Ende Juni 2026 war die Liquiditätsreserve deutscher Vermögensverwalter so knapp wie seit Beginn der Auswertung im Jahr 2020 nicht mehr. Gleichzeitig nähert sich die Aktienquote einem mehrjährigen Höchstwert.

Die Liquiditätsquote in den Depots unabhängiger Vermögensverwalter lag zum Ende Juni bei 8,9 Prozent – der niedrigste gemessene Stand in gut fünfeinhalb Jahren. Das zeigt eine Untersuchung des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) und der Datenplattform Qplix, über die zuerst das „Handelsblatt“ berichtete.

Grundlage sind 51.217 Depots von 190 unabhängigen Vermögensverwaltern, die bei der V-Bank verwahrt werden. Der Aktienanteil einschließlich Derivate lag im selben Zeitraum bei 59,4 Prozent und nähert sich damit dem Höchstwert von 60 Prozent im ausgewerteten Zeitraum seit 2020.

Fallende Kurse können verstärkt werden

Eine ähnlich dünne Kasse gab es zuletzt Ende 2021. Kurz darauf ließen Zinswende und Ukrainekrieg die Börsen einbrechen. Der US-Technologieindex Nasdaq 100 war zwischen 2019 und 2021 um fast 160 Prozent gestiegen, verlor dann bis Oktober 2022 mehr als 35 Prozent. Der Dax gab im selben Zeitraum 25 Prozent ab.

Der Mechanismus dahinter: Wer schon nahezu voll investiert ist und kaum Reserven hat, kann bei fallenden Kursen nicht mehr gegensteuern und nachkaufen. Fehlt dieser Puffer an frischem Kapital, verstärkt sich ein erster Kursrückgang leicht selbst – weil gleichzeitig viele Anleger versuchen, ihre Gewinne zu retten oder Verluste zu begrenzen, und damit zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen.

Wie die Rendite 2025 ausfiel

Wie sich die Vermögensverwaltung im vergangenen Jahr insgesamt geschlagen hat, zeigt der Trendmonitor Vermögensverwaltung 2026, für den IVA und Qplix 55.801 reale Kundenportfolios von 121 unabhängigen Vermögensverwaltern analysierten. Demnach erzielten konservative Depots 2025 im Median eine Rendite von 4,74 Prozent und trafen damit ihre risikoadjustierte Benchmark laut der Auswertung exakt. Ausgewogene Mandate kamen auf 6,48 Prozent, knapp über der Benchmark von 6,45 Prozent.

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Bei chancenorientierten Depots reichte es dagegen nicht: Mit 8,03 Prozent blieben die Verwalter 0,55 Prozentpunkte unter ihrer Vergleichsgröße von 8,58 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf das Gesamtjahr 2025 und lassen sich nicht direkt mit der aktuelleren Liquiditäts- und Aktienquote zur Jahresmitte 2026 verrechnen – beide Auswertungen stammen von IVA und Qplix, aber aus unterschiedlichen Erhebungen und Zeiträumen.

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Zurückhaltung bei US-Werten

Von blinder Risikofreude kann trotz knapper Liquidität keine Rede sein. Beim US-Anteil im Aktiendepot halten sich die Vermögensverwalter zurück: Mit 33,5 Prozent liegt er im ersten Halbjahr 2026 klar unterhalb des US-Gewichts im breiten Weltindex FTSE Global All Cap von mehr als 60 Prozent. Schwergewichte wie Nvidia, Broadcom, Apple, Meta und Tesla zählen im Weltindex zu den zehn größten Positionen, tauchen in den ausgewerteten deutschen Depots aber nicht unter den Top-Positionen auf.

Das größte Gewicht liegt weiterhin auf europäischen Aktien mit 44,8 Prozent, wenn auch rückläufig – 2023 lag der Anteil zeitweise bei über 50 Prozent. Profiteure der Verschiebung sind Schwellenländer, der Pazifikraum und Japan. Auch innerhalb der Aktienquote verschieben sich die Gewichte: Der Anteil der Technologiewerte legte im zweiten Quartal 2026 um 1,8 Prozentpunkte zu und liegt nun bei 21,4 Prozent, mit Abstand dahinter folgen Finanzdienstleister (16 Prozent) und Industrieunternehmen (knapp 15 Prozent).

Kürzere Laufzeiten bei Anleihen

Auch im Rentensegment zeigt sich Vorsicht: Der Anteil von Anleihen mit Investment-Grade-Rating stieg von 69,5 Prozent Ende 2020 auf mittlerweile 77,3 Prozent, bei gleichzeitig kürzeren Laufzeiten – 87,7 Prozent des Rentenvermögens sind für weniger als zehn Jahre gebunden. Der Anleiheanteil am Gesamtdepot liegt bei 27,4 Prozent und ist zuletzt leicht gesunken.

Marcel Reyers, Finanzplaner und Vorstand der Vereinigung Financial Planning Standard Board Deutschland, ordnet im „Handelsblatt“ ein, warum Anleihen für Anleger wieder attraktiver werden. Bei US-Aktien lägen die langfristigen Renditeschätzungen großer Fondshäuser zwischen 6 und 9 Prozent pro Jahr, so Reyers: „Da sind wir mit Anleihen gar nicht mehr so weit weg.“

Auch international sitzen Fondsmanager auf wenig Cash

Die Positionierung der deutschen Vermögensverwalter fügt sich in ein globales Muster. Bei der Fondsmanagerumfrage der Bank of America (Bofa) von Anfang August lag die durchschnittliche Cash-Quote der 203 teilnehmenden Fondsmanager bei 3,5 Prozent des verwalteten Vermögens – der niedrigste Wert seit Februar 2026 und einer der niedrigsten seit Beginn der Erhebung 1998, wie der Finanznachrichtendienst „Mace News“ berichtete. Netto 56 Prozent der Manager waren zu diesem Zeitpunkt bei globalen Aktien übergewichtet, ein deutlicher Anstieg gegenüber 42 Prozent im Juli. Die Bofa-Umfrage erscheint monatlich – die nächste Ausgabe dürfte zeigen, ob sich die Positionierung seither verändert hat.