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Tomaten an einem Gemüsestand. Anleger sollten besser vegan essen, als vegan anzulegen, findet Vermögensverwalter Udo Rieder. | © Getty Images

Vermögensverwalter findet „Vegane Anlageprodukte sind noch nicht ausgereift“

Früher regelte der hohe Preis einen übermäßigen Fleischverzehr. Seit jedoch Wurst- und Fleischwaren nicht nur in Deutschland zu Dumpingpreisen verschleudert werden, haben sich die Essgewohnheiten deutlich verschoben. Die tägliche Ration Fleisch gehörte lange Zeit einfach dazu. Erst in den letzten Jahren hat ein deutliches Umdenken stattgefunden. Sofern „Bio“ auf den Produkten steht, geht dieser Wandel mit einer bemerkenswerten Akzeptanz deutlich höherer Preise einher.
Fakt ist, dass die Anzahl an Vegetariern und Veganern seit geraumer Zeit stetig wächst. Immer mehr Bio-Fachläden sprießen aus dem Boden. Selbst die Diskonter haben mittlerweile ein beachtliches Sortiment an Fleisch- und Milchersatz- und Bioprodukten in ihren Regalen. Vegane Restaurant und Cafés erleben einen regen Zulauf.

Udo Rieder
Foto: KSW Vermögensverwaltung AG

Wachstumsraten beim Umsatz von 30 Prozent und mehr für vegetarische und vegane Produkte waren in der jüngeren Vergangenheit eher die Regel als die Ausnahme. Bei gleichzeitig deutlich erhöhten Gewinnmargen kann man sich schon einmal die Frage stellen: Wer sind eigentlich die Profiteure dieser boomenden Industrie, deren Wert nach Schätzungen der Ernährungsorganisation Proveg schon im Jahr 2020 auf etwa 40 Milliarden US-Dollar geschätzt wird?

Anfangs zermarterten sich vor allem kleinere Unternehmen (zum Beispiel Wheaty) und Start-ups die Köpfe, um Ernährungsalternativen zu entwickeln, die ethische und ökologische Aspekte berücksichtigen und dabei gesund und lecker sein sollten. Mit zunehmendem Erfolg sprangen immer mehr Großkonzerne und ehemalige klassische Fleischproduzenten auf den fahrenden Zug auf. Zu den Marktführern bei Fleischersatzprodukten in Deutschland zählen heute unter anderem die Rügenwalder Mühle und Wiesenhof. International spielen die Großen der Nahrungsmittelindustrie wie Nestlé oder Unilever mit diversen Submarken eine bedeutende Rolle.

So schwierig es ist, im Supermarkt oder Bioladen ein Produkt eines reinrassigen veganen Herstellers zu finden, so schwierig ist es, an der Börse echte „vegane“ Aktien zu kaufen, um gezielt von diesem Boom zu profitieren. Einige wenige Ausnahmen sind die Anteilsscheine von John B. Sanfilippo & Son, der Hain Celestial Group oder der Freedom Foods Group. Je nach Betrachtungszeitraum erzielte man mit deren Papieren teilweise beachtliche Gewinne oder erlitt herbe Verluste.

Die zumeist erhöhte Volatilität dieser Aktien ist nicht jedermanns Geschmack, ganz wie bei den Endprodukten der Gesellschaften. Der neue vegane Börsenstar Beyond Meat, um dessen Burger sich die Kunden bei Markteinführung im Supermarkt regelrecht geprügelt haben, scheint sich in dieses Muster perfekt einzureihen. Nach einem fulminanten Börsenstart Anfang Mai und zwischenzeitlichen Kursgewinnen von über 250 Prozent verlor die Aktie in den letzten Tagen gut ein Viertel ihres Börsenwertes!

Vielleicht sollte man vegan doch eher essen, als anzulegen.


Über den Autor:
Udo Rieder ist Portfoliomanager bei der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg.

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