Vermögensberater Markus Zschaber zur Steuersünden-CD

Markus Zschaber

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Die Bundesregierung kauft illegal beschaffte Steuerdaten.
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DAS INVESTMENT.com: Die Bundesregierung hat vor, die CD mit den unrechtmäßig beschafften Kontodaten zu kaufen. Was halten Sie davon?

Markus Zschaber: Generell sehe ich dieses Thema als sehr moralisch geprägt. Zunächst kann ganz sachlich festgehalten werden, dass bei Erwerb durch die BRD einen Betrag x bezahlt wird, der wiederum zu Betrag y an Einnahmen führt. Man könnte also davon ausgehen, und so sieht sicherlich auch die Position der Politik aus, dass man sich Gedanken darüber gemacht hat. Wenn man einen kleinen Betrag x zahlt, erhält man über die kommenden Steuereinnahmen dann eine hohe Liquidität genannt y. Das wäre praktisch die einfachste kaufmännische Rechnung.
Der Haken an der Sache ist nur, das Geschäft wird nicht zwischen zwei Kaufmännern umgesetzt, sondern zwischen einem Dieb und einem Staat – etwas verwerflicheres gibt es wohl nicht.

Die Beweggründe liegen auf der Hand: Wir haben die höchste Haushaltsverschuldung beziehungsweise das größte Staatsdefizit seit Gründung der BRD. In dieser Situation schaut man nicht nur nach rechts, sondern auch nach links und versucht sämtliche Einnahmequelle aufzuspüren, um praktisch an Geld zu kommen. Dieses Kapitel hat in den vergangenen Tagen sicherlich für eine große Unruhe bei allen Parteien gesorgt, aber es ist auch festzustellen, dass sich diejenigen dazu äußern, die ganz andere Leichen im Keller haben, siehe Hotellerie, Spenden und so weiter.

Analytisch gesehen motiviert es somit viele Banker im Ausland, die den Zugriff auf persönliche Daten haben, das persönliche Gehalt mal eben zu erhöhen, indem man seinen Arbeitgeber bestiehlt und dann das Produkt an einen x beliebigen Staat verkauft. Denn letztendlich sind wohl die Daten auch anderen Ländern angeboten worden. In einer Gesellschaft in der das Wort „Moral“ fast nur noch im Duden steht, wobei es wahrscheinlich mit der nächsten Rechtschreibreform dann wohl ganz verschwindet und gegen das Wort „Superstar“ ausgetauscht wird, bleiben viele Fragen offen.

Was waren dass noch für Zeiten, als in den siebziger Jahren richtige Politiker wie beispielsweise Helmut Schmidt sich noch dazu bekannten: Der Staat macht keine Geschäfte mit Verbrechern.