Vermögensforscher

„Reichtum wird oft falsch definiert“

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Nach dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung gilt eine Einzelperson als reich, sobald sie über ein monatliches Einkommen von 3.500 Euro verfügt, bei einer Familie sind es 7.000 Euro. „Diese Rechnung kann natürlich nicht funktionieren“, sagt Thomas Druyen, Reichtums- und Vermögensforscher an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien, gegenüber dem Handelsblatt. Demnach sei die Reichenforschung eher eine Mittelschichtsforschung, wenn man sich an den staatlich definierten Größenordnungen orientiert, meint Druyen. Es sollte seiner Ansicht nach eine weltweit gültige Definition für Reichtum geben, doch die gebe es nicht. An seinem Institut gibt es zur Unterscheidung von Reichtum eine Zweiteilung des Begriffs: Einmal wird Reichtum als materielle Größenordnung angesehen, die darüber Auskunft gibt, ob eine Person eine oder 100 Millionen Euro hat. Der zweite Teil ist eine qualitative Bestimmung darüber, wie eine Person mit dem Reichtum umgeht.   Bei dem Thema Reichtum sollte es seiner Überzeugung nach um Unternehmertum, Arbeitsplätze, Steuern und die Organisation der Gesellschaft gehen. Ein Bild von Reichtum wie es durch die Familie Geissens erzeugt wird, sei ein extrem irreführendes Bild. Demographischer Wandel bedroht Wohlstand in Deutschland Eine große Gefahr für den Wohlstand in Deutschland macht Druyen beim demographischen Wandel aus. "Das Leben, das Bismarck mit seiner Sozialversicherung für wenige Jahre absichern wollte, heute 30 bis 40 Jahre währt. Wir haben aber immer noch das gleiche Finanzierungssystem", sagt Druyen. Da sei es grob fahrlässig und verantwortungslos, wenn die Bundesministerin Nahles von er Rente mit 63 spricht, wenn die Menschen eigentlich bis 70 arbeiten sollten. Deshalb sollten gerade junge Menschen mit einer Lebenserwartung von 100 plus für ihre Zukunft sorgen. Dafür eignen sich nach Ansicht von Druyen besonders Aktien. Diese Anlageform sei eine ernstzunehmende Form der Vorsorge und der Investition in die Zukunft. Jeder könne, der ein bisschen Zeit aufwendet, gut informiert und ein paar Euro übrig hat, an der Börse investieren und damit für seinen eigenen Wohlstand sorgen. 2.500 sichtbare Milliardäre, Dunkelziffer liegt höher
Weltweit gibt es etwa 2.500 Milliardäre. Das seien aber nur die sichtbaren. Es gibt laut Schätzungen eine Dunkelziffer, die zwischen 2.000 und 4.000 unbekannten Milliardären liegt. Bei diesen Vermögen handelt es sich um Schwarzgeld aus illegalen Machenschaften. Es gibt etwa 150.000 Familien mit mehr als 30 Millionen Dollar weltweit und etwa 14,5 Millionen Millionäre bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 7,4 Milliarden Menschen. Darunter sind laut Angaben der Vereinten Nationen etwa eine Milliarde arm. Die Definition von Arm ist demnach, wer über 60 bis 70 Cent am Tag verfügt. Diese Betrachtung hält Druyen für zynisch, weil wenn man 1,20 Dollar nehmen würde, was seiner Ansicht nach keinen großen Unterschied in Bezug auf die Lebensqualität macht, gäbe es 3,5 Milliarden arme Menschen.

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