Dirk Söhnholz, Geschäftsführer des Veritas Investment

Dirk Söhnholz, Geschäftsführer des Veritas Investment

Vermögensverwaltende Fonds

Passives Anlegen gibt es nicht

Man kann zwar grundsätzlich nur in einen einzigen vermögensverwaltenden Fonds investieren und eine Buy-and-Hold Strategie verfolgen, also einmal einen Fonds kaufen und dann nichts mehr an dieser Entscheidung ändern. Aus Anlegersicht ist das dann passiv.

Doch es gibt sehr viele sehr unterschiedliche vermögensverwaltende Fonds. Man muss sich also aktiv für einen Fonds entscheiden. Und vor allem der oder die Manager des Fonds müssen aktiv entscheiden. Die wichtigste Frage ist die nach den Assetklassen, die im Fonds vertreten sein sollen.

Nur Aktien und Anleihen, wie früher in den Mischfonds? Oder auch Rohstoffe, Immobilien, Infrastruktur oder sogar Private Equity? In der Regel investieren solche Fonds weltweit und klammern auch keine Branchen aus. Wie sollen aber Regionen gewichtet werden und wie Branchen? Sollen Investments nur in Euro getätigt werden oder wie viele Fremdwährungsrisiken ist man bereit, zu akzeptieren?

Sollen manche Investments sogar gehebelt oder geshortet werden, wenn man besonders positive oder negative Aussichten für diese hat? Wie sollen Aktien innerhalb eines Aktienindexes gewichtet werden? Sollen sie wie im Index oder lieber gleichgewichtet werden oder doch lieber nach fundamentalen oder in der Vergangenheit statistisch besonders gute Kriterien?

Sollen etwa außer Rendite und Risiko noch andere Ziele verfolgt werden, wie das sogenannte Responsible Investment, zum Beispiel durch den Ausschluss bestimmter Branchen oder Länder? Soll als Dachfonds investiert werden, um eine möglichst breite Streuung der Investments zu erreichen?

Falls ja, glaubt man, aktive Fondsmanager zu finden, die „passive“ Fonds (ETFs, also Exchange Traded Funds oder börsennotierte Fonds) dauerhaft schlagen können? Kein Wunder, dass es bei so vielen nötigen Entscheidungen schwer fällt, zum Beispiel den richtigen ETF zu finden.

Fondsmanager sollten ihre Anlageregeln offenlegen

Es gibt heute schon über 1000 zum öffentlichen Vertrieb in Deutschland zugelassene ETFs, die sich nicht nur in Gebühren und Anbietern, sondern oft auch in anderen der oben genannten Kriterien unterscheiden. Klar ist damit, dass die Entscheidung eines Anlegers auch für einen ETF-Dachfonds sorgfältig sein muss.

Dabei ist nicht nur die aktuelle Allokation wichtig. Denn es gibt kaum Fonds, die ihre Allokationen nie ändern. Nur wenn die Fondsmanager ihre Anlageregeln inklusive aller Änderungen wie Rebalanzierungen komplett offenlegen, kann man Fonds gut miteinander vergleichen. Wenn jemand perfekte Regeln hat, wird er sie nicht ändern wollen.

Doch vermutlich würden sogar die meisten als oft sehr selbstsicher eingeschätzten Fondsmanager einräumen, dass sie die perfekte Regel noch nicht gefunden haben und mehr oder weniger kontinuierlich ihre Regeln verbessern. Das wiederum ist kein komplett passiver Ansatz.

Um mögliche Regeländerungen einschätzen zu können, muss die Investmentphilosophie des Fondsmanagers bekannt sein. Unserer Ansicht nach kann man drei unterschiedliche Philosophien unterscheiden: Meinungsorientierte, prognosebasierte systematische und prognosefreie systematische Philosophien.

Sinnvoll ist es, zwar komplett prognosefrei, doch trotzdem sehr systematisch zu investieren. Denn bereits Perikles sagte im antiken Athen: „Es ist nicht unsere Aufgabe, die Zukunft vorauszusagen, sondern auf sie gut vorbereitet zu sein.“

Mehr zum Thema
Templeton Growth FundDer fünfte Fondsmanager beweist sich Soft-ClosingAlken schließt dritten Fonds