: Renten und Aktien, mitunter auch Rohstoffe, Immobilien und Hedge-Fonds; Steuervorteil derzeit noch inklusive.

Mischfonds bieten Flexibilität
Umschichtungen und Reaktionen des Managements auf Marktveränderungen bleiben in Misch- und Dachfonds steuerfrei, auch wenn diese ab 2009 durchgeführt werden. Eine Flexibilität, die Anleger mit entsprechenden Einzelinvestments nicht haben. Sie können zwar dieses Jahr ihr Portfolio breit aufstellen und geltendes Steuerrecht konservieren, müssen ab 2009 jedoch untätig bleiben, wenn sie die Steuerfreiheit nicht verlieren wollen. Dieses Jahr getroffene Entscheidungen lassen sich zwar nach Ablauf der zwölfmonatigen Spekulationsfrist kostenfrei korrigieren; Folge-Investments haben dann aber den Steuerschutz verloren.
Doch längst nicht jeder Misch- oder Dachfonds ist im Steuerschlussverkauf ausnahmslos zu empfehlen. Mitunter versuchen sich kleine Vermögensverwalter als Fondsmanager, doch deren Zukunft und Know-how sind fragwürdig.

Ohne Historie und Leistungsnachweise, ohne Infrastruktur, wie sie große Fondsgesellschaften haben, und ohne das nötige Kapital laufen die Fonds Gefahr, so schnell wieder vom Radar zu verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Der Steuervorteil wäre dann dahin. Auf den folgenden Seiten stellt DAS INVESTMENT Misch- und Dachfonds vor, die bereits in der Vergangenheit nicht nur in puncto Performance überzeugen konnten. Die ausgewählten Fonds spiegeln eine ausgewogene Vermögensaufteilung wider und haben aufgrund ihres konsequenten und durchdachten Managementansatzes das Zeug zu einem echten Basisinvestment. 

Malte Dreher

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